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Slawenlegende by Lothar Greil
VORWORT ZUR 2. AUFLAGE Der bekannte englische Historiker und Geschichtsphilosoph Arnold Joseph Toynbee faßte die desolat-mangelhafte Geschichtsbildung unserer Epoche in den Worten zusammen: „Unsere geschichtliche Schau gleicht dem Gesichtsfeld, wie es etwa ein Pferd zwischen seinen Scheuklappen oder ein U-Boot-Kommandant beim Blick durch sein Periskop vor sich hat." Diese richtige und in ihren Konsequenzen unheilvolle Feststellung bedarf lediglich einer Ergänzung: von derart eingeengter, somit jeglicher Wunsch- und Zielvorstellung geöffneter Betrachtungsweise der Geschichte schlechthin reicht nur ein kleiner Schritt zu ihrer Manipulation. So gesehen, werden --- im Gefolge daraus entstandener Pseudogrundlagen - die Werkzeuge auf Lügen und Fälschungen basierender Machtpolitik demjenigen in die Hände manövriert: der sie mangels eigener historisch fundierter Substanz bedenkenlos zur Durchsetzung seiner hintergründigen Absichten einsetzen kann. Wir sind heute Zeugen dieser Politik, die sich die geballten Kräfte des europäischen Ostens, mit der vom Russentum bestimmten Sowjetunion als Vorreiter, zu eigen und nutzbar gemacht haben, deren Wurzeln tatsächlich in ferne Zeiten zurückzuverfolgen sind. Als Werkzeug stellt sich der vor über 100 Jahren aus der Retorte raffinierter Geschichtsalchimisten geborene sogenannte Panslawismus dar. Die ungeheuerlichen Auswirkungen dieser in die weltumstürzende Praxis verwandelten Theorie unerbittlicher, aggressiv bestimmter Expansion durch „das Slawentum" aller Spielarten sind evident. Das menschenmögliche dazu trugen und tragen unwissende Historiker, teils „von Rang und Namen", und in deren Gefolge dilettantische oder bestochene Politiker des Westens bei. Am Taufbecken des gigantischen Völkerbetruges und am voll entfalteten Reifeprozeß der daraus entwachsenen weltbedrohenden Tragödie standen und eiferten - sozusagen als Geburtshelfer, Ziehväter und Wegbereiter explosiver panslawistischer Energieentladung -- Bluts- und Artverwandte der "Slawen": philanthropische Schwarmgeister, phantasierende Philosophen, in "Scheuklappensicht" historisierende Geschichten- und Märchenerzähler und kosmopolitisierende Intellektuelle --deutscher Zunge! Seit etwa 170 Jahren webten - und knüpfen bis auf den heutigen Tag -- an dem Netz der Lüge mit größter Vehemenz, die einer besseren Sache wert wäre, vor allem deutschsprachige „Slawen"-Begünstiger (Slawophile). Ob dieses seltsame Treiben sträflich-fahrlässig, bewußt und absichtsvoll oder aber durch gekaufte Kreaturen vor sich geht, ist unerheblich. Tatsache bleibt, daß diese Spezies geistiger Hilfsarbeiter genau nach dem deprimierenden Fazit Bismarcks handelt, wonach so manchen Deutschen seit eh und je daran gelegen ist, in erster Linie die Belange fremder Nationen (er meinte damals aus besonderem Anlaß: "der polnischen"!) anstatt die vitalen Interessen des eigenen Volkes zu verfechten. Niemand also sollte darüber erstaunt sein, daß dienstbeflissene Hilfestellung deutscherseits die Agitatoren des Panslawismus geradezu animiert, mit der Anvisierung immer weiter gesteckter Ziele das deutsche Volk --- und mit ihm auch Rest-Europa -- in die Enge zu treiben. Begünstigt --- oder besser noch: ausgelöst -- wurde dieser in der Weltgeschichte einmalige Vorgang allerdings von einer schon im Mittelalter durch klerikale Reichsfeinde ins Werk gesetzten „Vorprogrammierung". Systematisch experimentierte und operierte man schon vor 900 Jahren im Zuge der Ostchristianisierung byzantinischer, vor allem aber