„Soldatensender Calais“
Englische Gegenpropaganda im Zweiten Weltkrieg
„Innerhalb unseres Armeebereichs ist...häufig ein verkappter Feindsender zu hören, der unter dem Decknamen „Soldatensender Calais“ arbeitet. Die Art und Weise, mit der diese Feindpropaganda in Tätigkeit tritt, ist als äußerst gefährlich zu bezeichnen, da sie sich für primitive Naturen nicht zu erkennen gibt. Der Feindsender mischt echtes und unechtes Nachrichtenmaterial und verliest zu Beginn seiner Sendung meistens den Wehrmachtsbericht und die Verleihung von Ritterkreuzen. Dadurch gelingt es ihm tatsächlich, sich bei unbefangenen Hörern nicht nur eine gewisse sondern sogar eine weitgehende Glaubwürdigkeit zu sichern.“ - die Anfangssätze dieses Geheimbefehls für die Einheits- und Unterführer im Armeebereich des deutschen Armeeoberkommandos vom März 1944 machten deutlich, welche Kopfschmerzen dieser britische Sender als Werkzeug einer raffinierten psychologischen Kriegführung der deutschen Abwehr verursachte. Und deutsche Hörer waren über die Maßen verblüfft...
Am 24. Oktober meldete sich der „Soldatensender Calais“ zum ersten Male. Da wandte sich eine – wie es schien – deutsche Rundfunkanstalt auf ganz eigentümliche Weise an die Wehrmacht. Zwar wurden wie im „Großdeutschen Rundfunk“ der offizielle Wehrmachtsbericht, Nachrichten über Ordensverleihungen und sonstige amtliche Bekanntmachungen verlesen. Aber dann beanstandete plötzlich ein anscheinend gut unterrichteter militärischer Experte verhängnisvolle Fehlplanungen hoher Führungsstellen. Man vernahm, daß „unsere Truppen“ - also die Deutschen – sich in schweren Abwehrkämpfen tapfer schlügen und erfolgreiche Gegenstöße unternommen hätten. Doch anschließend kritisierte ein offenbar sachverständiger Kommentator deutsche Waffensysteme, die denen des Feindes hoffnungslos unterlegen seien. Die alliierten Bomber-Einsätze gegen deutsche Städte hießen – wie in der Goebbels-Propaganda - „Terrorangriffe gegen die Zivilbevölkerung“, und es wurden Hitler – und Goebbelsansprachen original übertragen.
Aber gleich darauf wurde jämmerliches Versagen von Generälen oder Gauleitern angeprangert – was für einen vermeintlichen deutschen Sender eine sensationelle Offenheit bedeutete. Es gab auch so etwas wie einen Service-Dienst mit Sportberichten aus der Wehrmacht, mit Meldungen über familiäre Ereignisse bei Soldaten und mit Tips, auf welche Weise sich der Landser einen Sonderurlaub an der Heimat verschaffen könne.
Breiten Raum im bunt gemischten Programm des „Soldatensenders Calais“ nahmen Klatsch und Tratsch aus den Vor – und Hinterzimmern der NS-Gewaltigen ein. Im rauhen Soldaten-Vokabular wurde über NS-Funktionäre berichtet, die rauschende Feste feierten und überhaupt in Saus und Braus lebten, während Landser an der Front die Knochen hinhielten und die darbende Bevölkerung in der Heimat unter den Bombenangriffen leide. Da war die Rede von Lebensmittelverschiebungen eines Kreisleiters, von der Drückebergerei eines hohen Hitlerjugend-Führers, der sich auf krumme Tour dem Wehrdienst entziehe. Da wurde gemeldet, daß sich irgendein Gauleiter oder der Reichspropagandaminister Goebbels mit dieser oder jener prominenten Filmschauspielerin vergnügt habe.
Stets wurden Namens- und Ortsangaben gemacht. Dem Hörer sollte sich der Eindruck mitteilen: Die vom „Soldatensender Calais“ wissen Bescheid. Und diesen Eindruck gewannen tatsächlich viele in Deutschland. Der „Soldatensender“ mimte das Sprachrohr des anständigen, patriotischen deutschen Frontsoldaten, der – wie es damals hieß – „die Schnauze voll hatte“ von der Unfähigkeit in der Führung, vor allem aber von den korrupten „Goldfasanen“, wie die „Hoheitsträger“ der Partei genannt wurden. Natürlich sollte der Groll der Soldaten auf „die da oben“ angeheizt und damit letztlich „die Wehrkraft zersetzt“ werden – auch das in der Sprache jener Zeit ausgedrückt.
