Die Schlacht von Bornhöved
Die Schlacht von Bornhöved
Um Johannis des Jahres 1218 wurde zu Schleswig ein großes Fest gefeiert. Der Dänenkönig Waldemar II. hatte die Großen seines Reiches zu dieser Veranstaltung geladen in der Absicht, seinen Erstgeborenen, Waldemar III., in Schleswig krönen zu lassen.
Seit den Tagen Knuds des Großen hatte Dänemark keine solche Pracht entfaltet. Der Sturz Heinrichs des Löwen hatte Waldemar die Möglichkeit gegeben, seinen Machtbereich weit über die früheren Grenzen, vor allem in das von dem Löwen unterworfene Slawenland hinein, auszudehnen. Weit über die Grenzen des Reichs waren die Augen der Mitwelt auf dieses Fest gerichtet. Denn es sollte ein Abbild der großartigen politischen Stellung sein, die Dänemark seit Waldemars d. Gr. Regentschaft im Norden Europas einnahm. Es war nach dem Willen der Herrscher – um ein Wort des Historikers Fr. C. Dahlmann anzuwenden – ein „Skandinavien, welches von der Elbe, Oder, Weichsel und Düna bis an das Nordkap ging“. Das sollte in festlicher Weise hier dokumentiert werden.
Aber es genügte die Rache eines einzigen Vasallen, um dieses mächtige Reich zu Fall zu bringen. Das war Heinrich der Schwarze von Schwerin. Er regierte mit seinem Bruder Günzel auf dem Schlosse zu Schwerin. Günzel hatte eine Tochter, die mit dem Grafen Nikolaus von Holland, einem unehelichen Sohn Waldemars, verheiratet war. Graf Nikolaus und seine Frau starben bald, und Günzel folgte ihnen 1221.
Als Erbe verblieb der dreijährige Sohn Nikolaus II., für den sein Großvater Waldemar bis zur Großjährigkeit des jungen Nikolaus der Graf Albert von Orlamünde belehnt werden sollte. Falls der junge Erbe vorher sterben sollte, fiel das Erbe an den König oder dessen Nachkommen. In diesen Bestimmungen – mit denen Graf Heinrich von Schwerin verständlicherweise sehr wenig einverstanden war – die 1221 im Vertrag zu Ratekau gesetzlich verankert wurden, lag die Ursache der nun kommenden Unruhen und Verwicklungen, deren Höhepunkt dann die Schlacht bei Bornhöved war.
Als 1223 die beiden Waldemare zur Jagd auf der Insel Lyö im Kleinen Belt weilten, kam Graf Heinrich nur mit einigen Begleitern dorthin. Er verriet mit keinem Wort, was er vorhatte, und sprach mit dem König von ganz anderen Dingen als von der Grafschaft. Der König war arglos und lud Heinrich für den 6. Mai zu einem opulenten Abendessen ein.
Reichlich floß der Wein, und als die Zeit der Ruhe gekommen war, ging Heinrich ans Werk. Die Schiffe des Königs wurden angebohrt, die Leibwächter getötet, die Schiffe versenkt. Dann drang der Graf in das Königszelt ein. Beide Waldemare wurden überwältigt, in einen nahen Wald gebracht, dann auf Schiffe geführt und mit großer Mühe nach der Küste Mecklenburgs gebracht. Der mächtigste König der Zeit samt dem Thronfolger waren in der Hand des Schwarzen Grafen.
Die Gefangenen wurden zuerst im Schloß Lenzen, dann in Dannenberg an der Elbe untergebracht.
Die Verteidigung Dänemarks übernahm jetzt Graf Albrecht von Orlamünde, ein Neffe Waldemars II. Er wurde auf Ansuchen der dänischen Großen gleichsam als „Reichsverweser“ bestellt.