vatikan-römischer Provenienz mit dem mönchslateinischen Wortbegriff "sclavi" - daraus erst sehr viel später der Sprach-Homunkulus „Slawen" -, um diesen dem noch aus der Antike stammenden und im ganzen zisuralischen Ostraum ortsansässigen indogermanischen Vielvölkerbrei der Iranier, Skythen, Sarmaten, Nord- und Ostgermanen sowie (in Nordrußland) der Ugro-Finnen als gegen die mitteleuropäische Ordnungsmacht Deutsches Reich gerichtetes Unterscheidungs-Siegel aufzudrücken. Die Resultate derartiger Machinationen vermag man unschwer aus dem „sprungweisen Vorarbeiten" der aus einst deklassierten germanischen und anderen arischen Völkerschaften "kunstvoll" geschmiedeten "großen slawischen Nation" gegen den verblüfften Westen abzulesen. Das Rätseln, ob es sich bei den willigen Helfershelfern hierzulande um eigensüchtige Herostraten oder um "altruistische" Schreibtischagenten handelt, dürfte auch hier ein müßiges Unterfangen sein. So hat es -- um nur eines von hunderten makabrer Beispiele, und das aus jüngster Zeit, zu nennen -- vor wenigen Jahren erst der bundesdeutsche Historiker (und „Neu-Slawophile") Percy Ernst Schramm in einer seiner Schriften fertiggebracht, den großartigen Lehrer und Berater Kaiser Ottos III. (983-1002), den fränkischen Erzbischof Gerbert von Reims (etwa 945---1003), in unzulässiger, aber umso arroganterer Manier zu „korrigieren". Gerbert, der den unberechtigten Ansprüchen des Kaisers von Byzanz (Ostrom) auf die römische Kaiserkrone seines jungen Herrn Otto mit aller Schärfe entgegentrat, tat dies u. a. mit folgender überlieferter, schriftlicher Formulierung: „Kräfte spendet das früchtereiche Italien, das männerreiche Gallien und Germanien, und nicht fehlen uns die tapferen Reiche der Skythen . . ." Textergänzend setzt Schramm in Klammern hinter Skythen: (d. h. Slawen)! So macht man das. Rudolf Pörtner schildert Gerbert (den späteren deutschgesinnten Papst Silvester II.) in einem seiner neuesten Werke „Das Römerreich der Deutschen" u. a. wie folgt: „Gerbert war der größte Gelehrte seiner Zeit, ... und ein seltsamer Fremdling auf der Bühne des ausgehenden 10. Jahrhunderts: ein geistreicher, zuchtvoller und rationaler Kopf, dem Plato und Cicero mehr bedeuteten als die Verheißungen der Bibel oder die eruptiven Schriften der Kirchenväter." Und während man im „Großen Brockhaus" (Ausg. 1956) nachlesen kann, Gerbert „war einer der größten Gelehrten seiner Zeit, seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturwissenschaft und Mathematik brachten ihm den Ruf des Zauberers ein", lastet Prof. Schramm 1000 Jahre später und posthum dem wissendsten Mann seiner Zeit an, statt „der Slawen" der dort bestehenden Skythenreiche Erwähnung getan zu haben. Dies ist nur ein, dafür aber besonders typischer Fall, mit welcher Impertinenz deutsche „Historiker" die überlieferte -- und auch bewiesene - Geschichte zugunsten fremder Interessen umzumodeln, d. h. zu verfälschen wagen. Bischof und Kanzler Gerbert, „der größte Gelehrte seiner Zeit", aber wußte natürlich genau, was er sagte und schrieb: die von ihm zitierten Skythenvölker bewohnten damals ganz Süd- und Mittelrußland, „Slawen" aber existierten „noch" lange nicht. Sonst hätte der korrekte Wissenschaftler d i e s e genannt. Wer aber waren nun "die Slawen", ein Volk, dessen "Hauptstamm" noch nicht einmal mit eigenem Namen aufwarten konnte, oder eine zielgerichtete kirchenpolitische Manipulation? Woher kamen "die Polen", waren sie als "slawischer" Volksstamm plötzlich aus der Versenkung aufgetaucht oder stellen auch sie das Produkt einer wohlberechneten - klerikalen - Kunstschöpfung (des 13. Jahrhunderts) dar? Und wer eigentlich bewohnte das böhmisch-mährische Becken, waren und sind es Germanen bis auf den heutigen Tag oder etwa "Tschechen", denen man nach jahrhundertelanger Vor- und jahrzehntelanger Präzisionsarbeit diese konstruierte Bezeichnung als geistig-politische Trennmauer zum Deutschtum aufgezwungen hat? Waren "die Wenden" der Mark Brandenburg sowie anderer mittel- und norddeutscher Gebiete einst etwa "Slawen" gewesen oder nicht vielmehr heidnisch gebliebene, erst später zwangschristianisierte Germanen? Was spielten die Bulgaren für eine Rolle, auf welche Weise traten Serben und Kroaten ins Licht der Geschichte? Als Hebel für die Zangengeburt der „slawischen Nationen" fungierte das Phänomen der sogenannten "Glagolica", der glagolitischen Kunst- und Geheimsprache. Dieses mit peinlicher Akribie ausgeklügelten Gebildes bedienten sich dazu bestimmte und berufene Kleriker des Mittelalters im höheren Auftrag der Romkirche: die überwiegend germanisch-blütigen Menschenmassen des Ostraumes sollten mit anderen Zungen reden lernen, ihre Brudervölker in Mitteleuropa nicht mehr verstehen können, ihnen sich somit bis zur Eifersucht, Rivalität und offenen Feindschaft entfremden! Auf diese Weise glaubte man, das Reich der Deutschen nun auch von Osten her in sicheren Griff zu bekommen. Wann und wie kam es zur Aufpfropfung dieser Glagolica, eines wahrhaft satanischen "Kontra-Esperanto"? Und eine Kardinalfrage: Bildeten die deutschen Ostgebiete einschließlich Danzig, Westpreußen, Posen/Wartheland und weitere Landstriche östlich und südlich davon - dazu die nördliche Balkanregion - in ihrer Frühzeit derartige Vakuen, daß sich "die Slawen" vom sogenannten "Karpatenhorst", ihrem "Urwohnsitz" (wie einige "Wissenschaftler" allen Ernstes behaupten), in die „menschenleeren Wüsteneien" - sich lawinenartig vermehrend - ergießen konnten, dabei auch gleich fein säuberlich in "Ost-, Nord-, West- und Südslawen" zerlegt? Oder waren Ost- und Balkanraum nach wie vor von germanischen, keltischen, illyrischen und anderen verwandten Stämmen dichtbesiedelt geblieben, wobei es dann im Zuge der „großen slawischen Landnahme" unweigerlich zu Vernichtungskriegen ungeahnten Ausmaßes hätte kommen müssen, aus denen "die Slawen" als Sieger hervorgingen - worüber aber weder Archäologie noch Historie etwas zu berichten wissen? Woher kommt es, daß es in der Tat gar keinen „slawischen Typ" gibt und geben kann? In der vorliegenden brillant abgefaßten Dokumentation beantwortet der Verfasser nicht nur diese und zahlreiche andere entscheidenden Fragen, sondern erklärt auch, wer eigentlich „wir Deutschen" sind, wie das Deutschtum in Europas Mitte entstehen konnte, welche grundlegenden Gemeinsamkeiten infolge kontinentaler Mischungsstrukturen zwischen allen Völkern Europas, besonders in dessen Osten und Südosten, es zum Kern einer großen Schicksalsgemeinschaft werden ließen. Die prägnanten Aussagen dieses Buches tragen ganz wesentlich zur endgültigen Aufhellung und Richtigstellung der Völkergeschichte Europas bei, indem sie unter Verwendung unwiderlegbaren Quellenmaterials, durch Anhäufung historisch exakt bewiesener Fakten und wichtiger Zitate, schließlich aber mit der Argumentationskraft des unbestechlichen (und unbestochenen) Forschers, des unbeeinflußten (und unbeeinflußbaren) Historikers die Schleier der Unwahrhaftigkeit, Fälschung und Geschichtsklitterung, die über lange Jahrhunderte von „interessierten" Hintergrundkreisen und ihren Vollzugsorganen in Politik, verweltlichter Kirche, bestellter Geschichtsschreibung und „Forschung" über die Völker