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Arrow Wer hat zum Weltkrieg gerüstet?

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Wer hat zum Weltkrieg gerüstet? Generalmajor a.D. van den Bergh. In diesem Artikel werden die europäischen Rüstungsverhältnisse vor dem Ersten Weltkrieg umrissen. Durch anschauliche statistische Vergleiche wird klar, welch großen Anteil Frankreich an der Schuld am Ersten Weltkrieg trug.
http://www.wintersonnenwende.com/scr...Druestung.html
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Default AW: Wer hat zum Weltkrieg gerüstet?

Zweifelsfrei hatte für Lenin und die Bolschewiki die erste sozialistische Revolution im Jahre 1917 in einem falschen Land gesiegt: Im rückständigen Rußland, und nicht im technisch und industriell fortschrittlichsten Land Europas, der Heimat von Marx und Engels, in Deutschland. Ein Sieg der sozialistischen Revolution in Deutschland hätte nach Auffassung der führenden Bolschewiki die Revolutionierung ganz Europas nach sich gezogen: Eine Ansicht, die rückblickend gesehen, sicherlich der Realität entsprochen hätte. Nach der Theorie von Marx würde die sozialistische Revolution in dem Land mit der fortschrittlichsten technisch-ökonomischen Entwicklung ausbrechen und sich von dort permanent über die ganze Welt ausbreiten. Das Ausbleiben der Revolution in Deutschland war die wohl größte Enttäuschung im Leben Lenins.

Der erste sozialistische Staat der Weltgeschichte, die Sowjetunion, blieb nun isoliert inmitten der Einkreisung durch kapitalistische Mächte, die die neuartige sozialistische Gesellschaftsordnung als eine Bedrohung ihrer Existenz ansehen mußten. Da das Vorbild der Sowjetunion revolutionäre Bewegungen gegen die kapitalistische Ordnung stärken mußte, konnte es aus der Sicht der Bolschewiki nur eine Frage der Zeit sein, bis die kapitalistischen Imperialisten einen Krieg zur Vernichtung des ersten sozialistischen Staates beginnen würden. Zwar konnte die Sowjetmacht durch eine Art Politik der friedlichen Koexistenz Zeit gewinnen, aber letztlich war der große Endkampf zwischen kapitalistischen Imperialismus und Sozialismus unvermeidlich. Abgesehen davon war die Weltrevolution ein fester Bestandteil der politischen Vorstellungswelt aller führender Bolschewiki, und es war für sie niemals eine Frage, daß der „Sieg des Sozialismus im Weltmaßstab“ nur durch exzessive Gewaltanwendung zu erreichen war.

Rußland hatte Dank der ungeheuren Weite seines Raumes, seiner besonderen Klimaverhältnisse, seiner Naturschätze und seines Menschenreichtums zwar günstige Voraussetzungen um sich effektiv zu verteidigen, die Rote Armee war aber Großteils nur eine Bürgerkriegstruppe und einer Auseinandersetzung mit den hochtechnisierten Armeen der kapitalistischen Großmächte nicht gewachsen. Die Grundlage einer modernen Militärmacht, eine hochtechnisierte Schwer- und Rüstungsindustrie, war damals in Rußland nur in Ansätzen vorhanden. So leiteten die Bolschewiki unter Stalin Ende der zwanziger Jahre ein riesiges Industrialisierungsprogramm in die Wege, das durch die rücksichtslose und oft brutale Ausbeutung insbesondere der bäuerlichen Bevölkerung finanziert und realisiert wurde. Ziel war der Aufbau eines leistungsfähigen militärisch-industriellen Komplexes, der es der Sowjetunion ermöglichen sollte, einen Krieg gegen eine Koalition kapitalistischer Großmächte siegreich zu bestehen und revolutionäre Angriffskriege zur Befreiung des Proletariats in den kapitalistischen Ländern zu führen. Innerhalb eines Jahrzehnts machten die Bolschewiki Rußland aus einem rückständigen Agrarland zu einer der führenden Industrie- und Militärmächte der Welt. Während die Sowjetunion in den zwanziger Jahren nur wenige Flugzeuge und fast keine Flugzeugmotoren produzieren konnte, stellten bereits in den dreißiger Jahren ihre Flugzeuge zahlreiche Weltrekorde auf, errangen sowjetische Kampfmaschinen im Spanischen Bürgerkrieg einen beachtlichen Ruf. Parallel zum Aufbau der Rüstungsindustrie entwickelten die führenden sowjetischen Militärs hochmoderne Theorien für den Krieg der Zukunft.

Aufgrund des politischen Auftrages eines revolutionären Angriffskrieges und aufgrund der Erkenntnis der Überlegenheit moderner Angriffsmittel wie dem Flugzeug und dem Panzerkampfwagen, entstand - wie zu gleicher Zeit im nationalsozialistischen Deutschland - eine Militärdoktrin mit zweifellos einseitig offensiver Ausrichtung.

