Stirpes  

Go Back   Stirpes > Ethnic Forums > Germanische Gemeinschaft > Deutsche Gemeinschaft > Geschichte, Kunst & Kultur

Reply
 
Thread Tools Display Modes
  #1 (permalink)     Quote this post in a PM
Old Thursday, October 19th, 2006
Aptrgangr's Avatar
vae victis
 
Last Online: 1 Hour Ago 03:50
Join Date: Aug 2005
Location: Hessen
Posts: 1,850
Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.Aptrgangr 's wisdom is sought by the gods.
Default Die Schlacht bei Roßbach

Die Schlacht bei Roßbach

Eine Bewährungsprobe der preußischen Reiterei

„Schlachten entscheiden das Schicksal der Staaten. Wer immer Krieg führt, muß solche Entscheidungen herbeiführen, sei es, um sich aus einer mißlichen Lage zu befreien oder den Feind darein zu versetzen, oder um den Streit auszufechten, der sonst nie ein Ende nähme. Ein vernünftiger Mann darf keinen Schritt ohne triftigen Beweggrund tun. Noch viel weniger darf ein Heerführer jemals eine Schlacht liefern, ohne einen wichtigen Zweck zu verfolgen. Wird er dagegen zum Kampfe gezwungen, so hat er selbst Fehler begangen und muß sich vom Feinde das stolze Gesetz einer Schlacht vorschreiben lassen..“ So schrieb Friedrich der Große nach dem Zweiten Schlesischen Krieg. Inzwischen waren mehr als zehn Jahre vergangen, es war wieder Krieg – der diesmal sieben Jahre dauern sollte - ,und obwohl der König „das stolze Gesetz der Schlacht“ selbst bestimmt hatte, waren die Preußen am 18.Juni 1757 bei Kolin schwer geschlagen worden. Es stand nicht gut um das Königreich Preußen...