Inzwischen führten die Dänen bei Papst Honorius III. Klage gegen Heinrich von Schwerin. Der Papst verlangte daraufhin auch unter Androhung des Bannes von Heinrich, daß er seine königlichen Gefangenen binnen Jahresfrist freiließe. Doch Heinrich kümmerte diese Mahnung wenig, war er sich doch des Wohlwollens des Kaisers gewiß. Kaiser Friedrich II. hatte dem Grafen bereits mehrere hohe Angebote unterbreiten lassen, für den Fall, daß er den Dänenkönig an ihn ausliefern würde.
Doch die Vermittlung Hermanns von Salza wurde schließlich am 4. Juli 1224 in Dannenberg ein Vertrag zwischen Albrecht von Orlamünde und Heinrich von Schwerin abgeschlossen, in dem die Bedingungen der Freilassung festgelegt waren. Waldemar sollte sich bei Heinrich mit 40 000 Mark loskaufen; darüber hinaus sollte er das nordalbingische Land dem Reiche zurückgeben. Graf Albrecht von Orlamünde sollte im Besitz der Grafschaft Holtsein bleiben, sie aber vom Reich zum Lehen nehmen. Auf einem Reichstag zu Bardowiek im September des gleichen Jahres sollte die Freilassung der Gefangenen erfolgen.
Der Vertrag kam jedoch nie zum Tragen. Zwar kam Albrecht von Orlamünde mit dem geforderten Lösegeld auf den Reichstag, erklärte hier aber den von ihm selbst beschworenen Vertrag für ungültig. Nun sahen sowohl die deutschen Fürsten als auch die dänischen Großen, daß man die Waffen entscheiden lassen müsse.
Die norddeutschen Fürsten zogen unter der Führung des Grafen Heinrich von Schwerin gegen die Dänen zu Felde. 1225 in der Schlacht bei Mölln siegte Heinrich. Graf Albrecht kam in Gefangenschaft nach Schwerin. Der eigentliche Sieger aber wurde der junge Graf Adolf IV. aus dem Schauenburger Hause, der seit dem 20. Dezember 1224 in Holstein weilte. In ihm, der seine Jugend auf dem Stammsitz seiner Familie im Wesertal verbracht hatte, erkannten die Holsteiner ihren rechtmäßigen Herrn. Adolf war vermählt mit Prinzessin Heilwig zu Lippe, einer Nichte des Erzbischofs Gerhard II. von Bremen. In diesem fand Adolf einen väterlichen Freund und eine tatkräftige Stütze im Kampf.
Jubelnd wurde er in den Elbmarschen aufgenommen, und am 2. Februar 1225 eroberte er Hamburg.
Dann kam Ratzeburg an die Reihe, und nach und nach war ganz Holstein und Dithmarschen von der dänischen Herrschaft befreit. Die Eider wurde wieder die dänische Südgrenze.
König Waldemar sah nun ein, daß er, um wieder freizukommen, die Bedingungen akzeptieren mußte, die ihm seine Gegner stellten. Er zahlte 45 000 Mark Lösegeld und trat das Land zwischen Elbe und Eider sowie das gesamte Slawenland mit Ausnahme von der Insel Rügen ab.
Am 21. Dezember 1225 wurde Waldemar II. nach zweieinhalbjähriger Gefangenschaft freigelassen, sein Sohn erhielt drei Monate später die Freiheit. Kaum war der dänische König der Gefangenschaft entronnen, erwirkte er vom Papst die Lösung von seinen Eiden, da diese gegen seinen Willen und unter Zwang zustande gekommen waren. Unterstützt von Herzog Otto von Lüneburg, dem Enkel Heinrichs des Löwen, fiel er jetzt in Dithmarschen ein, eroberte Rendsburg und Itzehoe.
Auf der Gegenseite fanden sich hauptsächlich die norddeutschen Fürsten zusammen, die aus der Erbmasse des Löwen Gewinn geschlagen hatten. Sie fürchteten, Otto von Lüneburg würde mit Hilfe Waldemars die alten welfischen Besitzungen zurück zu erobern versuchen. Die Lübecker, denen der Kaiser inzwischen die Reichsfreiheit verliehen hatte, stießen unter Führung ihres Bürgermeisters Alexander von Soltwedel zum Heer des Grafen Adolf.