Die Sowjetunion, eine der stärksten Militärmacht der Welt, die Mitte der dreißiger Jahre über mehr Panzer und Flugzeuge verfügte als jeder andere Staat, war sich darüber vollends im klaren, daß sie einem Konflikt mit einer Koalition aller kapitalistischen Großmächte möglicherweise nicht gewachsen war, da deren industrielle Kapazitäten zusammen erheblich größer waren. Das Zustandekommen einer solchen Koalition mußte deshalb mit allen politischen Mitteln verhindert werden, was Lenin bereits 1920 vehement gefordert hatte. Dies war nicht weiter schwer, da zwischen den kapitalistischen Großmächten als Folge des Ersten Weltkrieges schwere Spannungen herrschten. Nahezu unüberbrückbar waren die Gegensätze zwischen Deutschland und den Siegermächten, was in der Folge zu einem engen Zusammenrücken des revolutionären internationalen Sozialismus der Sowjetunion Stalins und dem revolutionären nationalen Sozialismus des Deutschen Reiches Hitlers führen sollte.

Der Versailler Vertrag von 1919 zwang Deutschland nicht nur zur militärischen Abrüstung und zu riesigen völlig unrealistischen Reparationszahlungen, sondern schränkte auch die deutschen Exportmöglichkeiten auf ein Minimum ein; zusammen mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges führte dies zu einer unerträglichen Einschränkung des Lebensstandards weiter Teile der deutschen Bevölkerung. Die von Wall-Street-Kreisen angezettelte Weltwirtschaftskrise von 1929 hatte derart verheerende ökonomische und soziale Folgen, daß die Weimarer Republik unregierbar wurde. Im Jänner 1933 gelangten Hitler und die NSDAP an die Macht. Die neue deutsche Führung sah einen unauflöslichen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Gesundung des Landes und der Beseitigung des Versailler Vertrages. Da Deutschland aber fast völlig abgerüstet war, konnte es jederzeit das Opfer einer militärischen Intervention der starken Armeen Frankreichs, Polens und der Tschechoslowakei werden. Wollte Deutschland also die wirtschaftliche Knebelung durch Versailles endgültig abschütteln, dann mußte es wiederaufrüsten, was wiederum einen besonders schweren Verstoß gegen dieses Vertragssystem darstellen mußte. Die Situation schien aus deutscher Sicht sehr bedenklich, aber Dank der innenpolitischen Schwäche Frankreichs konnte der geschickte Taktierer Hitler mit einer Politik der vollendeten Tatsachen das Versailler System Stück für Stück beseitigen. Mit der französischen Armee, die damals als die stärkste der Welt galt, konnte die deutsche Wehrmacht bis 1938/39 qualitativ etwa gleichziehen, bei der Luftaufrüstung sogar eine Überlegenheit über Frankreich und England erzielen. Während aber die Westmächte in den militärischen Vorstellungen des Jahres 1918 befangen blieben, entwickelte die deutsche Wehrmacht die hochmoderne Doktrin des Blitzkrieges, dem Zusammenspiel zwischen unabhängig operierenden, schweren Panzer- und motorisierten Verbänden und der Luftwaffe.

Trotzdem konnte das Dritte Reich einer Koalition aus England, Frankreich, Polen und der UdSSR nicht gewachsen sein, da ihm die nötige Rohstoffbasis fehlte, um eine Wirtschaftsblockade oder einen Krieg für längere Zeit durchzustehen. Ein besonders empfindlicher Schwachpunkt war dabei die Versorgung mit Erdöl, das trotz des forcierten Ausbaus der synthetischen Herstellung durch Kohle-Hydrierung zu etwa 60% importiert werden mußte. Im Frühjahr 1938 begann Hitler die deutsche Vormachtstellung in Mitteleuropa zu restaurieren, wie sie bis 1918 bestanden hatte, wobei er die Gebiete der ehemaligen k.u.k. Monarchie als deutsche Inter-essensphären ansah. Österreich wurde dem Reich eingegliedert, die sogenannte Resttschechei in ein Protektorat verwandelt, die Slowakei und Ungarn orientierten ihre Politik zunehmend an Berlin.

Die Regierungen Englands und Frankreichs nahmen diese Politik Hitlers nur mit größten Widerwillen hin; ihre Nachgiebigkeit wurde abgesehen von einer Kriegsmüdigkeit auch von der Furcht vor der überlegenen deutschen Luftwaffe diktiert. Die Besetzung der Tschechei und ihre Umwandlung in ein Protektorat im März 1939 veranlaßte die britische Regierung, ihre Anstrengungen zur Eindämmung der Macht des Deutschen Reiches zu erhöhen. Deutschland sollte durch ein Bündnis bestehend aus England, Frankreich, Polen, Rumänien und der Sowjetunion eingekreist werden. Die britische Einkreisungspolitik fiel dabei mit einer dramatischen Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen zusammen. Das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau war seit 1934 relativ gut gewesen, aber im Frühjahr 1939 verursachte ein Aufflammen des Streits um Danzig eine schwere Krise. Während die rein deutsche Danziger Bevölkerung die Rückkehr der Stadt zum Reich wollte, sah die polnische Öffentlichkeit in einem derartigen Schritt einen Kriegsgrund. Hitler sah sich nun mit dem doppelten Problem konfrontiert, die deutsch-polnische Krise zu bereinigen und die drohende Einkreisung zu verhindern.