Der junge König Friedrich II. von Preußen hatte zwei Kriege um Schlesien geführt, er hatte dieses Land – praktisch ohne jede Rechtsgrundlage – erobert, also von Österreich abgetrennt, und er hatte sich diese Besitz in den Friedensverträgen von Breslau (1742), von Dresden (1745) und von Aachen (1748) bestätigen lassen. Der junge König hatte bewiesen: Preußen war so stark, daß es gegen das Haus Habsburg, gegen den Kaiser – die Anerkennung der schlesischen Eroberung war unter anderem der Preis dafür gewesen, daß der preußische König 1745 Franz I. als Kaiser anerkannte - erfolgreich Krieg führen konnte. Preußen war stark. Es verfügte über eine für das kleine Land unverhältnismäßig große Armee. Dazu war diese Armee so gut ausgebildet wie keine andere in Europa. Obwohl zum Abfeuern eines einzigen Schusses 15 Kommandos, 15 verschiedene Handgriffe notwendig waren, brachten es die preußischen Infanterieeinheiten auf eine Feuergeschwindigkeit von vier bis fünf Schuß in der Minute. Es gab keine Reitereinheit in Europa, die im Ausbildungsstand auch nur annähernd mit dem Regiment Garde du Corps hätte aufnehmen können. Allerdings war die Ausbildung dort so hart, daß dieses Regiment in manchen Friedensjahren beim Exerzieren ebenso viele Männer verlor wie in manchen Kriegsjahren. Preußen war gefährlich. Und so war es für Österreich nicht allzu schwer in Rußland und in Frankreich die Bereitschaft für ein Defensivbündnis gegen Preußen zu finden. Als dann im Januar 1756 König Friedrich mit England einen Vertrag abschloß, die Neutralitätskonvention von Westminster, in der die Vertragspartner sich verpflichteten, keiner fremden Mach den Einmarsch in Deutschland zu gestatten, war man in Paris äußerst verstimmt.
England war an diesem Vertrag wegen seiner hannoverschen Besitzungen interessiert. Doch der österreichische Staatskanzler Kaunitz, der es schon als Botschafter in Paris nie versäumt hatte, gegen Preußen zu agieren, nutzte die französische Verstimmung, um sich Frankreichs Hilfe für einen Angriff auf Preußen zusichern zu lassen. Schweden sollte überdies in Pommern einfallen, Sachsen sollte so lange neutral bleiben, bis „der Reiter im Sattel wankt“, und sich dann auf die Seite der Verbündeten schlagen.
Natürlich blieb dieses Ränkespiel dem preußischen König nicht verborgen. Um das Gesetz des Handelns jedoch selbst zu bestimmen, marschierte deshalb Friedrich der Große ohne Kriegserklärung am 29. August 1756 in das neutrale Sachsen ein. Die sächsische Armee wurde bei Pirna eingeschlossen, wo sie wenige Wochen später kapitulierte. König Friedrich zog nach Dresden, um hier aus dem Staatsarchiv die Briefe zu holen, die den Beweis für das Ränkespiel gegen Preußen und damit auch für seine „Notwehrsituation“ beim Einmarsch in Sachsen liefern sollten.
Der preußische König drang persönlich in die Räume des Staatsarchivs ein, dessen Türen von der sächsischen Kurfürstin (die gleichzeitig polnische Königin war) verteidigt wurde. Friedrich habe die Königin behandelt „wie eine Marketenderin“, hieß es später, und so war, als Friedrich die Briefe veröffentlichte, die Empörung in Europa über die Art, auf die er sie beschafft hatte, größer als die Empörung über ihren Inhalt. Anfang 1757 beschloß der Reichstag in Regensburg die Reichsexekution gegen Preußen. Während noch von den einzelnen Reichsständen die Kontingente zum Krieg gegen Preußen aufgestellt wurden, marschierte Friedrich überraschend in Böhmen ein und besetzte Prag. Und, um weiter das Geschehen zu bestimmen, marschierte der dem österreichischen Feldmarschall Daun entgegen, der zum Entsatz der böhmischen Hauptstadt heranzog, zwang ihn zur Schlacht – und wurde fast vernichtend geschlagen. Von nun an schien das Kriegsglück völlig auf der Seite der Gegner Preußens zu stehen. „Jetzunder fängt es an, wüster auszusehen wie noch niemalen“, schrieb der König in dieser Situation. „Es ist mit unseren Umständen kein Kinderspiel, sondern es gehet auf Kopf und Kragen. Indessen..werde ich mir bis auf den letzten Mann wehren.“