Die Männer vom „Soldatensender Calais“ vermieden es, direkt zum Überlaufen oder zur Sabotage aufzurufen. Um dies aber trotzdem zu bewirken, verfuhr man nach folgender Methode: Streng sachlich wurde mitgeteilt, auf welche Weise dort und dort Wehrmachtsangehörige in Gefangenschaft geraten seinen oder daß im Hafen X eine U-Boot-Besatzung ihr Schiff beschädigt habe, um die gefährliche Feindfahrt hinauszuschieben. Unterschwellig wurde so die Nachahmung nahegelegt.
Besondere Anziehungskraft erhielt der Sender durch sein Musikprogramm, das schmissige Tanzrhythmen und Schlagermelodien beherrschten – in betontem Gegensatz zu den treudeutschen Volksweisen und den zackigen Bemühungen des ersten Reichsmusikers namens Herms Niel, die im deutschen Rundfunk dominierten. Zweifellos zog gerade die muntere Musik unzählige Deutsche auf die Welle des „Soldatensenders Calais“.
Wer stand hinter den Kulissen und lenkte diesen geheimnisvollen Apparat? Leiter dieser aufsehenerregenden Propagandaorganisation war der bekannte britische Journalist Sefton Delmer. Am 24. Mai 1904 in Berlin als Sohn eines britischen Dozenten australischer Herkunft, der an der Berliner Universität lehrte, geboren, verbrachte er die ersten 13 Jahre seines Lebens in Deutschland. Im Weltkriegsjahr 1917 konnte er mit seinen Eltern nach England ausreisen.
Sefton Delmer hat deutsch sprechen gelernt wie ein Deutscher, und er wurde mit deutscher Lebensart eng vertraut. Dies kam ihm später beruflich sehr zustatten: als Berliner Korrespondent des „Daily Express“ von 1928 bis 1933 – in dieser Zeit traf er wiederholt Hitler und die meisten NS-Größen zu längeren Unterhaltungen- und als Kommentator der britischen Rundfunkgesellschaft BBC während des 2. Weltkrieges, vor allem aber als Chef der sogenannten „schwarzen Operationen“ gegen Deutschland, mit denen ihn der Geheimdienst der britischen Regierung betraute.
Bei den „schwarzen Operationen“ handelte es sich um Maßnahhmen zur Verwirung des deutschen Feindes. Das Paradestück dieses Zweigs der propagandistischen Kriegführung war eben jener „Soldatensender Calais“. Mit ihm schuf Sefton Delmer eine Radio-Station ganz neuen Stils – ein Stil, der sich grundlegend von der seriösen, meist ziemlich trockenen Machart der BBC unterschied.
Delmer umriß kürzlich in einem Interview nochmals seine damaligen Vorstellungen, nach denen er den Sender leitete: „Wir wollten etwas haben, bei dem wir uns jeden Spaß und jede Schweinerei erlauben konnten, die man brauchte, um die Deutschen reinzulegen – und letztlich gegen Hitler aufzubringen. Schon als ich bei der BBC war, wurde ich für den Hanswurst genommen. Ich wollte immer leicht Verdauliches bringen. Die BBC war für meine Begriffe zu akademisch, zu ernst, zu langweilig. Es mußte etwas viel leichter Verdauliches her.“
Nun, „leicht verdaulich“ war die Kost des „Soldatensenders Calais“ gewiß. In der Form wurde so etwas wie eine ins Akustische umgesetzte Boulevard-Zeitung geboten. Inhaltlich war die Waffe der Irreführung, ja, der faustdicken Lüge im Einsatz. Delmer bekennt heute: „ich hatte da nicht die geringsten Bedenken. Der Zweck des Kampfes gegen einen unerbittlichen Feind heiligte jedes Mittel“. In seinem Buch „Die Deutschen und ich“ hatte er bereits dargelegt: „Vor allem Genauigkeit, predigte ich meinen Leuten immer wieder. Wir dürfen nie zufällig oder aus Schlamperei lügen, sondern immer nur bewußt und überlegt.“
Seine „Leute“ - das waren deutsche Emigranten, deutsche Kriegsgefangene, die mit Hitler gebrochen hatten, sowie einige britische Journalisten und Geheimdienstler. Zu den namhaften deutschen Mitarbeitern beim „Soldatensender Calais“ gehörten der verstorbene CSU-Bundestagsabgeordnete Freiherr von und zu Guttenberg, der SPD-Bundestagsabgeordnete Philip Rosenthal sowie der einstige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Dr. Otto John.