Die nun kommende Situation des Sommers 1939 bot Stalin eine ausgezeichnete und einmalige Möglichkeit, die kapitalistischen Großmächte gegeneinander auszuspielen. Schlösse die Sowjetunion ein Bündnis mit den Westmächten, dann würde die Lage Deutschlands im Falle einer Wirtschaftsblockade aussichtslos. Entschiede der Kreml sich aber für ein Bündnis mit Hitler und sicherte dem Reich gleichzeitig umfangreiche Rohstofflieferungen zu, dann könnte Deutschland eine militärische Konfrontation mit den Westmächten riskieren und die polnische Frage gewaltsam lösen. Stalin glaubte, daß es darüber zu einem langen Abnützungskrieg zwischen den imperialistischen Mächten kommen würde, zu dessen Ende Europa für die sozialistische Revolution reif sein müßte. Das Endergebnis des „zweiten imperialistischen Krieges“ würde notgedrungen die Herrschaft der Sowjetmacht über ganz Europa sein.

In der Krisensituation des Sommers 1939 hatte Hitler kaum eine andere Option, als das Angebot Stalins für einen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt anzunehmen. Dies war allerdings keineswegs unbedenklich, denn sollte sich der Krieg mit den Westmächten nicht vermeiden lassen, dann geriete Deutschland in eine weitgehende wirtschaftliche Abhängigkeit von der Sowjetunion. Ginge aber Hitler auf das nicht ein und riskierte eine Einkreisung, dann würde die große Koalition das Reich jederzeit durch eine Wirtschaftsblockade in die Knie zwingen können. Aufgrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs hatten Hitler und die deutsche Führung nur wenig Vertrauen in die „wohlwollenden und friedlichen“ Absichten der kapitalistischen Westmächte. Die laufenden Bündnisverhandlungen zwischen London, Paris und Moskau und die zunehmend blutigen polnischen Übergriffe gegen die deutsche Minderheit in Polen veranlaßten Hitler, auf das Angebot Stalins einzugehen. Diese Entscheidung wurde ihm durch einen augenfälligen Kurswechsel der sowjetrussischen Selbstdarstellung erleichtert, die jetzt anstelle der reinen Lehre des Marxismus-Leninismus einen großrussischen Nationalismus in den Vordergrund stellte. Ein Bündnis mit dem „jüdischen“ Bolschewismus hatte Hitler seit der Abfassung von „Mein Kampf“ abgelehnt, jedoch die Möglichkeit für ein Zusammengehen mit einem nationalistisch-autoritären russischen Regime dagegen immer offen gehalten.

Durch die Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes wurde jetzt Polen eingekreist. Aber trotz der nunmehr aussichtslosen strategischen Lage war Warschau immer noch nicht bereit, den unwidersprochen vernünftigen und maßvollen deutschen Forderungen nach Rückgabe Danzigs und dem Bau einer exterritorialen Verkehrsverbindung durch den „Korridor“ nachzugeben. So kam es am 1.9.1939 zum deutsch-polnischen Krieg, und innerhalb nur weniger Wochen wurde Polen von der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee überrannt und zwischen den beiden Mächten aufgeteilt. Zwischen September 1939 und Mai 1940 gestaltete sich das deutsch-sowjetische Verhältnis für beide Seiten überaus vorteilhaft. Deutschland konnte durch einen umfangreichen Handelsaustausch mit der Sowjetunion die Blockade der Westmächte umgehen und seine Rüstungen vervollständigen, die UdSSR die Westgebiete des ehemaligen Zarenreiches zurückgewinnen.

Erst der überraschend schnelle und vollständige Blitzsieg über Frankreich und die Benelux-Staaten im Mai/Juni 1940 leitete eine Wende im Verhältnis zwischen Berlin und Moskau ein. Deutschland kontrollierte nun den europäischen Kontinent von der Atlantikküste bis zur sowjetischen Grenze, wodurch sich seine Rohstofflage entscheidend verbesserte und die Abhängigkeit von der UdSSR sich entsprechend verringerte. Dagegen geriet die Sowjetunion durch den deutschen Sieg im Westen in eine schwierige Situation. Deutschland war aus dem Krieg nicht, wie von Stalin erwartet, geschwächt, sondern im Gegenteil bedeutend gestärkt hervorgegangen. England war durch seine Niederlage in Frankreich in eine derart katastrophale Lage geraten, daß jederzeit mit seinem Ausscheiden aus dem Krieg gerechnet werden mußte; es bestand die Möglichkeit eines deutsch-britischen Friedensschlusses, der dem Reich freie Hand gegen die Sowjetunion ließ. Stalin ordnete daraufhin an, die Produktion modernster Waffen, die Reorganisation der Roten Armee und die Arbeiten an den Operationsplänen für einen Angriffskrieg gegen Deutschland zu beschleunigen. Am 18.September 1940 stellten Generalstabschef Merezkow und Volkskommissar für die Verteidigung Timoschenko einen Operationsentwurf fertig, der vorsah, durch eine Offensive der Roten Armee aus der Westukraine durch Südpolen nach Schlesien Deutschland von den rumänischen Erdölquellen abzuschneiden und damit seiner Wehrwirtschaft einen tödlichen Schlag zu versetzen. Dies würde ein entscheidender Schritt zur Niederlage Deutschlands und der Herrschaft Moskaus über Europa sein. Bereits Anfang Juli 1940 hatte Stalin gegenüber der britischen Regierung seine Bereitschaft angedeutet, einen Bündniswechsel auf die Seite Englands in Erwägung zu ziehen. Dadurch sollte London permanent ermutigt werden, den Krieg gegen Deutschland fortzusetzen.