Die 26 000 Mann starke Armee des Generalfeldmarschalls von Lehwaldt, die Ostpreußen und damit die Ostflanke des Herzlandes Brandenburg-Preußen schützen sollte, war am 30. August bei Großjägersdorf von den Russen geschlagen worden, die damit weiter nach Westen vordringen konnten. Ähnlich sah es im Westen aus, wo der Herzog von Cumberland mit einer aus Hannoveranern, Hessen, Braunschweigern und anderen Deutschen zusammengesetzten Armee gegen die Franzosen focht, die inzwischen auch in den Krieg eingegriffen hatten. Er erlitt bei Hastenbeck an der Weser eine Niederlage. Preußen war gezwungen, hier einem Vertrag zuzustimmen, der Konvention von Zeven, durch die den Franzosen der gesamte Raum zwischen Rhein und Elbe überantwortet wurde. Die Belagerung der preußischen Festung Magdeburg rückte damit in den Bereich des Möglichen.
Weiter war eine schwedische Armee bei Stralsund gelandet und stieß von dort aus nach Pommern und in die Uckermark vor. Schließlich war inzwischen auch die Reichsexekutionsarmee unter dem Prinzen von Hildburghausen zusammengezogen worden und hatte sich Ende August mit einem französischen Korps unter Führung des Prinzen Soubise in Thüringen vereinigt.
Somit war Preußen in der 2. Jahreshälfte ringsum von Feinden bedroht, teilweise standen sie bereits auf preußischem Gebiet. Die Übermacht war enorm, schlimmer jedoch war die Mutlosigkeit, die sich des zusammengeschmolzenen preußischen Heeres bemächtigte, nachdem bei Kolin den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren hatte. Friedrich selbst war ergriffen von dem Tod so vieler seiner engsten Vertrauten auf dem Schlachtfeld, insbesondere des Generals von Winterfeld und des Feldmarschalls von Schwerin. Außerdem war seine Mutter zehn Tage nach der Niederlage von Kolin gestorben. Eine finstere Melancholie überschattete sein Gemüt. In einer derart prekären Lage versuchte er insgeheim über seine Schwester Wilhelmine, durch Vermittlung Frankreichs zu einem Frieden zu kommen. Zur gleichen Zeit aber ging er einen Vertrag mit England ein, des Inhalts, nur gemeinsam mit seinem Bundesgenossen Frieden zu schließen.
Wenngleich auch diktiert von seiner hoffnungslosen Situation, in der er sich befand, brachte ihn diese Handlungsweise später bei den Engländer verständlicherweise in den Ruf eines unzuverlässigen Verbündeten. Allerdings unterstützte England seinerseits Friedrich auch nicht in dem Maße, wie er es erwarten konnte, so daß er dem englischen Gesandten mitteilte: „Die Engländer wollen weder zur See ihre Sache kräftig durchführen, noch den Kontinentalkrieg; ich bleibe als der letzte Kämpe unseres Bundes zum Schlagen bereit, und müßte auf den Trümmern meines Vaterlands gekämpft werden.“
Die Geheimverhandlungen über die Bayreuther Schwester Wilhelmine mit Frankreich führte zu keinem erkennbaren Ergebnis. So blieb Friedrich letztlich nichts anderes übrig, als eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld zu suchen.
Als der Herzog von Bevern in Schlesien von den Österreichern hart bedrängt wurde, beabsichtigte Friedrich ihm zu Hilfe zu eilen. Da erfuhr er, daß Reichstruppen und Franzosen aus Thüringen nach Sachsen vorgedrungen waren und bereits in der Umgebung von Leipzig standen. In höchster Eile zog er verfügbare Truppen zusammen, deckte Leipzig und veranlaßte den Gegner, sich über die Saale zurückzuziehen. Bei dem Ort Mücheln bezogen Reichsarmee und Franzosen ein Lager. Dieses Lager griffen die Preußen am 4. November an. Doch scheiterte dieser Angriff, einerseits an den für Angreifer ungünstigen Geländeverhältnissen, zum anderen aber auch, weil Friedrich nicht genügend Infanterie einsetzen konnte. So zog er seine Truppen wieder zurück. Franzosen und Reichsarmee feierten die vermeintliche Flucht der Preußen bereits als Sieg.