Die Tätigkeiten am „Soldatensender Calais“ unterlag strikter Geheimhaltung. Sämtliche Mitarbeiter, von denen keine Fotos angefertigt werden durften, trugen Tarnnamen. So hieß Otto John z.B. Oskar Jürgens. Die Studios des Senders lagen inmitten eines großen Parks im Dörfchen Milton Bryan bei Woburn, rund 70 Kilometer nordwestlich von London. Das Programm wurde vom damals stärksten Mittelwellensender in Europa ausgestrahlt – und konnte daher auch fast überall in Deutschland mit dem üblichen „Volks- und Kleinempfängern“ mühelos abgehört werden.
Mit 600 Kilowatt war er nicht nur der größte, sondern auch der wendigste Sender Europas. So ausgerüstet, daß rasche Frequenzumschaltungen vorgenommen werden konnten, tauchte er überraschend auf der Frequenz des „Deutschlandsenders“ auf, wen dieser abgeschaltet hatte, auf der von Radio München oder vom „Reichssender Köln“. Dies war besonders von Vorteil, um deutsche Störsender abzuschütteln, die den gefährlichen „Soldatensender Calais“ unverständlich zu machen trachteten.
Ehe der „Soldatensender Calais“ über die Mittelwelle breiteste Hörerschichten erschloß, war die subversive Propaganda bereits ausgiebig auf der Kurzwelle geprobt worden. Hier gab es von Mai 1941 bis Oktober 1943 den Geheimsender „Gustav Siegfried 1“. Darin hieß es Tag für Tag: „Es spricht der Chef.“ Und dieser von Sefton Delmer erfundene „Chef“ gebärdete sich als Sprecher einer imaginären deutschen Wehrmachts-Opposition, die bekundete, in Treue fest zu Hitler zu stehen, aber mit vielem in Partei und Wehrmacht nicht einverstanden zu sein.
Hinzu trat am 5. Februar 1943 der „Deutsche Kurzwellensender Atlantik“, dessen Zielrichtung die deutsche Kriegsmarine war, speziell die U-Boot-Besatzungen. Als dann im Oktober 1943 der Mittelwellensender „Calais“ Premiere auf der Bühne der psychologischen Kriegsführung hatte, da konnten eingefuchste Akteure aufgeboten werden, die für Sefton Delmers „Spielplan“ hervorragend gerüstet waren.
Lebhaft rätselten damals die deutschen Hörer, wem oder was der „Soldatensender Calais“ seinen vielbestaunten hohen Informationsstand verdankte. Wimmelte es etwa bei den Deutschen von Geheimagenten, die ständig per Funk oder sonstwie Bemerkenswertes brühwarm an die Mikrophone des Senders beförderten? Lauschten Delmers Leute sogar im Führerhauptquartier? Immerhin schrieb Hitlers mächtiger Schatten, Martin Bormann, am 13. August 1944 aus dem Führerhauptquartier an seine Frau, es sei an diesem Tage entdeckt worden, daß der feindliche „Soldatensender Calais“ etwas gesendet habe, was erst 24 Stunden zuvor telefonisch vom Hauptquartier nach Berlin durchgegeben worden sei. Offensichtlich sei die Leitung „undicht“.
Der ehemalige General der Nachrichtentruppe, Albert Praun, der nach dem mißglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 als Nachfolger des an der Verschwörung beteiligten Generals Fellgiebel ins Führerhauptquartier berufen wurde, berichtete in seinem Buch “Soldat in der Telegraphen- und Nachrichtentruppe“, Hitler habe ihn beauftragt, die „haarsträubenden Zustände“ in seinem neuen Bereich in Ordnung zu bringen. Womit Hitler auf die Verbindungen aus dem Führerhauptquartier zum „Soldatensender Calais“ angespielt habe.
Praun kam nach eingehender Untersuchung jedoch zu dem Schluß, daß die “undichte“ Stelle nicht in Hitlers Stab gelegen habe. Er vermutete vielmehr, es könnten von Berliner Regierungsstellen, die Telefon-Verkehr mit dem Führerhauptquartier unterhielten, Informationen ins Ausland gelangt sein.
Hierüber ist von Sefton Delmer auch heute nichts Näheres zu erfahren. Ganz allgemein verschweigt er jedoch nicht, daß Geheimdienstberichte einen keineswegs unwichtigen Anteil am Programm des Senders hatten.