Keineswegs aber blieben Hitler die britisch-sowjetischen Kontakte verborgen. Da gleichzeitig US-Präsident Roosevelt den Kriegseintritt der USA anstrebte, sah die deutsche Führung sich dem Gespenst einer Koalition England-USA-UdSSR gegenüber. Ende Juli 1940 beauftragte Hitler deshalb OKH und OKW, Studien für einen eventuellen Feldzug gegen die Sowjetunion auszuarbeiten. Bei den damaligen Besprechungen sahen Hitler und seine Generäle im Gegensatz zu den sowjetischen Landstreitkräften die russische Luftwaffe als eine ernstzunehmende Bedrohung an, da diese auf Grund ihrer zahlenmäßigen Stärke, ihrer relativ modernen Ausrüstung und der geostrategischen Lage, die rumänischen Erdölfelder und die mitteldeutschen Hydrierwerke angreifen konnte. Außerdem konnte sich die deutsche Führung ausrechnen, daß angesichts des hohen Rüstungstempos auch die sowjetischen Land- und Seestreitkräfte bald zu einer ernsthaften Bedrohung werden mußten.

Im Sommer und Herbst 1940 war ein Feldzug gegen Sowjetrußland aber nicht mehr als eine Eventualplanung. Die deutsche Führung war sich in diesen Monaten in der Beurteilung der weiteren politischen und strategischen Entwicklung äußerst unsicher, was sich aus dem pausenlosen Hin und Her um die Priorität in der Rüstungsplanung deutlich ablesen läßt. Nach dem Sieg über Frankreich sollten zunächst Flugzeuge und U-Boote für den Kampf gegen England, dann wieder Panzer, Panzerabwehrkanonen und Artillerie für einen Feldzug gegen Rußland, dann wieder alles gleichzeitig mit Vorrang produziert werden.

Der Krieg gegen England stand damals eindeutig in der deutschen militärischen Planung an erster Stelle, wobei man sich, nachdem eine Landung auf den britischen Inseln als zu riskant erschien, auf eine periphere Strategie gegen das Empire verlegte. Für den Kampf gegen England und die hinter ihm stehende USA sollten nach Hitlers Vorstellungen Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, die Sowjetunion und Japan einen euroasiatischen Kontinentalblock gegen die angelsächsischen Mächte bilden. Dabei sollten alle Mitglieder des Kontinentalblocks ihre Expansionsbestrebungen auf Kosten des englischen Weltreiches befriedigen. Um dieses Konzept zu verwirklichen, mußten zunächst aber Interessengegensätze zwischen den vorgesehenen Bündnispartnern ausgeräumt werden. Die Streitigkeiten zwischen Italien, Spanien und Frankreich waren dabei das kleinere Problem, viel schwerer wog die Trübung der deutsch-sowjetischen Beziehungen , die sich seit dem Juni 1940 verstärkt bemerkbar machten. Ursache waren die Expansionsbestrebungen Moskaus gegen Skandinavien und den Balkan, die sich in diplomatischem und militärischem Druck auf Finnland, Rumänien und Bulgarien äußerten. Finnland war wegen seiner Nickelgruben bei Petsamo, Rumänien wegen seiner Ölquellen bei Ploesti unentbehrliche Rohstofflieferanten für die deutsche Wehrwirtschaft. Gerieten diese Staaten unter sowjetische Kontrolle, dann würde das Reich wirtschaftlich wieder völlig von der UdSSR abhängig und erpressbar werden. Ein Zustand, der angesichts der britisch-sowjetischen Kontakte äußerst gefährlich und für Hitler und Deutschland untragbar werden konnte.

Trotz der deutsch-sowjetischen Spannungen hoffte Hitler, die Moskauer Führung für einen Beitritt zu seinem Kontinentalblockkonzept gewinnen zu können. Die Sowjetunion sollte ihre Expansionsbestrebungen in Richtung Skandinavien und Südosteuropa aufgeben und sich dafür auf Kosten Englands gegen Indien und den Persischen Golf wenden. Auch hoffte Hitler insgeheim, die militärische Stärke des Reiches werde es den sowjetischen Machthabern geraten erscheinen lassen, auf das deutsche Angebot einzugehen.