Am Morgen des 5. November verließen die Verbündeten, sicherlich durch die Ereignisse des Vortages zuversichtlich geworden, ihre Stellungen, wobei sie ein Korps den preußischen Truppen gegenüber, nur durch eine Sumpfniederung getrennt, zurückließen. Friedrich hatte nach dem vergeblichen Angriff am 4. November bei dem Dorfe Roßbach seinerseits ein Lager beziehen lassen und wartete dort auf eine bessere Gelegenheit, das Gesetz des Handelns wieder an sich zu bringen. Das Kräfteverhältnis der beiden Armeen ist exakt nicht festzustellen. Vermutlich hatten die Verbündeten – Reichsarmee und Franzosen – etwa 41 000 Mann. Friedrich hatte seinem Gegner 27 Bataillone Infanterie und 45 Eskadrons Kavallerie, alles in allem jedoch nicht mehr als 21 600 Mann entgegenzusetzen. So ergibt sich ungefähr ein Verhältnis von 1:2 bis 1:3, wobei namentlich bei den französischen Truppen der Troß einen erheblichen Teil des Kontingents ausmachte.
Aber ebenso wichtig wie das Zahlenverhältnis ist sicherlich die moralische und militärische Qualität des Feldherren, des Offizierskorps und der Mannschaften. Hier gab es erhebliche Unterschiede. Die hervorragend ausgebildete, disziplinierte und straff geführte preußische Infanterie fand zu jener Zeit nicht ihresgleichen. Die Kavallerie war von Friedrich dem Großen seit seinem Regierungsantritt planmäßig ausgebildet und verstärkt worden, so daß sie der österreichischen und französischen mehr als ein ebenbürtiger Gegner war. Freilich hatte Friedrich dabei das Glück, in den Generalen v. Zieten und v. Seidlitz über zwei begnadete Reiterführer zu verfügen, die seine in Vorschriften gefaßten Ideen über die Ausbildung und den Einsatz der Kavallerie in einem geradezu verblüffenden Maß in die Praxis umzusetzen verstanden. Durch die harte Ausbildung war die Kavallerie zu einer Attacke mit blanker Waffe aus nahezu jeder Situation heraus in der Lage. Die fridrizianische Reiterei hatte eine Beweglichkeit, Manövrierfähigkeit und Stoßkraft erlangt, die sie auch im Zeitalter immer wirksamer werdender Feuerwaffen zum schlachtentscheidenden Instrument werden ließ.
Daneben hatte sich Friedrich auch die Verstärkung und die Weiterentwicklung der Artillerie angelegen lassen. Die Einführung der reitenden Artillerie nach schwedischem Vorbild aus der Zeit des 30 jährigen Krieges geht auf ihn zurück und verlieh der preußischen Armee eine ungewöhnliche Feuerkraft. Bei Roßbach verfügte der König über 18 schwere Geschütze, die unter dem Kommando des Obersten von Moeller standen.
Wie anders sah es bei den Verbündeten aus. Charles de Rohan, Prince de Soubise, der Befehlshaber des stärkeren französischen Kontingents, war auf Betreiben und durch die Gunst der Madame Pompadour zu seinem Kommando gekommen. Er verfügte kaum über militärische Qualifikationen und zudem mangelte es ihm an persönlichem Mut. Der Prinz von Hildburghausen, Befehlshaber der Reichsarmee und nomineller Vorgesetzter des Prinzen Soubise war zwar erfahrener als dieser, auch verfügte er über größere militärische Fähigkeiten als der Franzose, jedoch war er mit einer derart zusammengewürfelten und undisziplinierten Armee kein Staat zu machen.
Die französischen Truppen waren dermaßen desolat, daß sie sogar von ihren Generalen als „eine Bande von Räubern und Mördern“ bezeichnet wurden. Ein Teil von ihnen entfernte sich allmorgentlich aus dem Lager, um zu plündern und zu marodieren, so daß die volle Einsatzbereitschaft immer erst gegen Mittag hergestellt werden konnte.

