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Warum griff die Wehrmacht Russland an? Dramatische Enthüllungen in „Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs“ Soeben kommt ein Werk des Historikers Dr. Stefan Scheil „1940/41 – Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs“ auf den Büchermarkt (528 Seiten, E 34,–, Olzog Verlag, München). Das Ergebnis des mörderischen Ringens von 1939 bis 1945 sieht Scheil so: „Der Zweite Weltkrieg wurde in Russland entschieden, letztlich zuungunsten Deutschlands ebenso wie zum Schaden Russlands, denn die Invasionen der Alliierten in Italien und Frankreich erreichten es um einen vergleichsweise geringen Preis, die industriellen Zentren der Welt ebenso dem Zugriff der angelsächsischen Mächte zu sichern, wie es bei den Rohstoffzentren bereits der Fall war und im Fall Japans bald ergänzt werden sollte.“ Von diesem Sieg erholte sich Moskau nicht Wie also sieht der Sieg Moskaus aus? „Übrig blieben als Hinterlassenschaft eine Wüste aus verrottenden Schwerindustrien, mehrere Dutzend Millionen von Todesopfern und eine deprimierte Bevölkerung, der als einzig greifbarer Erfolg der angebliche Triumph im ,Großen Vaterländischen Krieg‘ präsentiert werden konnte. Von diesem Erfolg erholte die UdSSR sich nicht mehr: ,Am Ende trugen sie den Sieg davon: Sie vernichteten sich selbst und das Volk‘, wie ein zeitgenössischer Autor feststellte. Das große Spiel war Stalin außer Kontrolle geraten. Der deutsche Angriff kam zu schnell und zu präzise, um noch Raum für sowjetische Eroberungspläne zu lassen, aber er war doch nicht ausreichend, um Deutschland vor dem Untergang zu retten. Als Nutznießer dieser Angelegenheit stellte sich die anglo-amerikanische Kriegsführung heraus.“ Die Erwartungen des Sowjet-Diktators Stalin auf den Zweiten Weltkrieg haben so ausgesehen, wie er am 7. September 1939 gegenüber dem Generalsekretär der Komintern, Dimitroff, erläuterte: „Der Krieg wird zwischen zwei Gruppen kapitalistischer Staaten (armen und reichen in Bezug auf Kolonien, Rohstoffe usw.) um die Aufteilung der Welt und um die Weltherrschaft geführt. Wir haben nichts dagegen, wenn sie ordentlich gegeneinander Krieg führen und sich gegenseitig schwächen. Es wäre nicht schlecht, wenn durch die Hand Deutschlands die Position der reichsten kapitalistischen Länder (besonders Englands) zerrüttet werden würde. Ohne es zu wissen und zu wollen untergräbt Hitler das kapitalistische System. … Wir können manövrieren und die eine Seite gegen die andere aufhetzen, damit sie sich umso heftiger gegenseitig zerfleischen. Der Nichtangriffspakt hilft Deutschland in gewisser Weise. Bei nächster Gelegenheit muss man die andere Seite aufhetzen. … Wir hätten ein Abkommen mit den so genannten demokratischen Ländern vorgezogen und haben deshalb Verhandlungen (mit ihnen) geführt. Aber die Engländer und Franzosen wollten uns in Knechtschaft halten und nichts dafür bezahlen.“ Molotows Forderungen waren unerfüllbar In „Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs“ schildert der Autor, wie Hitler immer wieder versucht habe, einen Kompromissfrieden herbeizuführen. Diese Absicht lag auch den Verhandlungen beim Molotow-Besuch in Berlin im November 1940 zugrunde: „Hitlers Ziel war einmal mehr das Kriegsende, wofür er die politische Unterstützung der UdSSR brauchte, um die in London verbreitete Annahme man könne früher oder später die UdSSR auf der eigenen Seite in den Krieg ziehen, zu widerlegen. ,Englands Hoffnung‘, wie er es nannte, war auf diese Art zu zerstören. Er brauchte also den oben erwähnten, ,Kontinentalblock‘, den Beitritt der UdSSR zum frisch unterzeichneten Dreimächtepakt Japans, Deutschlands und Italiens, der die zerrissene Koalition erst zu einer wirklichen Größe machen würde. Molotow hat handschriftliche Notizen darüber hinterlassen, was ihm Stalin vor seiner Abreise nach Berlin aufgetragen hatte: Der Inhalt ist „der Beweis dafür, dass Stalin jetzt weit über den bisher in den Jahren 1939 und 1940 erreichten Gebietsgewinn hinausgehen wollte und zielstrebig auf die Sowjetisierung ganz Europas östlich Deutschlands hinarbeitete. Als Basis der gesamten Verhandlungsstrategie sollte Molotow – nach Stalins Formulierung – davon ausgehen, dass das vor kaum mehr als einem Jahr geschlossene Abkommen aus dem Nichtangriffspakt über die Abgrenzung der Interessensphären zwischen Deutschland und der UdSSR ,ausgeschöpft‘ sei und ,bei den Verhandlungen anstreben, dass der Interessensphäre der UdSSR folgendes zuzurechnen‘ ist. Dann folgte eine Liste, auf der zu finden waren: • Finnland • die Donau • Rumänien • Ungarn • Bulgarien (Hauptfrage der Verhandlungen) • Türkei • Iran • Griechenland • Jugoslawien • der große und kleine Belt, Öresund, Kattegat und Skagerrak • Spitzbergen.