Im November 1940 reiste der Volkskommissar für Auswärtiges Molotow zur Besprechung dieser Fragen nach Berlin. Molotow kam den deutschen Vorstellungen in keinster Weise entgegen, vielmehr unterstrich er die Ansprüche Moskaus auf ausgedehnte Interessensphären in Skandinavien und Südosteuropa. Die Gespräche waren aus deutscher Sicht ein völliger Fehlschlag, das Kontinentalblockkonzept praktisch gescheitert. Hitler interpretierte das Verhalten Molotows und die gigantische sowjetische Truppenkonzentration an der Westgrenze der UdSSR dahingehend, daß es die Absicht Moskaus sei, starke deutsche Land- und Luftstreitkräfte in Osteuropa zu binden, um ein Landungsunternehmen gegen England unmöglich zu machen und die britische Regierung zur Fortsetzung des Krieges zu ermutigen. Diese Politik Stalins, eine Entscheidung gegen England zu verhindern und auf ein Bündnis mit den Angelsachsen hinzuarbeiten, war aber wieder für Deutschland höchst gefährlich.

Aber auch Stalin sah sich einer gefährlichen Entwicklung gegenüber: Deutschland kontrollierte die Ressourcen des gesamten europäischen Festlandes, und nach einem Sieg über England konnte es diese ungeteilt gegen die Sowjetunion einsetzen, einen Krieg, der nach sowjetischen Vorstellungen ohnehin unvermeidlich war. Eine noch schlimmere Möglichkeit für Moskau wäre ein Kompromißfrieden und ein antisowjetisches Bündnis zwischen Deutschland und England, dem sich auch noch Japan anschließen und das auch die USA unterstützen könnten. Das Ergebnis dieses Alptraumes Stalins wäre die immer gefürchtete Einkreisung der Sowjetunion durch die kapitalistischen Großmächte, auf die jederzeit ein Krieg des Imperialismus zur Vernichtung des Sozialismus folgen könnte. Um dies zu verhindern, mußte Stalin die Gegensätze zwischen Deutschen und Angelsachsen ausnutzen und fördern; das vorrangige Problem für ihn war, daß er wegen der Schwäche Englands die Aufmerksamkeit der deutschen Führung zu einem Zeitpunkt auf sich ziehen mußte, zu dem die Rüstungen der Roten Armee noch unvollendet waren.

Der Besuch Molotows in Berlin markiert den Bruch des am 23.August 1939 geschlossenen Bündnisses zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Auch wenn Hitler in den folgenden Monaten vielleicht noch geschwankt haben mag, von nun ab bewegten sich die beiden Mächte unaufhaltsam auf den großen Krieg zu.

Am 18.Dezember 1940 unterzeichnete Hitler die Weisung Nr.21 „Barbarossa“ für den Feldzug gegen die Sowjetunion. Durch eine Serie von schnellen Vorstößen von vier mächtigen deutschen Panzergruppen, gefolgt von Infanteriearmeen, sollte die Rote Armee in ausgreifenden Zangenbewegungen zerschlagen und die westlichen Gebiete der UdSSR einschließlich Leningrads und Moskaus besetzt werden. Der sowjetische Machtbereich sollte hinter die Linie Astrachan-Archangelsk (A:A-Linie) zurückgedrängt werden, von der aus russische Bomber deutsches und rumänisches Gebiet nicht mehr erreichen konnten; gleichzeitig gelangten dadurch die sowjetischen Industriegebiete im Ural in die Reichweite der deutschen Luftwaffe. Die deutsche Rüstungsindustrie erhielt noch im gleichen Monat den Auftrag, der Produktion von Heereswaffen, insbesondere von Panzerfahrzeugen, den absoluten Vorrang zu geben.

In der Sowjetunion lief die Rüstungsproduktion seit dem Frühsommer 1940 auf vollen Touren, die Stärke der Roten Armee wuchs rasch an und sollte bis zum Juni 1941 über 5 Millionen Mann erreichen. Der sowjetische Generalstab arbeitete währenddessen auf der Grundlage des Entwurfs von Merezkow und Timoschenko vom September 1940 weitere Operationspläne aus. Der Grundgedanke der sowjetischen Planungen war ein schneller Vorstoß aus der Westukraine mit allgemeiner Richtung Schlesien, um Deutschland von den rumänischen Ölquellen abzuschneiden. Der neue Generalstabschef Schukow erweiterte diese Pläne im Mai 1941 um ein Einschwenken der sowjetischen Stoßarmeen nach erfolgter Einnahme des Großraumes Krakau-Breslau nach Norden und einen anschließenden Vorstoß zur Ostsee, um die deutschen Verbände in Polen und Ostpreußen von ihren rückwärtigen Verbindungen nach Westen abzuschneiden und zu vernichten. Die Pläne des sowjetischen Generalstabs wirkten in ihrer Zielsetzung auf den ersten Blick bescheidener als die des deutschen Oberkommandos. Bei einer erfolgten Durchführung wäre aber Deutschland von seinen wichtigsten Ölquellen abgeschnitten worden; die deutsche Wehrmacht hätte bei einer Einschließung oder einem überstürzten Rückzug aus Polen und Ostpreußen einen großen Teil ihrer schweren Waffen verloren, die die deutsche Rüstungsindustrie wegen ihrer 1941 noch geringen Leistungsfähigkeit nicht so schnell hätte ersetzen können. Deutschland hätte den Krieg nur noch unter größten Schwierigkeiten und mit schlechten Erfolgsaussichten fortsetzen können.