Die Schlacht beginnt
Als dem König am Mittag des 5. November der Abmarsch der Verbündeten in südliche Richtung gemeldet wurde, glaubte er, das feindliche Heer werde versuchen, in die Nähe seiner Magazine bei Freiberg zu gelangen. Das schien durchaus sinnvoll, denn in dem ausgesogenen Thüringen war die Versorgung einer so großen Armee aus dem Lande heraus auf die Dauer nicht mehr möglich.
Während Friedrich mit seinen Generalen im Herrenhaus von Roßbach das Mittagsmahl einnahm, beobachtete der Schweizer Hauptmann v. Gaudi, ein Adjutant des Königs, vom Dachboden des Hauses die Bewegungen des Feindes. Als er Anzeichen für ein Einschwenken in östlicher Richtung auf das Dorf Pettstedt hin zu erkennen glaubte, benachrichtigte er sofort den König, der dieser Nachricht zunächst keinen Glauben schenkte. Als er jedoch selbst auf den Boden stieg, erkannte er sofort die Absicht des Feindes, das preußische Heer rechts zu umgehen, um es in der linken Flanke angreifen zu können.
Inzwischen war es 14.30 Uhr geworden. schnell und präzise kamen die Befehle, schnell und präzise wurden sie ausgeführt. „In weniger als zwei Minuten lagen alle Zelte, als wenn sie auf dem Theater mit einer Schnur gezogen wären, auf der Erde“, wie man bei den Verbündeten feststellte, und in unglaublich kurzer Zeit marschierte die preußische Armee in zwei Kolonnen nach Osten ab. Allerdings hatte Seydlitz schon während des Essens insgeheim und eigenmächtig der Kavallerie den Befehl zum Satteln gegeben, und die Artillerie war seinem Beispiel gefolgt.
Die Verbündeten nahmen an, die Preußen zögen sich zurück. so beschleunigten sie ihren Vormarsch, um dem Feind auf den Fersen zu bleiben. Die Absicht Hildburghausens mag tatsächlich darin bestanden haben, die Preußen im geeigneten Moment in der linken Flanke anzugreifen. Soubise hatte sich dieser Absicht sofort angeschlossen, sicherlich in der Hoffnung, hier auf leichte Weise einen Erfolg an seine Fahnen heften zu können.
Inzwischen war Generalmajor von Seydlitz, mit 36 Jahren jüngster Reitergeneral der Preußischen Armee, dem an diesem Tag die gesamte Kavallerie unterstellt worden war, mit seinem Stabe von der „Roßbacher Rüster“ auf den Höhenzug, der die beiden marschierenden Armeen trennte, in Richtung „Janushügel“ getrabt. Hierbei hatte er den Vorteil, ständig beide Heere im Auge behalten zu können. Soubise und Hildburghausen dagegen blieben über die preußische Bewegung fast völlig im unklaren, sie vermuteten den Gegner praktisch auf der Flucht.
Am Ostrand des „Pölzenhügels“ des südöstlichen Verlängerung des „Janushügels“ ließ Seydlitz seine Kavallerie in zwei Treffen – in zwei Angriffsformationen – rechts einschwenken und ausrichten. Seydlitz hatte erstmalig die Reiterei anstatt in drei nur in zwei Treffen rangiert, um bei seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit breitere Fronten erreichen. Auf dem linken Flügel sammelten sich die grünen Husaren unter ihnen später so berühmt gewordene Führer, dem „grünen Kleist“. Zur gleichen Zeit hatte der König auf der Kuppe des „Janushügels“ seine 18 schwere Geschütze in Stellung gehen lassen, die sofort zu feuern begannen. Dieses Feuer traf den schwerfälligen in fünf Kolonnen dahinziehenden Gegner völlig unerwartet. Keiner hatte damit gerechnet, daß die Preußen so schnell eine Stellung beziehen könnten. Besonders die an der Spitze marschierende österreichische und reichsdeutsche Kavallerie traf der Beschuß schwer. Im gesamten Heer brach Unordnung aus.
Diese Situation gedachte Seydlitz auszunützen. Doch verzichtete er weder auf eine kurze, begeisternde Ansprache noch auf den Segen seines Regimentspredigers Balcke. Einem Rittmeister geht in den aufs äußerste gespannten Minuten das Pferd durch. Fast wäre dadurch die Überraschung preisgegeben worden. Dann reitet Seydlitz, allen sichtbar, im versammelten Galopp weit vor die Front seiner beiden Abteilungen und wirft zum Zeichen für den Beginn der Attacke seine Tonpfeife in die Luft. Es ist wenig später als 15.30 Uhr. 15 Eskadrons des ersten Treffens stürzen sich über den „Pölzenhügel“ auf das 1000 Schritt entfernte feindliche Heer. Den Leib-Kürassieren, Meinicke- und Czettritz- Dragonern gelingt es im ersten Anlauf, zwei Kavallerie-Kolonnen, 16 und 17 Eskadrons tief, vollkommen zu überrennen. Die Begeisterung, die Seydlitz ausgelöst hatte, war so groß, daß sogar der Feldprediger Balcke den Degen zog und die Attacke mitritt.
Gleichzeitig mit dem ersten Treffen fallen dem Feind die fünf Eskadrons der Kleistschen grünen Husaren in die rechte Flanke. Die gegnerische Reiterei ist dermaßen geschockt, daß Teile von ihr bis hinter die Unstrut flüchten und auf dem Schlachtfeld nicht mehr gesehen werden.
Dem umsichtigen Hildburghausen gelang es dennoch, kaiserliche Kürassiere sowie reichsdeutsche Dragoner aufmarschiern zulassen. Diese leisteten erbitterte Gegenwehr. Hierbei zeichneten sich besonders die österreichischen Kürassierregimenter Brettlach und Trautmannsdorff aus. Das Schlachtgetümmel löste sich in Einzelkämpfe auf. Für die drei preußischen Regimenter wird die Lage immer schwieriger.
Seydlitz hatte damit gerechnet. Nun führt er selber das zweite preußische Treffen – 18 Eskadrons schwere Kavallerie – ins Gefecht. Es sind die Garde du Corps, die Gensd'armes, die Rochow – und Driesenkürassiere. Der Wucht dieses Angriffs hält auch die feindliche Kavalleriereserve, zehn französische und acht reichsdeutsche Regimenter unter Führung des Prinzen Soubise, nicht stand. Sie werden vollkommen auseinandergesprengt.
Seydlitz läßt nur kurze Zeit nachsetzen. Dann wird „Sammeln“ geblasen. Seydlitz verhindert so, daß sich die Kavallerie in der Verfolgung der Fliehenden verzettelt. Mag es Intuition, Instinkt oder eine realistische Beurteilung der Lage gewesen sein, seine Maßnahme sollte tatsächlich die Entscheidung bringen. Seydlitz erwies sich hierdurch als Taktiker mit ungewöhnlicher Fortune.