Die Nachrichten, die Klatschgeschichten sprudelten aber auch aus vielen anderen Quellen: Beispielsweise aus gründlich ausgewerteten deutschen Zeitungen, auch Lokalblättern, die aus Schweden oder aus der Schweiz bezogen wurden, aus dem von Zensoren überwachten Briefverkehr zwischen deutschen Kriegsgefangenen und ihren Angehörigen sowie aus Vernehmungen von Kriegsgefangenen. Ferner gewannen die „schwarzen“ Propagandisten wertvolles Informationsmaterial aus Gesprächen von deutschen Kriegsgefangenen, die in den Lagern über versteckt angebrachte Mikrophone abgehört wurden.
Die amtlichen deutschen Verlautbarungen bezog der „Soldatensender Calais“ gleichzeitig mit den deutschen Zeitungen und Rundfunkstationen unmittelbar vom offiziellen „Deutschen Nachrichtenbüro“ (DNB) – und zwar über einen Hellschreiber, den der bei Kriegsausbruch in der Hast seiner überstürzten Abreise zurückgelassen hatte. Mit Hilfe dieser Einrichtung konnte der britische Propagandasender so aktuell wie der Rundfunk in Deutschland sein. Zu den besonders stark beachteten Mitteilungen des Tarnsenders zählten die präzisen Angaben über Zerstörungen, die alliierte Luftangriffe in deutschen Städten verursacht hatten. Hierüber wunderte sich auch Reichspropagandaminister Goebbels, der am 28. November 1943 seinem Tagebuch den folgenden Vermerk anvertraute: „Große sorge bereitet uns am Abend ein sogenannter Soldatensender Calais, der offenbar von England aus betrieben wird und sich auf die Welle des Deutschlandsenders setzt, wenn er bei Luftangriffen ausgeschaltet wird. Er betreibt eine sehr geschickte Propaganda, und man kann aus den dort gemachten Angaben entnehmen, daß die Engländer ganz genau wissen, was sie vor allem in Berlin zerstört haben und was nicht.“
Wie der „Soldatensender Calais“ zu diesen Erkenntnissen über Bombenschäden gelangte, das erläuterte Sefton Delmer in dem erwähnten Rundfunk-Interview: „Das war eine typische deutsche Exakt-Arbeit, die wir da vollbrachten. Nach den Luftangriffen wurden von schnellen Moskito-Flugzeugen Erkundungs-Fotografien aufgenommen, die genau zeigten, was bei den Bombardements getroffen war und was nicht. An Hand von deutschen Stadtkarten und Baedeckern wurden die entsprechenden Stadtviertel und Straßen nachgeprüft und das Ergebnis dann über den Sender geschickt, was die Deutschen verblüffte – inklusive Dr- Goebbels.“
Vieles von dem, was der „Soldatensender Calais“ an die Ohren der deutschen Hörer trug, war freilich Erzeugnis der Phantasie - „aus den Fingern gesogen“, wie Delmer sagt. Aber meist so gut erfunden, daß die Erfindungen der Wirklichkeit erstaunlich nahe kamen – oder zumindest sehr glaubwürdig klangen. Der Grund dafür: dort ließen, Sefton Delmer voran, Männer die Phantasie schweifen, die sich vortrefflich in deutschen Verhältnissen auskannten.
Ein Musterbeispiel dafür, wie gelungene Kombinationen ein tatsächliches Ereignis vorwegnahmen, führt Delmer in seinem Buch „Die Deutschen und ich“ mit verständlichem Behagen an. Er erzählt unter anderm: „Am 7. März 1945 hatten die Amerikaner mit einem unerhörtkühnen Handstreich die große Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Remagen genommen, bevor die Deutschen noch Zeit hatten, sie in die Luft zu sprengen. Donald (ein Mitarbeiter Delmers) und ich saßen zusammen und sprachen über Sepp Obermeyers Kommentar, in dem dieser erklärt hatte, die Bomber der Luftwaffe hätten den Befehl erhalten, mit schweren Sprengbomben in selbstmörderischen Sturzflügen nach japanischem Kamikaze-Muster auf die Brücke hinabzustoßen.