des Großraums Europa gesenkt wurden, zerreißen. Der trügerische Verputz gelenkter "orthodoxer Historienmalerei" wird entfernt und damit das wahre Bild des europäischen Geschichtsgebäudes freigelegt. Mit einer kalkulierten Legendenbildung und -pflege wird hier endlich Schluß gemacht. Das unter Anlegung eines souveränen geistigen Maßstabes geschriebene Geschichtswerk mit seiner das Gesichtsfeld des Interessierten weitenden Schau möge nun dazu beitragen, nicht nur im deutschen Volks- und Lebensraum anhand unumstößlicher Tatsachen die durcheinander geratenen und festgefahrenen Fronten zu klären, sondern auch den Weg freizukämpfen für die Auffindung und Nutzbarmachung historisch geprägter Artverwandtschaft der um die Wahrheit ihrer Vergangenheit betrogenen Menschen dieses Erdteils. Nicht zuletzt aber zum Wohle der über zahlreiche Generationen hinweg falschinformierten Völker Europas, vornehmlich derjenigen des großen germanisch-indoarischen Ostraumes. Vor den unausbleiblichen Folgen der Fortdauer einer tragischen Fehlentwicklung der Geschichte, der zu durchsichtigen Zwecken - mittels infamer Manipulierungen - künstlich erst „Probleme" oktroyiert wurden, eindringlich zu warnen, darf als Hauptaufgabe dieser bedeutenden Schrift . Guntram F. Döllnitz - SLAWENLEGENDE - Die Deutschen Opfer einer irrigen Geschichtsbetrachtung von Lothar Greil Einleitung (Seite 7-11) Im Oktober 1917 eröffnete eine entschlossene politische Minderheit von nicht mehr als 23 600 Mitgliedern der bolschewistischen Fraktion - Partei der Bolschewiki („Maximalisten") gegen die Massenmehrheit von 160 Millionen Menschen des russischen Imperiums die blutigste Revolution der Geschichte. Unter ihren Führern Lenin (recte Uljanow), Trotzki (recte Bronstein), Dserschinskij, Litwinow (recte Finkelstein), Lunatscharskij, Kamenew (recte Rosenfeld) und Sinowjew (recte Apfelbaum) erzwang sie in einem grausamen Bürgerkrieg und nach Liquidierung von 18 Millionen „Klassenfeinden" die Diktatur über die gewaltsam proletarisierten Massen der brutal entmündigten Völker des Ostens. Kaum im Sattel, griffen die sowjetischen Taktiker auf panslawistische Parolen zurück, um ihrer im Zeichen der „Weltrevolütion" betriebenen Expansion nach Westen Inhalt und Stoßkraft zu verleihen. Heute steht die Sowjetmacht als Trägerin einer „slawischen Revision" 50 Kilometer vor Hamburg, an der Elbe, in Thüringen, Böhmen, vor den Toren Wiens und - jenseits 150 Kilometer vor den Dardanellen. Ihre Erfüllungsgehilfen im Westen sind eifrig bemüht, die Anerkennung der erreichten ,.slawischen Grenzen" durchzusetzen und den bolschewistischpanslawistischen Aggressoren die restliche Erfüllung der einst von den Mongolen-Chanen der Goldenen Horde genährten und seit 300 Jahren von allen moskowitischen Nachfolgern der Beherrscher des „russischen Uluss" konsequent gehegten Wunschträume zu versprechen. Den Verfechtern der kommunistisch-panslawistischen okkupationspolitik und ihren Kollaborateuren dienen vor allem die groben Irrtümer der bisherigen Geschichtsschreibung als dogmatisch bestimmende Argumentations- und Propagandagrundlage. Um die geforderte Anerkennung der Oder-Neiße-Demarkationslinie als künftige deutsch-polnische „Friedensgrenze" durchsetzen zu können und die „Rechtmäßigkeit" des Raubes deutscher Volksgebiete - darunter auch das Hultschiner Ländchen, das Sudeten- und Egerland, der Böhmerwald, DeutschMähren, die Nordteile Ober- und Niederösterreichs, die Untersteiermark und Unterkärnten - in ihrer Glaubhaftmachung theoretisch zu untermauern, betreiben tschechische, polnische und deutsche (!) Wissenschaftler - hochbesoldet und von den Machtträgern des Ostblocks großzügig unterstützt - eine unermüdliche „Forschungsarbeit", deren Ergebnisse sich in der Literatur ihrer jeweils zuständigen „Akademie der Wissenschaften" niederschlagen, außerhalb des sowjetischen Kolonialreiches unkritisch und zum Teil wohlwollend aufgenommen werden und grob vereinfachend in „Aufklärungsschriften" aller Art zusammengefaßt die an Zahl ständig zunehmende, in allen Bereichen des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens unheilvoll dominierende Schicht der Halbgebildeten Westeuropas und der USA beeinflussen. Wie in Polen dem intellektuellen Nachwuchs weisgemacht wird, die Westgrenze der Slawen sei eigentlich die Elbe und das Verwaltungsgebiet der sogenannten DDR umfasse in Wahrheit „slawisches Volkstum", das einstmals einer gewaltsamen Germanisierung zum Opfer gefallen sei, so impft man dem tschechischen Schulkind schon seit geraumer Zeit ein, der Rückgewinnung „altslawischen Bodens" in Schlesien, Böhmen und Mähren müsse eines Tages auch jene der „angestammten Gebiete" im Süden bis zur Donau zwischen Passau und der Slowakei folgen. Solcherart bauen die tschechischen Kommunisten vorsorglich eine Bewußtheit auf, die im Zuge erhoffter Entwicklungsvorgänge einer angestrebten Okkupation des oberösterreichischen Mühlviertels und des niederösterreichischen Wald- und Weinviertels den nötigen „nationalen" Rückhalt sichern soll. Die Erfolge der seit über 100 Jahren zäh durchgesetzten slawophilen Propaganda haben immerhin gezeigt, wie verhältnismäßig rasch sich derartige Ansprüche verwirklichen lassen; zumal sich ja die Mehrheit der Deutschen in Volkstumsfragen bisher nicht nur instinktlos und passiv verhielt, sondern in entscheidenden Augenblicken auch jeden ernstzunehmenden Selbstbehauptungs- und Widerstandswillen vermissen ließ. Die seit Jahrzehnten fest verankerte und für Deutschland politisch folgenschwer gewordene Begriffsbestimmung „Slawen" als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl unterschiedlichster Volksgruppen im ost- und südosteuropäischen Raum war noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollkommen unbekannt. Erst vor rund 150 Jahren unternahmen es czechisch-hussitische Agitatoren, in Anlehnung an das im frühen Mittelalter für alle „Heiden" ostwärts der Linie Elbe-Saale-Moldau-Enns-Mur-Dalmatinische Küste gebrauchte Vokabel „Sclavi" eine „Verwandtschaft" und damit „völkische Gemeinsamkeit" aller „Slawen" abzuleiten und den „historischen" Gegensatz zwischen ihnen und den Germanen zu propagieren. Das Experiment glückte mit Hilfe Petersburgs, weil die „Slawen"-Theorie geeignet schien, den russischen Expansionsbestrebungen die hochwillkommenen Züge einer „Befreiungspolitik" zu verleihen. Anfangs religiös getarnt, stellten sich die sogenannten „Slawophilen" Rußlands in den Dienst der tschechischen Geschichtsfälschung. Später - besonders nach dem Panslawisten-Kongreß zu Moskau im Jahre 1867 - gewährten die Zaren den Trägern des „panslawistischen" Kampfes gegen die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie im Interesse der russischen Balkanpolitik offene Unterstützung. Dieser Vorgang wäre an sich nicht besonders bemerkenswert, da ja das Mittel der Geschichtsfälschung zu allen Zeiten für die Verschleierung oder Begründung machtpolitischer Absichten in Anspruch genommen wurde. Viel erstaunlicher hingegen ist die Tatsache, daß deutsche Wissenschaftler, Geschichtsschreiber, Literaten und Verleger unbekümmert, gedankenlos oder aus opportunistischen Gründen die historisch widersinnige Wortfindung „Slawen" übernahmen