Die Entscheidung fällt
Während der Reiterkampf tobte war Friedrich nicht untätig gewesen. Im Eilmarsch führte er die Infanterie vom Lunstädter „Fritzenbaum“ über den Höhenzug zum Angriff. Im Gleichschritt gehen die lang auseinadergezogenen Bataillone vor, mit 40 Schritt Abstand voneinander, der linke Flügel unter dem Prinzen Heinrich weit voraus. Die gegnerische Infanterie soll in Front und an der rechten Flanke gefaßt werden. Die Franzosen rechen damit, die dünne preußische Linie mit ihren tiefgestaffelten Kolonnen durchstoßen zu können. Sie gehen zum Sturm vor. Dabei bieten sie der Artillerie auf dem „Pölzenhügel“, die ja während des Reiterkampfes nicht hatte schießen können, über die Köpfe der eigenen Leute hinweg ein willkommenes Ziel.
Die Geschosse reißen große Lücken in die französischen Sturmkolonnen. Es wiederholt sich die gleiche Szene wie bei dem Reiterkampf. Durch das Artilleriefeuer demoralisiert, beginnen die hinteren Kolonnen teilweise kehrt zu machen. Eine Panik bricht aus. Auch die fränkischen Regimenter in der Mitte beginnen zu wanken, weichen zurück. Eine allgemeine Flucht zeichnet sich unaufhaltsam ab.
Lediglich die sieben preußischen Infanterie-Bataillone des Prizen Heinrich, die dem Gegner in die rechte Flanke fallen sollte, kommen überhaupt zum Schuß. Das Infanteriegefecht dauert ganze 15 Minuten.
Seydlitz, obwohl im Handgemenge am Arm verwundet, hatte nach dem Sammeln seine Eskadrons wieder geordnet und sie in die tiefe rechte Flanke des Feindes, nordwestlich des Dorfes Tagewerben, geführt. Damit stand er bereits im Rücken der feindlichen Infanterie. Er verfolgte die Bewegungen der generischen Fußtruppen mit der ihm eigenen, fast etwas schläfrig wirkenden Aufmerksamkeit.
Als er sah, wie der Gegner zu weichen begann, hielt er den Augenblick für die entscheidende Attacke gekommen. Mit voller Wucht fielen die preußischen Eskadrons über die entmutigten, fliehenden Infanteristen und über die französische Kürassierbrigade „La Reine“ her, überritten sie und hauten nieder, was sich nicht eiligst in Sicherheit bringen konnte. Lediglich die beiden Schweizer Regimenter Planta und Diesbach sowie das Darmstädter Bataillon hielten zunächst stand und versuchten, den heillosen Rückzug der Verbündeten zu decken. Sie zogen die Aufmerksamkeit und die Bewunderung des Königs auf sich, als sie „angewurzelt wie eine rote Mauer“ den Attacken zu widerstehen versuchten.
Doch vergeblich. Sie konnten den Schlachtverlauf nicht mehr ändern. Die Niederlage wurde zur Katastrophe. Die Reste der verbündeten Armeen flohen durch Thüringen nach Westen und sind im Verlauf des Krieges nicht mehr in Erscheinung getreten.
Friedrich der Große hatte endlich einen Sieg errungen, der seine fatale Lage mit einem Schlag beträchtlich veränderte.
Den Sieg von Roßbach bezeichnet der englische Militär-Historiker Christopher Duffy als „ein fast unerreichtes Beispiel der Überlegenheit von Führung, Ausbildung und Kampfgeist über die bloße Zahl“. Er spricht auch von Roßbach als von der „entscheidenden Schlacht des Siebenjährigen Krieges“. war die Anlage der Schlacht das Werk des Königs, so ist die erfolgreiche Durchführung ohne Zweifel dem Generalmajor von Seydlitz zuzuschreiben.
Die ganze Schlacht hatte wenig mehr als eine Stunde gedauert, doch die Verluste des Feindes waren beträchtlich. 600 bis 700 Tote, über 200 Verwundete und rund 5000 Gefangene, darunter fünf Generale und etwa 300 Offiziere, waren zu verzeichnen. 67 Geschütze und 22 Fahnen und Standarten wurden erbeutet. Auf preußischer Seite fielen drei Offiziere und 162 Mann, verwundet wurden 20 Offiziere und 336 Mann. Unter den Verwundeten befand sich auch der verdienstvolle General Meinicke, der, obwohl älter als Seydlitz, an diesem Tag unter dessen Kommando kämpfen mußte. Der König kannte die Verdienste von Seydlitz voll an. Er verlieh ihm den seltenen Schwarzen Adler-Orden, den bis dahin noch kein Generalmajor erhalten hatte und ernannte ihn wenig später zum Generalleutnant und Chef des von ihm bisher geführten Kürassier-Regiments.
Österreich überschätzte die Niederlage nicht. Der schnelle Tod der Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, die angeblich aus Gram über Friedrichs Verhalten bei dem „Besuch“ in Dresden verstarb, berührte Maria Theresia weit mehr. Preußen jedoch brachte dieser Sieg zunächst wieder die Freiheit des Handelns. Die Lage im Westen war bereinigt. Friedrich konnte nach Schlesien gehen, wo er bald den Österreichern bei Leuthen eine empfindliche Niederlage bereitete. Der Prinz von Hildburghausen bat den Kaiser um Rücktritt von seinem Kommando und zog sich ins Privatleben zurück. Allein Soubise klammerte sich weiter an sein hohes Amt und wurde obendrein von der ihm günstig gesinnten Hofpartei in Paris mit dem Marschallstab ausgezeichnet.