Die Ereignisse auf dem Balkan im Frühjahr 1941 zeigten in aller Deutlichkeit die zunehmenden Gegensätze zwischen Berlin und Moskau. Der Engländer begann, im (neutralen!) Griechenland zunehmend Truppen festzusetzen und Jugoslawien auf seine Seite zu ziehen; von diesen Ländern aus konnte er mit Mittel-streckenbombern das rumänische Erdölgebiet jederzeit angreifen. Die deutsche Führung sah sich deshalb genötigt, einen Feldzug zur Vertreibung der Briten vom Balkan zu führen. Moskau mißbilligte das deutsche Vorgehen, womit es praktisch die englische Präsenz in Griechenland guthieß. Dies war der Zeitpunkt, wo sich Hitler nun endgültig zur Durchführung von Barbarossa entschloß. Das Deutsche Reich und die Sowjetunion standen inzwischen vor dem subtilen Problem, den Aufmarsch ihrer Streitkräfte gegeneinander nicht mehr länger verheimlichen zu können. Berlin stellte den Ostaufmarsch der Wehrmacht als Täuschungsmanöver dar, das von einer bevorstehenden Landung in England ablenken sollte; im übrigen verlegte man die Panzer-verbände als die Hauptträger des Angriffs so spät wie nur irgend möglich an die sowjetrussische Grenze, in der Hoffnung, seine wirklichen Absichten bis wenige Wochen vor Angriffstermin verschleiern zu können.

Moskau betrieb gegenüber Berlin eine demonstrative Beschwichtigungspolitik, während es seine gigantischen Stoßarmeen nur wenige hundert Kilometer hinter der Westgrenze zusammenzog. Die grenznahen Verbände mußten sich in dieser Zeit absolut ruhig verhalten, um bei den Deutschen möglichst wenig Verdacht zu erregen. Die sowjetische Führung glaubte ursprünglich, den eigenen Angriff im August oder spätestens September 1941 beginnen zu können. Als aber der deutsche Angriff immer bedrohlicher wurde, verlegte sie den Termin für die Offensive der Roten Armee auf Mitte Juli vor.

Der deutsche Generalstab hatte den Aufmarsch der Sowjets zwar in den Grundzügen richtig erkannt, er konnte aber keine Klarheit über die sowjetischen Absichten gewinnen; außerdem unterschätzte man das tatsächliche militärische Potential und die Wirtschaftskraft der UdSSR erheblich.

Die aufmarschierenden zwei strategischen Staffeln der Roten Armee waren dem deutschen Ostheer und seinen Verbündeten von der Zahl der Divisionen her nur im Verhältnis von etwas über 1,3 : 1 überlegen, bei den schweren Waffen war das sowjetische Übergewicht aber durchaus erheblich. Es betrug bei der Artillerie 8:1, bei den einsatzbereiten Panzern 4 : 1, und bei den einsatzbereiten Frontflugzeugen 4-5 : 1. Dabei verfügten die russischen Fliegerkräfte über mindestens genau so viele moderne Frontflugzeuge wie die Verbände der deutschen Luftwaffe im Osten. Diese zahlenmäßige Überlegenheit wurde in der Praxis aber durch die schlechtere Ausbildung und Führung der sowjetischen Truppen und Fliegerkräfte wieder aufgehoben. Inwieweit der Kreml sich dieser Mängel im vollem Umfang bewußt war, ist schwer zu beantworten; es deutet aber vieles darauf hin, daß man sie unterschätzte.

Am 22.Juni 1941 war die deutsche Wehrmacht angriffsbereit und schlug mit voller Wucht aus ihren Bereitstellungsräumen los. Ihr Angriff traf die Rote Armee mitten in ihrem unfertigen Offensivaufmarsch, der für die strategische Verteidigung völlig ungeeignet war. Hitler war Stalin um einige Wochen, ja vielleicht nur um einige Tage zuvorgekommen. Die nun stattfindenden Grenzschlachten wurden für die Sowjets zu einem Desaster, sie verloren riesige Mengen an Truppen und Waffen und konnten die Fronten erst vor den Toren Moskaus und Leningrads zum Stehen bringen. Dennoch war das sowjetische Militärpotential groß genug, um die verheerenden Niederlagen der Jahre 1941/42 zu überstehen und letztlich mit massivster anglo-amerikanischer Hilfe den Krieg zu gewinnen. Es gelang Deutschland nicht, die Sowjetunion auszuschalten und zu verhindern, daß die Koalition England-USA-UdSSR ihr volles Gewicht zum Tragen brachte.

