Teenie im Moor versumpft
| 20.06.05 |

In einem Moor bei Nienburg ist die europaweit spektakulärste Moorleiche seit vier Jahrzehnten gefunden worden.

Ein Mitarbeiter der Torf- und Humuswerke Uchte fand Niedersachsens älteste Moorleiche. Er habe einen Teenager entdeckt, sagte der Landesarchäologe Henning Haßmann am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Das junge Mädchen habe seit mehr als 2500 Jahren im Moor gelegen. Es handelt sich nach Haßmanns Angaben um den europaweit ersten Fund dieser Art seit mehr als 40 Jahren.
Zunächst Verdacht auf Verbrechen
Beim Torf stechen hatte der Mitarbeiter vor einigen Wochen Knochen gefunden und die Polizei alarmiert. Die Beamten gingen zunächst von einem Verbrechen aus. Dann wurde aus dem Knochenfund „eine sensationelle Entdeckung", wie Haßmann erläuterte. Aus dem Mordopfer wurde ein prähistorischer Fund. Die Leiche des Mädchens ist nach seinen Angaben fast komplett. Sogar die Haare waren im Moor konserviert worden.
Gefährtin für „Roten Franz“
Es könnte die wichtigste Entdeckung in Niedersachsen seit dem Fund einer Moorleiche im Bourtanger Moor im Emsland sein. Dort war im November 1900 beim Torf stechen der Leichnam eines erwachsenen Mannes gefunden worden. Da das Moorwasser seine Haare rot gefärbt hatte, wurde er „Roter Franz“ genannt. Er starb im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus.
Trockenlegung zerstört Moorleichen
In Deutschland sind bisher mehrere Hundert Moorleichen gefunden worden. Eine der bekanntesten ist das „Mädchen von Windeby“. 1952 wurde im schleswig-holsteinischen Domlandsmoor bei Windeby die Leiche eines 13-Jährigen Mädchens gefunden, die etwa 2000 Jahre lang im Moor gelegen hatte. Die Chancen, eine Moorleiche zu finden, waren nach Haßmanns Worten beim Handabstich des Torfs größer als heute. Bei maschinellem Torfstich werde viel zerstört. Außerdem würden immer mehr Moore trockengelegt, was bedeute, dass die Knochen zerbröseln.
