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Default Die schönste Frau des 20. Jahrhunderts

Grace Kelly

Die schönste Frau des 20. Jahrhunderts

Als Filmstar wurde sie zur Stilikone. Und als die amerikanische Schauspielerin Grace Kelly in den Adelstand trat, wurde sie zur "Fürstin der Herzen". Ihren tragischen Tod 1982 betrauerte die Welt. In Monaco wird jetzt eine grandiose Ausstellung über Gracia Patrizia gezeigt.

Auch wenn Sternchen weit weniger hell leuchten als echte Stars: Viele von ihnen gemeinsam überstrahlen leicht das Licht der echten Ikonen. Vielleicht gibt es deshalb heute, neben all den „Pop-Titanten“ und ,„Hotelerbinnen“, keine wirklichen mehr. Die wohl letzte Vertreterin starb vor fast genau einem Vierteljahrhundert an einer engen Straßenkurve an der Cote d’Azur. Fürstin Gracia Patricia, besser bekannt unter ihrem Geburtsnamen Grace Kelly, ist jetzt eine große Ausstellung in Monaco gewidmet.

Man darf freilich keine kritische Auseinandersetzung mit dieser „Fürstin der Herzen“ erwarten – immerhin gaben ihre Kinder, voran ihr Sohn Albert von Monaco das Einverständnis, der Mutter im Grimaldi-Forum, dem hochmodernen Kongresszentrum von Monte-Carlo, ein Denkmal zu setzen. So merkt man der Schau allerorten das Bemühen um die Apotheose der Schauspielerin und Familienfrau an – bis hin zum schwer nachvollziehbaren Verzicht auf die Beschreibung der Todesumstände.

Eine Ikone, mehr oder minder privat

Denn dadurch wird die Aufmerksamkeit der Besucher eher auf die ungelösten Fragen jenes 13. Septembers 1982 gelenkt, als unbestätigten Gerüchten zufolge eben nicht Gracia Patricia den Wagen die steile Serpentinenstrecke nach Monaco hinunterfuhr, sondern ihre 17-jährige, im Autofahren ungeübte Tochter Stéphanie. Geklärt worden ist das nie; dafür kursieren noch immer die Erzählungen, damals sei Schweigegeld an Augenzeugen gezahlt worden. Zum Jahrestag des Todes wäre die Gelegenheit gewesen, dieses Geraune zu beenden oder zu bestätigen.
Doch dieses fehlende letzte Kapitel ist die einzige Schwäche einer ansonsten begeisternden Ausstellung. Denn der Palast von Monaco und das fürstliche Privatarchiv haben den Ausstellungsmachern um Frédéric Mitterand offenbar fast jeden Winkel ihrer Lager geöffnet. Vom Sammelalbum des pubertierenden Mädchen Grace über die Zeugnisse ihrer glänzenden Karriere als Schauspielerin bis hin zu privatesten Briefen und eindrucksvollen Kreationen der Haute Couture findet sich ein breiter Querschnitt durch den Nachlass der wahrscheinlich schönsten Frau des 20. Jahrhunderts.

So ist der Oscar ausgestellt, den sie für ihre Hauptrolle in „The Country Girl“ erhielt; er steht neben der lindgrünen Robe, die Grace Kelly zur Verleihung 1955 trug. In einem eigenen Kabinett kann man ihren wertvollen Schmuck bewundern und eine ganze Wand mit den legendären „Kelly-Bags“: der Handtasche von Hermès, die durch Grace berühmt wurden.
Neben den aufwendig inszenierten offiziellen Fotos, auf denen selbst die Fürstin etwas steif aussieht, obwohl sie doch vor ihrer Ehe (was Dutzende Fotos dokumentieren) ein erfahrenes Fotomodel war, gibt es auch mehr oder weniger private Schnappschüsse. Auf denen ist etwa Gracia Patricia im Kreise ihrer Kinder beim Trampolinspringen zu sehen.

Sie brachte den Glamour nach Monaco

Das Steuer- und Glamourparadies Monaco gedenkt seiner (Mit-)Schöpferin mit enormem Aufwand. Zu Recht: Denn die Ausstellung, komplett auf Französisch und Englisch, macht gewissermaßen nebenbei deutlich, wie sich das felsige Mittelmeerfürstentum seit der Ankunft der Braut Grace Kelly per Luxusdampfer im April 1956 verändert hat. In ihrem Gefolge waren damals übrigens nicht weniger als 60 Freunde und 30 Fotografen sowie ihre gesamte Familie.
Grace Kelly war die personifizierte Kombination des amerikanischen und des europäischen Traumes. Ihr Vater, Sohn eines Immigranten, arbeitete sich zum schwerreichen Bauunternehmer hoch und bot seiner Familie ein luxuriöses Leben. Doch Grace, dem dritten von vier Kindern, genügte das angenehme Leben einer Oberschichts-Amerikanerin nicht. Sie entschied sich für eine Schauspielschule, die sie mit Erfolg absolvierte.
Erste Bühnen- und Fernseh-Engagements folgten; außerdem lächelte die bildhübsche Brünette künstlich erblondet bald von ungezählten Werbeanzeigen. Nur ein Bruchteil der Exponate konnte in dem opulenten Katalog abgebildet werden. Trotz seiner prachtvollen 300 Seiten: Wer sich für Grace Kellys Leben interessiert, kommt nicht umhin, sich selbst nach Monaco zu begeben.

Alfred Hitchcocks fürstlicher Star

Steht man vor dem Ausstellungsgebäude und schaut man sich das Panorama von Monaco heute an, so sind die Spuren ihres Wirkens unübersehbar. Ein gutes Dutzend Hochhäuser, vor allem moderne Apartmenthäuser für Steuerprofiteure, wurden in ihrer Zeit gebaut. Auf zwei Fotos der Ausstellung ist diese Entwicklung deutlich zu sehen: 1960 steuert Gracia Patricia eine Jolle vor dem Hafen; an Land ist schemenhaft gerade ein Hochhaus zu erkennen, das im Bau ist. Ein weiteres Foto zeigt sie mit Rainier und den Kindern zwölf Jahre später an fast derselben Stelle – und schon sieben Hochhäuser überragen Monaco.
Den Glamourfaktor verdankt das Fürstentum vor allem dem Starstatus der Kelly, den sie sich in drei Filmen („Bei Anruf Mord“, „Fenster zum Hof“ und „Über den Dächern von Nizza“) unter Alfred Hitchcocks Leitung erspielt hat. Der größte Raum der Ausstellung ist dieser Zusammenarbeit gewidmet, die weit über die Beziehung zwischen Darstellerin und Regisseur hinausging.

Es gibt eine Reihe von Briefen, die beide bis in die Siebzigerjahre ausgetauscht haben; sooft der Meister des Thrills an die Cote d’Azur kam, versuchten sich die beiden im privaten Rahmen zu treffen. Auch werden die Überlegungen beider, die Zusammenarbeit 1962 wieder aufzunehmen (für „Marnie“), dokumentiert – und vor allem die im Einvernehmen getroffenen Entscheidung, darauf letztlich zu verzichten. Es hätte ja auch schlecht zur Ikone Grace Kelly gepasst, wenn missgünstige Kinokritiker ihr Spiel zerfetzt hätten.

WELT ONLINE - Die schönste Frau des 20. Jahrhunderts - Nachrichten Kultur
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