Als Kavallerie galten bis zur Zeit Friedrichs des Großen nur die Regimenter zu Pferde, für die sich wegen ihres Brustpanzers, des Küraß, im 18. Jahrhundert die Bezeichnung „Kürassiere“ durchsetzte. Sie war die eigentliche „schwere“ Reiterei. Ihre Hauptwaffe war der Pallasch, eine ca. 1 m lange schwere, einseitig geschliffene Hieb – und Stichwaffe. Daneben führten sie zwei Reiterpistolen. Der Begriff „schwere Kavallerie“ bezog sich einmal auf die Ausrüstung mit Brustpanzer und Pallasch, vor allem aber auf das Gewicht und die Größe der Pferde.
Kürassiere wurden im allgemeinen geschlossene eingesetzt. sie wirkten in ersten Linie durch die Wucht ihres Aufpralls auf die generische Linie. Wie alle Reiter im Heer Friedrichs des Großen führten auch sie Karabiner und konnten so abgesessen zum infanteristischen Feuerkampf eingesetzt werden. Die zweite Waffengattung der Reiterei waren die Dragoner. Sie stellten bis zum Zeitalter Friedrichs des Großen eigentlich nur eine berittenen Infanterie dar, waren ungepanzert und führten einen relativ leichten Degen, zwei Pistolen, dazu ein Gewehr mit Bajonett. Ihre Pferde waren leichter als die der Kürassiere. Die Dragoner kämpften ursprünglich zu Fuß, jedoch wurden sie mehr und mehr auch als Reiterei eingesetzt und hatten als solche in der Schlacht bei Hohenfriedberg 1745 überragenden Anteil am Sieg der Preußen über die Österreicher.
Die dritte Reiterwaffe im preußischen Heer waren die Husaren. Ihre Bewaffnung bestand aus einem leichten gebogenen Säbel, zwei Pistolen und einem kurzen Karabiner. Die Uniform entsprach dem ungarischen Vorbild. Die Husaren ritten sehr leichte, kleine Pferde, und wurden hauptsächlich zur Aufklärung, Verschleierung, zur Flankendeckung, zum Kampf im feindlichen Hinterland sowie zum Wiedereinbringen eigener Deserteure eingesetzt.
Von Ausnahmen abgesehen, bestand ein Kürassierregiment aus 5 Eskadrons zu 132 Gemeinen. Insgesamt hatte das Regiment 32 Offiziere, 60 Unteroffiziere, 660 Reiter und 742 Pferde (ohne Offizierspferde).
Das Dragonerregiment war ähnlich gegliedert und hatte 745 Pferde.
Die Husarenregimenter waren teilweise 10 Eskadrons stark und hatten dann 1130 Dienstpferde.