und sie schließlich zum verbindlichen Faktum erhoben. An allen Universitäten unwidersprochen gelehrt, in allen Schulen der Jugend eingehämmert, fand die Slawen-Theorie natürlich auch in allen Geschichtsbüchern, Atlanten und Nachschlagewerken ihren - nicht mehr bezweifelten - Niederschlag. Welches Unheil damit angerichtet wurde, ist zu ermessen, wenn man bedenkt, daß alle Generationen, die seit dem Ausklingen des 19. Jahrhunderts heranwuchsen, schon als Kinder eine Schau eingepflanzt bekamen, die - beinahe wie ein Dogma hingenommen - zu abwegigen Beurteilungen und Fehleinschätzungen führen mußte. Die steril-defensive Propagandapolitik der Deutschen zwischen den beiden großen Kriegen und die erst unsinnige, später unsicher-zwiespältige Behandlung von Volkstumsfragen im Osten mit ihren verheerenden Auswirkungen sind der beste Beweis für die unerhörte Gefährlichkeit allgemein geglaubter Irrtümer; insbesondere dann, wenn sie einmal von der Schulwissenschaft in die Lehrmeinung aufgenommen wurden. Diese unverständliche nationale Fehlleistung forderte schließlich auch während des ersten Weltkrieges und danach die maßlosen Gebietsansprüche der Polen und Tschechen geradezu heraus und offenbarte der Welt - weil nicht revidiert - eine indirekte deutsche Anerkennung „historisch" begründeter „slawischer" Annexionen im ostdeutschen Raum. Denn, wer im Rückblick auf das Mittelalter den damals rein germanisch besiedelten Volksraum Ostelbiens bis zur Weichsel, wer Böhmen, Mähren, das heutige Niederösterreich und die Gebiete Karantaniens (Kärnten, Krain und Südsteiermark) sowie Pannoniens (Ungarn) als Volksitze „slawischer" Stämme bezeichnet, wird schwerlich dem Argument begegnen können, die Deutschen hätten in ihrem expansiven „Drang nach dem Osten" als Kolonisatoren „alteingewanderte slawische" Völkerschaften entweder unterjocht, ausgerottet oder nach Osten zurückgedrängt. Bekanntlich begründen die Panslawisten und ihre modernen sowjetischen Bannerträger die erfolgte Westexpansion Rußlands und seiner „slawischen" Satelliten mit der Behauptung, eine notwendige und geschichtlich gerechtfertigte Revision herbeigeführi zu haben. Demnach wären auch die Deutschenaustreibungen allein im Lichte einer folgerichtigen und ausgleichenden Entwicklung zu sehen. Das ist eine Lesart, der endlich energisch und konsequent entgegengetreten werden muß; Vorbedingung hierfür ist allerdings eine furchtlos vertretene Richtigstellung irreführender Geschichtsschablonen. Dazu bedarf es natürlich einer Wissensgrundlage, die im schulischen Bereich heute ungeachtet aller Erkenntnisse der modernen Forschung weniger denn je vermittelt und damit den meisten Menschen unseres Lebenskreises vorenthalten wird. Die vielfältigen Irrtümer, Legenden, Farbtöne politisch-propagandistisch bestimmter Aufzeichnungen, Verschleierungen, Ungenauigkeiten der Chronisten, Auslegungen, Begriffsverschiebungen, Tatbestände bewußten Verschweigens und eine wechselnde Anpassung des Geschichtsbildes an die religiöse oder politische Gewandung, Rechtfertigung oder Weltanschauung der jeweiligen Machtträger haben uns im Wandel der Zeit spätrömische und byzantinische Geschichtsschreiber, Christianisierung, dynastische und kirchenpolitische Betrachtungsweisen, Reformation und Gegenreformation, Romantik, Liberalismus, Machtund Kriegspropaganda und nicht zuletzt die Väter und Jünger der marxistisch-bolschewistischen Weltanschauung beschert. Aus dem jahrhundertelang angerichteten Verwirrungszustand vermochten in unserem „aufgeklärten" und „fortschrittlichen" Säkulum allein die sowjetischen Ideologen eine