„Natürlich müßte sich eigentlich eine ganz andere Stelle dieser Brücke annehmen“, sagte Donald im Scherz. „Die Marine mit ihren Froschmännern.“
Mit einem Ruck wandte ich mich zu Frank Lynder (ein anderer Mitarbeiter) um: „Wo liegen die nächsten Froschmannn-Einheiten?“ fragte ich. „Ich glaube, Admiral Heye mit seinem Kampfverband der Kleinkämpfer hat ein paar davon in der Nähe von Nimwegen stationiert. Wir könnten sie leicht stromaufwärts schicken und einen Unterwasser-Angriff auf die Brücke unternehmen lassen. Am besten mit Torpedo-Minen, den TMC.“
Delmer ließ eine entsprechende Meldung ausstrahlen. Über deren Folgen berichtet er dann weiter: „Es war eine der üblichen „schwarzen“ Storys wie hundert andere, die wir und schon ausgedacht hatten. Aber was für ein Aufsehen erregte sie in Hitlers Hauptquartier im unterirdischen Bunker der Reichskanzlei, als wir sie am 11. März durchgaben. Denn daß wir es damals wußten, hatte der Führer tatsächlich dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, befohlen, mit dem Einsatz von Froschmännern eine Unterwassser-Aktion gegen die Brücke zu starten. Die ganze Angelegenheit ist gewissenhaft in den Geheimprotokollen der Führerbesprechungen über Marinefragen aufgezeichnet (Brassey's Naval Annual 1948).
Hitler hatte, wie aus den Protokollen hervorgeht, die Operation am 8. März 1945 angeordnet. Am 9.3. um 17 Uhr meldete Admiral Dönitz seinem Führer, daß zwei Abteilungen Froschmänner für die Operation ausgesucht worden seien, und so schnell wie möglich flußaufwärts geschickt würden. Und dann brachten am 11. März der Soldatensender und sein Zwillingsbruder, der Atlantik-Kurzwellensender, unsere Meldung.
Über die Führerbesprechung, die am folgenden Tag, stattfand, meldet das Protokoll: „Berlin, 12. März 1945, 16 Uhr. Remagen-Brücke. Der englische Atlantiksender hat über einen deutschen Plan berichtet, Amphibienkommandos einzusetzen, um die Brücke Remagen zu sprengen. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine teilt dem Führer mit, daß er die Absicht habe, ohne Rücksicht auf diese Rundfunkmeldung seinen Plan durchzuführen, weil die Möglichkeit besteht, daß die Engländer diese Nachricht veröffentlicht haben, um uns irrezuführen.“ Dönitz tat also so, als mache er sich nichts aus dem „Verrat“ seines Operationsplans...Für Hitler war es ein schlagender Beweis, daß er von Verrätern und Spionen umringt war.“
Wie aus einer Reihe von Dokumenten hervorgeht, zeigten sich Wehrmachts- und Parteiführungsstellen besorgt darüber, daß große Teile der Bevölkerung glaubten – oder wenigstens vorgaben zu glauben- , der „Soldatensender Calais“ sei deutscher Wehrmachtsrundfunk und kein „Feindsender“, den abzuhören das NS-Regime unter strengste Strafe gestellt hatte. Manchen Deutschen mag diese mehr oder weniger treuherzige Einlassung vor dem Zuchthaus oder gar dem Scharfrichter bewahrt haben.
Am 14. April 1945 um 5.59 Uhr verstummte der britische Sender, der allerdings zu diesem Zeitpunkt längst in „Soldatensender West“ umgetauft worden war, was jedoch den „Soldatensender Calais“ die Note eines Markenartikels nicht zu nehmen vermochte.
Leider gibt es keine Ton-Dokumente und keine Sende-Manuskripte über die Arbeit des Soldatensenders. Die meisten Beiträge wurden live, also original in den Äther gesandt. Und alles, was vor der Sendung auf Platten – Tonbänder gab es in England noch nicht – aufgenommen worden war, wurde nach dem Krieg beseitigt. Das geschah auch mit sämtlichen Manuskripten. Alle Spuren dieses Geheimsenders sollten getilgt werden. Zudem mußten sämtliche Archive in Milton Bryan auf allerhöchste Anweisung vernichtet werden. Sefton Delmer erinnert sich wehmütig: „Ein Zerreißwolf war das Ende des Soldatensenders.“
Willy Nissel - „Damals“ Heft 12 Dez. 1974
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Aptrgangr sagt:
I am republican anyway 
Lutiferre sagt:
me too, but thats mostly because i am against monarchy
„Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, doch dem Volke zum Spott! Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade Euch Gott!“ (Theodor Körner 1791-1813)
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