Klaus Christian Richter, „Damals“ Heft 9/Sept. '74
__________________
Aptrgangr sagt:
I am republican anyway
Lutiferre sagt:
me too, but thats mostly because i am against monarchy





„Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, doch dem Volke zum Spott! Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade Euch Gott!“
(Theodor Körner 1791-1813)

Last edited by Aptrgangr; Thursday, October 19th, 2006 at 10:05.
Reply With Quote
Reply

Bookmarks


Currently Active Users Viewing This Thread: 1 (0 members and 1 guests)
 
Thread Tools
Display Modes

Posting Rules
You may not post new threads
You may not post replies
You may not post attachments
You may not edit your posts

BB code is On
Smilies are On
[IMG] code is On
HTML code is Off
Trackbacks are Off
Pingbacks are Off
Refbacks are Off

Similar Threads
Thread Thread Starter Forum Replies Last Post
Die Schlacht von Hemmingstedt Aptrgangr Geschichte, Kunst & Kultur 0 Saturday, October 28th, 2006 19:27
Die Schlacht von Bornhöved Aptrgangr Geschichte, Kunst & Kultur 0 Wednesday, October 25th, 2006 14:52
Die Wahrheit über die Schlacht im Teutoburger Wald Dr. Faust Geschichte, Kunst & Kultur 0 Monday, October 3rd, 2005 09:52

Locations of visitors to this page

All times are GMT. The time now is 05:25.

Page generated in 0.5699029 seconds with 14 queries.


Powered by vBulletin® Version 3.7.0
Copyright ©2000 - 2008, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Optimization by vBSEO 3.1.0