Letztendlich stellt sich uns die Frage nach dem Charakter des Krieges zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrußland. Über die dem Zweckdenken entsprungene These vom „überraschenden Überfall auf die friedliebende Sowjetunion“ sind bei Kenntnis der historischen Tatsachen keine Worte mehr zu verlieren. Die sowjetische Führung wurde weder auf der politischen noch auf der strategischen Ebene überrascht, sondern allenfalls auf der taktisch-operativen, d.h. von Zeitpunkt und Wucht des deutschen Angriffs. Stalin und der sowjetische Generalstab dachten niemals daran, in der strategischen Defensive zu verharren, sie wollten vielmehr die strategische Initiative ergreifen und Deutschland einen tödlichen Schlag versetzen.

Auf deutscher Seite hatten die Planungen für einen Feldzug gegen die Sowjetunion ihre Ursache nicht in dem Gefühl einer akuten Bedrohung durch die Rote Armee; wohl aber spielten eine maßgebliche Rolle die Bedrohung des Reiches durch ein Zusammengehen der UdSSR mit den angelsächsischen Mächten, die Bedrohung der deutschen Ölversorgung durch die russische Luftwaffe und die Bedrohung durch das rasche Anwachsen des sowjetischen Militärpotentials. Die grundsätzliche und wesentliche Entscheidung Hitlers zur Durchführung von „Barbarossa“ fiel erst nach dem Scheitern der Gespräche mit Molotow in Berlin im November 1940. Die Meldungen über den laufenden und rasanten Aufmarsch der Roten Armee, die ab Anfang 1941 in Berlin eintrafen, bestärkten die deutsche Führung in ihrem Entschluß.

Unternehmen „Barbarossa“ war also kein Präventivkrieg im engeren Sinne, d.h. eine bloße Reaktion auf einen erkannten bevorstehenden Angriff der Sowjets, man kann es aber als einen Präventivkrieg im weiteren Sinne bezeichnen, als einen Schlag gegen eine langfristige Bedrohung.

Der Feldzug gegen die Sowjetunion wurde, geht man nach den Dokumenten, von der deutschen Führung aufgrund von durchaus realpolitischen Motiven geplant:


• Der Kenntnis der expansiven Außenpolitik Moskaus sowie des gewaltigen sowjetischen Rüstungs-programmes;
• der Notwendigkeit des Schutzes der für die deutsche Wehrwirtschaft lebenswichtigen Ölquellen Rumäniens und der Nickelgruben Finnlands vor dem drohenden Zugriff Moskaus oder Angriffen der sowjetischen Luftwaffe;
• der gewaltsamen Sicherung der Rohstoffquellen und Getreideanbaugebiete der Ukraine für den von Deutschland beherrschten europäischen Wirtschaftsraum, die bei einer Konfrontation mit der UdSSR nicht mehr zugänglich sein würden;
• der Befreiung aus der drohenden Einkreisung durch Angelsachsen und Russen durch einen strategischen Angriff auf die Sowjetunion mit dem Ziel ihrer Unterwerfung;
• der Weigerung Moskaus, dem von Hitler geplanten Kontinentalblock beizutreten;
• der Erkenntnis über den massiven Aufmarsch der Roten Armee an der Grenze des deutschen Machtbereiches.


Die von den meisten „Historikern“ immer wieder papageienhaft wiederholten „Ideologischen Motive“ spielen in den Dokumenten fast keine Rolle, auch wenn Hitler gelegentlich vom „Weltanschauungskrieg“ sprach. Der undefinierte Begriff „Lebensraum im Osten“ bedeutete in der Praxis die Sicherung von Rohstofflieferungen sowie die politische und militärische Kontrolle über die westlichen Gebiete der Sowjetunion. Projekte wie die oft zitierten „deutschen Wehrdörfer in der Ukraine“ tauchen in den Dokumenten, die für den deutschen Entscheidungsprozeß von Bedeutung sind, überhaupt nicht auf; was Hitler in seinen „Tischgesprächen“ dazu sagte, ist mit großer Vorsicht zu genießen, denn bei diesen nur bruchstückhaft aufgezeichneten Äußerungen ließ ein zweifellos überarbeiteter Mann nach einem anstrengenden Arbeitstag seinen Phantasien freien Lauf. Wie ernst Hitler solche etwas realitätsfernen Pläne wirklich nahm, ist kaum zu beantworten und ins Reich der Spekulationen zu verweisen. In welchem Verhältnis Ideologie und Realpolitik im Denken Hitlers tatsächlich standen, ist nachträglich unmöglich festzustellen. Im Jahr 1940/41 begründete Hitler den Feldzug gegen die Sowjetunion gegenüber seinen Generälen wie seinen Verbündeten Antonescu und Mussolini jedenfalls ganz überwiegend realpolitisch.