folgerichtige Nutzanwendung zu ziehen. Alle übrige Welt fand sich nicht mehr zurecht und verfing sich heillos im Gestrüpp aus Halbwissen, Fehldeutung und Betrug. Das erklärt auch die allgemeine Hilflosigkeit engagierter Gegner des Marxismus gegenüber den teils falschen, teils rabulistisch vorgebrachten Argumenten der Ostblock-Agitatoren. Nachdem es geschehen konnte, daß im angeblich „freien" Westteil Deutschlands dem grassierenden Landesverrat mit den Freibriefen der „Liberalisierung" Tür und Tor geöffnet und der Verzicht auf unveräußerliches Eigentum des Gesamtvolkes zum primären außenpolitischen Anliegen einer „Regierung" wurde, ist es endlich an der Zeit, die Ursachen allen Übels an ihrer Wurzel freizulegen und die Schleier des ungeheuren Betrugs, der das schöpferische Europäertum dem Untergang zutreibt, rechtzeitig zu lüften. Der Ballast überholter Fehlvorstellungen muß endlich abgeworfen werden. Ohne die klare Korrektur irreführender Geschichtslehren ist weder eine erfolgreiche Zurückweisung kommunistisch inspirierter „slawischer" Gebietsansprüche, noch die Besinnung der artverwandten europäischen Völker auf ihre Gemeinsamkeiten möglich. Von der ungetrübten Sicht und der Wiedererweckung eines gemeinsamen Bewußtseins aber wird die Befähigung dazu abhängen, die drohende und mit allen Minderwertigen der politischen Unterwelt verbündete Zerstörungsmacht des bolschewistischen Moskowitertums kraftvoll abzuwehren und den unterjochten Volksteilen im Osten die Freiheit zu erkämpfen. OSTGERMANIEN Ursprung - Volkstum - Begriffe (seite 12 - 26) Entgegen noch immer vertretener schulischer Auffassung liegen die wesentlichen Entwicklungsmerkmale der mittel- und ost*europäischen Völkergeschichte für den vergangenen Zeitraum von 3000 Jahren - von der vergleichenden Wissenschaft in ihrer Vielschichtigkeit erhärtet - wie ein offenes Buch vor uns. Nach Verschmelzung der atlantischen Kulturkreise der Megalithiker (Großsteingräberleute), Streitaxtleute (Schnurkeramiker) und norddanubischer Bandkeramiker bildete sich zwischen 2500 und 2000 v. d. Ztw. vorwiegend in den küstennahen Räumen der Ost*und Nordsee ein Gesamtvolk mit gemeinsamen Kultvorstellungen, Sitten und Sprachformen aus, das wir vereinfachend - ebenso wie die schon vorher bis nach Kleinasien und in den heutigen Iran vorgedrungenen Hethiter, Kassiten und Hurriter, die nach Thessalien, Boiotien und Arkadien gewanderten mykenischen Griechen und andere den russischen Raum bevölkernde Stämme - als indogermanisch bezeichnen. Zwar erreichte noch in der Jüngeren Steinzeit ein aus den Weiten des Ostens kommender Vorstoß finno-ugrischer Teilstämme die Randzonen der indogermanischen Wiege, wurde aber aufgesogen und vermählte das Fremdvolk mit nordischen und donauländischen Schlägen. Schnell wachsender Volkreichtum~ führte die Indogermanen zu stetiger Ausbreitung und ausgedehnten Landnahmezüyen die Wasserstraßen entlang, insbesondere nach dem Süden und Südosten Europas bis nach Nordafrika, in den Vorderen Orient und nach Mittelasien; später - im 13. Jahrhundert v. d. Ztw. - erzwangen schwere und weltweite Naturkatastrophen eine organisierte Großwanderung, deren gezielte Bewegungen folgenden Verlauf nahmen: den Seeweg an der Westküste Europas entlang ins Mittelmeergebiet und Besetzung des damals noch fruchtbaren Libyen; auf dem Landweg durch Mitteldeutschland und Böhmen bis an die Donau, von dort durch das Inntal über den Brenner nach Italien und Sizilien; donauabwärts, durch das Tal der Morava und des Vadar nach Griechenland, Besetzung der Ägäischen Inseln und Zyperns, weiter durch Kleinasien, Syrien