Am 22. Juli 1227 kam es zu der großen Schlacht, die nach dem nördlich von Segeberg an der Grenze der Heide, am Schmalensee und an der heutigen Verkehrsstraße Kiel-Segeberg gelegenen Ort den Namen erhalten hatte. Es war ein „Ereignis von wahrhaft weltgeschichtlicher Bedeutung.“
Es wurde zunächst darum gelost wer die Schlacht eröffnen sollte. Das Los fiel auf den Erzbischof von Bremen. Er breitete segnend die Hände über die Krieger aus und führte sie dann, hoch zu Roß, zum Angriff. Es wurde heiß und erbittert auf beiden Seiten bis zum Mittag gestritten. Da begannen Adolfs Krieger zu ermüden und zu weichen.
In diesem Augenblick höchster Spannung soll Graf Adolf das Gelöbnis getan haben, wenn ihm Gott den Sieg verleihe, der heiligen Maria Magdalena Altäre zu bauen und selbst Mönch zu werden. Nicht ganz unerwartet kam dann die Hilfe, wohl weniger durch die heilige Maria Magdalena, als durch die Kehrtwendung der dithmarschen Bauern. Diese hatten schon vor der Schlacht Graf Adolf sagen lassen, daß sie nur gezwungen im dänischen Heer mitmarschierten. Falls ihnen garantiert würde, daß sie nach einer dänischen Niederlage wieder unter die Hoheit des Bremer Erzstiftes kämen, so würden sie den Dänen in den Rücken fallen.
In dem Moment, wo das Schlachtenglück auf Messers Schneide stand, wechselten die Dithmarschen die Partei und griffen die verwirrten Dänen im Rücken an. Damit war die Niederlage Waldemars nicht mehr abzuwenden. König Waldemar wurde in der Schlacht schwer verletzt, Herzog Otto wurde gefangen und nach Schwein gebracht. „de Koning Waldemar was to Bornhovede myt groter macht und wolde der graven vordriven“, so berichtet die Hamburger Chronik aus dem 13. Jahrhundert. Und die Annalen des Ruheklosters zu Schleswig sagen: „Im Jahre 1227 bei Bornhöved brachen die Dänen zusammen, denn die Dithmarschen, hinter dem Heere aufgestellt, griffen verräterisch die Dänen, auf deren Seite sie waren, im Rücken an.“
Viele Legenden und Erzählungen haben sich um diese bedeutsame historische Begebenheit des 13. Jahrhunderts gerankt. Als Ergebnis aber des Sieges wurde die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland an die Eider zurückgeschoben, die Grafschaft Holstein wurde selbständig, die Küsten der Ostsee wurde den Deutschen erschlossen.
Den unmittelbarsten Gewinn brachte der Sieg bei Bornhöved der Reichsstadt Lübeck, die nun zu einem mächtigen Handelszentrum an der Ostsee aufblühte. Kaufmannschaft und Handel erwiesen sich hier als neue Berufszweige, und die deutsche Einwanderung in die befreiten Gebiete nahm zu.
Waldemar II. behielt von seinen wendischen Besitzungen nur die Insel Rügen und den Titel „König der Slawen“, der aber nun bedeutungslos geworden war. der „Tag von Bornhöved“, - so schrieb Ludwig Andresen in einem Gedenkartikel im Jahre 1927 – „bedeutete für Norddeutschland dasselbe wie die Schlacht im Teutoburger Walde für Germanien“.
Quelle: Wilhelm Hahn „Damals“ Heft 1 Jan.1971
__________________
Aptrgangr sagt:
I am republican anyway 
Lutiferre sagt:
me too, but thats mostly because i am against monarchy
„Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, doch dem Volke zum Spott! Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade Euch Gott!“ (Theodor Körner 1791-1813)
Last edited by Aptrgangr; Tuesday, December 25th, 2007 at 19:12.
|