Auch die immer wieder zitierten „verbrecherischen Befehle“ wie beispielsweise der „Kommissarerlaß“ hatten ohne Zweifel ihre Ursache in der deutschen Einschätzung der Praktiken der sowjetischen Führungsschicht; man war überzeugt, daß der Krieg im Osten von der Gegenseite vom Anfang an mit größter Rücksichtslosigkeit geführt werden würde, was sich auch als richtig erweisen sollte. Die deutsche Führung glaubte, sich ähnlicher Mittel bedienen zu müssen, allerdings sollte der Rückgriff auf barbarische Methoden der deutschen Besatzungspolitik erheblich schaden und die Bildung von starken Partisanenkräften im besetzten Hinterland überhaupt erst ermöglichen. Die heute gängige Bezeichnung des Rußlandfeldzuges als „rassenideologischen Vernichtungskrieg“ ist eine entstellte Interpretation der Geschichtsschreibung der Nachkriegszeit, die die ideologischen Aspekte maßlos überbewertet und die realpolitischen Motive der deutschen Führung sträflich vernachlässigt.


Nach allem, was wir heute nach der Öffnung der Kremlarchive wissen, hielten Stalin und die sowjetische Führung einen Krieg mit Deutschland für unvermeidlich, und entsprechend ihren politischen und militärischen Doktrinen wollten sie diesen Krieg auch offensiv führen. Das Endziel mußte die Errichtung sozialistischer, mit der Sowjetunion auf das engste verbundener Regime in den von der Roten Armee „befreiten“ Gebieten Europas sein, um die Machtbasis der UdSSR zu erweitern. Langfristig, und der marxistischen Doktrin entsprechend, mußte Moskau sich für den als unvermeidlich angesehenen großen Konflikt mit den Hochburgen des kapitalistischen Imperialismus, mit England und den USA, vorbereiten. Dabei war es Stalins Politik in den Jahren 1940/41, die den Krieg mit Deutschland tatsächlich unvermeidbar machte, denn auf die sowjetischen Pressionen gegen seine Rohstoffversorgung und Moskaus Annäherung an die Angelsachsen mußte das Reich naturgemäß ganz einfach reagieren.

Trotz seiner Herrschaft über das europäische Festland geriet Deutschland durch die sich abzeichnende Koalition England-USA-UdSSR in die Gefahr, erdrückt zu werden, und aus dieser Situation konnte es sich im Rahmen der Denkgewohnheiten der deutschen Führung nur durch einen strategischen Angriff befreien. Betrachtet man die sowjetische Kriegsplanung im Kontext der großen Politik, dann fällt es schwer, sie als präventiv zu bezeichnen.

Am treffendsten kann man wohl den deutsch-sowjetischen Krieg als einen Machtkonflikt zwischen zwei „halbimperialistischen“ Großmächten charakterisieren. Rußland war allein durch die Weite seines Raumes, durch seine Naturschätze und durch seinen Menschenreichtum eine Großmacht. Die sowjetische expansive Politik war das Ergebnis einer Mischung zwischen traditionellem Imperialismus und ideologischem Missionarismus. 1938 erklärte Stalin in der „Geschichte der KPdSU, „...daß der Sieg der proletarischen Revolution in den kapitalistischen Ländern ein Lebensinteresse der Werktätigen der Sowjetunion ist“. Die Rote Armee stand bereit, um die Revolution zu unterstützen und das Proletariat in den kapitalistischen Ländern zu befreien. Der sowjetische Fliegergeneral Baidukow beschrieb am 18. August 1940 in der „Prawda“ schwärmerisch den revolutionären Angriffskrieg der Zukunft: „Welch ein Glück und welche Freude wird in den Blicken derjenigen stehen, die hier im Kremlpalast die letzte Sowjetrepublik in die brüderliche Schar der Völker der ganzen Welt aufnehmen werden! Ich sehe sie deutlich vor mir, die Bomber, die die Fabriken zerstören, die Eisenbahnknotenpunkte, die Brücken, die Vorratslager und die Stellungen des Gegners; die Jagdbomber, die mit einem Feuerhagel die Truppenkolonnen, die Artilleriestellungen attackieren; die Luftlandeflugzeuge, die ihre Divisionen tief im Hinterland des aufmarschierenden Gegners anlanden. Die mächtige und gefährliche Luftflotte des Sowjetlandes wird gemeinsam mit der Infanterie, den Panzermännern und Artilleristen ihre heilige Pflicht erfüllen und den unterdrückten Völkern beistehen, sich von ihren Henkern zu befreien.“

Deutschland dagegen verfügte über weitaus weniger günstige natürliche Voraussetzungen für eine Großmachtpolitik als Rußland. Sah es sich wirtschaftlich oder militärisch bedroht, dann mußte es sich erst die rohstoffmäßigen Voraussetzungen für seine Verteidigung verschaffen. Hitler glaubte, daß die deutsche Nation nur als Großmacht existieren könne oder untergehen werde.

So war letztlich der Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion das Ergebnis des Denkens der Eliten dieser beiden Staaten, welche Machtausdehnung und Kampf bis zum bitteren Endsieg für naturnotwendige Erscheinungen der Politik großer Mächte hielten.
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