Wird Deutschland durch Ausländer zum Sieger-Typ?
Die "Win-Win-Perspektive" der Rita Süssmuth
Rita Süssmuth, Ex-Bundesministerin und Bundestagspräsidentin außer Diensten, hat nie in ihrem Leben auch nur wenige Tage in einem Ausländerviertel deutscher Städte zugebracht. Sie hat aus eigener Anschauung nicht den blassesten Schimmer, wie es ist, als Deutsche zur Minderheit im eigenen Land zu gehören. Noch weiß sie aus persönlichem Erleben, wie Ausländer die Lage im fremden Land empfinden.
Dennoch tritt die Professorin für Erziehungswissenschaften und christdemokratische Politikerin als Expertin für Ausländerfragen auf und wirkt sogar als Vorsitzende des von der Bundesregierung berufenen "Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration". Auch für die anderen gesellschaftlich hochgestellten Mitglieder dieses so genannten Sachverständigenrates gilt, dass sie nie auf direkte Tuchfühlung mit den Problemen in den überfremdeten sozialen Brennpunkten gegangen sind. Es ist so, als würde man Blinde mit einer Expertise über Goethes Farbenlehre betrauen, als sollte jemand, der allenfalls ein Tretboot beherrscht, auf der Kapitänsbrücke eine Viermastbark um ein sturmumtobtes Kap steuern, als wollte man Menschen, die von Medizin nicht mehr wissen als das, was auf Beipackzetteln von Medikamenten steht, Skalpelle in die Hand drücken, damit sie komplizierte chirurgische Operationen durchführen.
Wer hat wirklich Vor-Urteile?
Frecherweise kreidet der Süssmuth-Kreis solchen Deutschen "Vorurteile" an, die ihr Leben in Ausländervierteln fristen, die Wäscheleine an Wäscheleine mit dem Orient zubringen müssen und leider nur zu häufig auch auf Messerstichweite mit diesem konfrontiert werden. Menschen sind das also, die wirklich Ahnung aus eigener Erfahrung haben, die wissen, "was Sache ist", und die deshalb gegen weitere Massenzuwanderung von Fremden sind.
Auch ich, der ich zwei Jahrzehnte ganz in der Nähe des Dortmunder Borsigplatzes gelebt habe und reichlich Erfahrung sammeln konnte, wie das ursprünglich gute bis leidliche Zusammensein von Deutschen und Türken durch übermäßige Turkisierung in das Gegenteil umschlug, werde mit meinen Warnungen vor weiterer Überfremdung von "Sachverständigen", die gänzlich unbeleckt sind von einschlägiger Erfahrung, in die Abteilung "Vorurteile", wenn nicht gar "Ausländerfeindlichkeit" einsortiert.
Ausländer "in die Sozialsysteme getrieben"?
Frau Süssmuth hat jetzt in einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" (8. März) das "Humankapital" hochleben lassen, welches Deutschland durch Einwanderung von Ausländern zugewachsen sei bzw. weiter zuwachsen werde. Man solle, so fordert die oberste Zuwanderungs-"Sachverständige" der Republik, endlich die "wechselseitige Bereicherung" anerkennen, die sich aus den so genannten multikulturellen Zuständen ergeben würden. Dass sich "Humankapital" und "wechselseitige Bereicherung" nicht recht entfalten können, liege an immer noch viel zu krassen Einschränkungen für Ausländer in Deutschland. Die Tatsache, dass seit vielen Jahren die Einwanderung von Ausländern zu Lasten und nicht etwa zu Gunsten der deutschen Sozialsysteme erfolgt, sei Deutschlands eigene Schuld. Süssmuth: "Wir drängen Migranten und Migrantinnen durch Arbeitsverbote in die Sozialsysteme... Das Humankapital lassen wir aufgrund unserer Anerkennungsstandards ausländischer Berufsabschlüsse brach liegen. Der Feststoffphysiker arbeitet allenfalls als Taxifahrer. Auch hier bedarf es neuen Denkens, eines Paradigmenwechsels."
Dass sich aber seit den 70er-Jahren die Zahl der hierzulande dauerhaft lebenden Fremden mehr als verdoppelt hat, während die Zahl der erwerbstätigen Ausländer in Deutschland, die in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen, um mehrere Hunderttausend gesunken ist, so dass die Einzahler kaum noch ein Viertel aller Ausländer ausmachen – das liegt nicht an angeblicher deutscher Diskriminierung von hochqualifizierten Einwanderern (wie viel Feststoffphysiker beispielsweise mag es unter den Millionen Neueingeströmten gegeben haben, wie viele haben wir aus Anatolien durch EU-Freizügigkeit zu erwarten?). Der wirkliche Fehler im System liegt darin, dass man Massen schulisch und beruflich für diese unsere Gesellschaft absolut unqualifizierter Fremder hereingelassen hat und weiter hereinlassen will und dass eine von Süssmuth & Co. mitzuverantwortende, verkorkste "Integration" der Ausländer zusätzlich Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger produziert.
Abstieg vom Siegertreppchen
Frau Süssmuth beschließt ihren Beitrag in der "Süddeutschen" mit der Forderung, bei der Einwanderung von noch mehr Ausländern eine "Win-Win-Perspektive und -Strategie" zur Geltung kommen zu lassen. Mit dem dummen Anglizismus "win-win" will sie offenbar ausdrücken, dass für beide Seiten, Zuwanderer und Zuwanderergesellschaft, Nutzen, Gewinn, Sieg herausspringen. Zum wirtschaftlichen Sieger-Typ allerdings ist die Bundesrepublik Deutschland in "mononationalen" bzw. "Monokulturellen" Zeiten mit gänzlich deutschem "Humankapital" geworden. Stichworte: Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Im Zeichen zunehmender Multikulti-Zustände stehen wir nicht mehr auf dem Siegertreppchen, sondern befinden uns im steilen Absturz vom Olymp.
Wobei man (nicht oft genug kann es betont werden!) nicht die Ausländer schuldig sprechen sollte. Hass auf Fremde ist Vaterlandsbekennern, die im Geiste eines Herder die nationale Vielfalt auf Erden als Offenbarung des Höchsten betrachten, gänzlich fremd. Der Bannstrahl ist auf etablierte Politiker und "Sachverständige" zu richten. Sie verderben mit ihren multikulturellen Milchmädchenrechnungen nach Art der Frau Süssmuth den Brei. Se tragen die Verantwortung dafür, dass eine ungenießbare Suppe eingebrockt wird.
Bernhard Barkholdt
Weiterführende Bücher aus der Feder unseres Autors Barkholdt:
AUSLÄNDER. Die wahren Fakten;
HALBMOND ÜBER DEUTSCHLAND? (je Eur. 9,90).