“ Alternative: Angriff oder Kapitulation Quintessenz von Dr. Scheil: „Sollten die Vereinigten Staaten gleichzeitig daran festhalten, den Rhein als ,ihre Grenze‘ zu betrachten, wie Roosevelt dies im Januar 1939 ausgedrückt hatte, dann blieb für ein Deutschland als eigenständiger Machtfaktor im internationalen Spiel buchstäblich kein Platz mehr. Was Molotow in Berlin zurückhaltend freundlich, dann wieder offen zynisch, immer aber unnachgiebig verlangte, war nicht weniger als eine strategische Kapitulation. In der Konsequenz hieß dies nichts anderes, als dass der Angriff auf Russland „im Rahmen des Gesamtkrieges in der Situation des Spätherbstes 1940 tatsächlich wohl unvermeidbar war, wenn Hitler nicht ,kapitulieren‘ wollte.“ Molotow berichtete Stalin von Hitlers Reaktion bei den Verhandlungen: „Er hatte einiges hinzunehmen. Er sprach aber mit einer ruhigen Stimme, er fluchte nicht. Er versuchte zu überzeugen.“ Deutschland rüstete ab statt auf Die sowjetische Seite war über die völlig unzureichenden Rüstungsbemühungen Deutschlands überrascht. Stalin hatte den Absolventen der 16 Militärakademien der UdSSR vorgetragen, der deutschen Armeeführung seien die Erfolge zu Kopf gestiegen. Den bescheidenen Umfang der deutschen Rüstung erläuterte er so: „Sie bilden sich ein, dass sie alles können, dass ihre Armee stark genug ist und dass es keinen Sinn macht, sie nachzurüsten.“ Stalin aber glaubte: „Eine Armee, die sich für unbesiegbar hält, die meint, sie brauche keine Vervollkommnung, ist zur Niederlage verurteilt.“ Die sowjetische Aufrüstung lief ebenso wie die amerikanische und britische seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf Hochtouren. Scheil über die Situation 1941: „Tatsächlich verfügte die UdSSR aber über mehr Panzer als der Rest der Welt zusammen, wie gesagt nicht weniger als siebenmal so viele wie die deutsche Armee und dies bei gleicher und höherer Qualität. Den neuen Typen T-34 und KW stand auf deutscher Seite kein Pendant gegenüber, aber auch die älteren wie der massenhaft vorhandene BT 7 konnten sich mit den deutschen Typen in Hinblick auf Panzerung und Bewaffnung durchaus messen.“ Roosevelts Propaganda-Lügen Eine Reihe deutscher Bemühungen, sich aus der Umklammerung zu lösen, ging schief. Dazu gehört auch die Friedensmission von Heß: „Dass Rudolf Heß letztlich einer englischen Intrige aufsaß, ist seit langem bekannt, auch wenn es in der Nachkriegszeit zunächst verschwiegen wurde. Diese Intrige verfolgte in erster Linie die Absicht, die Bildung einer möglichen Friedensfraktion innerhalb der englischen Politik zu verhindern.“ Angesichts der Machtverhältnisse hatte sich der französische Staatschef Petain geweigert, einem Bündnis mit Deutschland beizutreten und Abwehrchef Canaris war in Spanien nach Kräften bemüht, Franco von einem Pakt mit Deutschland abzuhalten, so dass er genau das Gegenteil seines Auftrags erreichte. Die USA entschieden den Zweiten wie schon den Ersten Weltkrieg. US-Präsident Roosevelt behauptete, es gehe um „einen Weltkrieg um die Weltherrschaft“ und das könne man „im Nazi-Buch der Welteroberung“ lesen. „Sie haben vor, die Vereinigten Staaten zu erwürgen.“ Dazu Dr. Scheil: „Nun hatten die Nationalsozialisten nie die allergeringste Aussicht besessen, die ,Welt‘ zu erobern, und das Bewusstsein für diese Tatsache lässt sich aus den zahlreichen Versuchen durchaus ablesen, den beginnenden Weltkrieg seit 1939 zu stoppen. ,Die Welt können sie behalten‘, hatte Hitler über die angelsächsischen Mächte gesagt und dies auch mehrfach deutlich wissen lassen. Die ,Nazis‘ waren im Gegenteil erklärtermaßen soweit, den europäischen Krieg auf seine Wurzeln zurückzuführen und zu beenden. Die Entscheider in Washington wie London wussten das.“ Die Westmächte hätten, so Dr. Scheil, zu keinem Zeitpunkt einen Kompromiss mit Deutschland überhaupt in Betracht gezogen, sondern alle deutschen Friedensführer stets zurückgewiesen. Bei diesem Verhalten habe das NS-Regierungssystem nicht die entscheidende Rolle gespielt, so wie es ja auch den USA und Großbritannien bei so ziemlich allen früheren Kriegen nicht um Befreiung der Völker oder die Durchsetzung der Demokratie gegangen ist. Quelle
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