und Palästina bis an die ägyptische Grenze. Alle diese Wellen erzeugten Abspaltungen, die sich dann eigenständig weiterent*wickelten. So entstanden jene indogermanischen Völker, deren Namen uns immer wieder begegnen: in Europa die Ligurer, Illyrer, Dorer, Thraker, Phryger, Geten, Kelten, Römer, Germanen usw. oder die indo-iranischen Eroberer des Alten Orients wie etwa die Uratäer, Kimmerier, Massageten, Baktrier, Meder, Perser, Inder und Parther, denen auch Sarmaten und Skythen zugezählt werden. Allein unter den im norddeutschen Raum zwischen Ems und Oder, in Schleswig-Holstein, Jütland, auf den dänischen Inseln und in Südskandinavien zurückgebliebenen und sich gegenseitig befruchtenden Teilen des indogermanischen Urvolks haben wir - der römischen Begriffsbestimmung folgend - die Germanen zu verstehen, deren Sprache um die Mitte des 1. Jahrtausends v. d. Ztw. zum Gemeingermanischen wurde. Zunehmende Volksvermehrung bewegte auch sie zur Ausbreitung und damit verbundenen Landnahme. Inzwischen hatte die von den Großvölkern der Illyrer und Thraker getragene sogenannte „Lausitzer Kultur" in weiten Teilen Mitteleuropas ihre Hochblüte erreicht. Auf sie trafen im 6. Jahrhundert v. d. Ztw. die vordringenden germanischen Bastarnen und Skiren in Schlesien, nachdem es den dort siedelnden und von einem Burgengürtel geschützten Illyrern gelungen war, einen harten Ansturm skythischer Reiterscharen abzuweisen. Eine erste frühgermanisch-illyrische Mischkultur entstand. Nach einer germanischen Streubesiedlung - zwischen 1000 und 400 vor unserer Zeitrechnung wurden weite Gebiete der Kelten und Illyrer auf meist friedlichem Wege besetzt und die artverwandten Volksgruppen assimiliert - sind ab dem 8. Jahrhundert v. d. Ztw. auch ostwärts der Weichsel die Bastarnen als erster größerer Volksverband nachweisbar. Ein Teil von ihnen brach dann um 300 v. d. Ztw. von den Wohnsitzen an der oberen Weichsel auf und siedelte nördlich der Donaumündung, während die Goten in den Weichselraum einrückten und zusammen mit Gepiden und Bastarnen den Handel bis in den Orient hinein aufblühen ließen. Durch die Ost-Südostwanderung wandalischer und burgundischer Teilstämme erfuhr der Siedlungsraum zwischen Oder und Weichsel im 2. Jahrhundert v. d. Ztw. eine weitere Ausdehnung. Einhundert Jahre später nahmen Wandalen das Wartheland, Galizien und das mittlerweile von einer dünnen keltischen Oberschicht beherrschte Schlesien in Besitz. Der wandalische Stamm der Silingen gab Schlesien seinen Namen. Nach Nordosten reichte zu dieser Zeit der wandalische Siedelbesitz bis in den Süden Litauens. Um 350 v. d. Ztw. hatte ein mit den indogermanischen Sakarauken, Massageten und Choresmiern verwandter iranischer Volksverband, der in die Sammelbezeichnung Sauromaten oder Sarmaten einzuordnen ist, die Skythen (= griechische Sammelbezeichnung für die viehzüchtenden iranischen Reitervölker in den Steppengebieten ostwärts des Kaspischen Meeres, nördlich des Kaukasus und des Schwarzen Meeres bis nach Westen an die Donau heran) teilweise nach Norden gedrängt und das linke Donauufer bis in das heutige Ostungarn besetzt. Während sich die sarmatischen Roxolanen mit den Geten im südrumänischen Donaugebiet verbanden, behaupteten die ebenfalls sarmatischen Jazygen ihren neuen Volksraum zwischen Donau und Theiß gegen die Illyrer und später gegen die römische Macht. Andere Sarmatenstämme gingen Bündnisse mit den Skythen ein und wandten sich nach Norden. Sie bildeten jene skytho-sarmatischen Volksteile, die in der römischen Kaiserzeit den Sammelnamen Venethi erhielten und deren neugewonnenes Siedlungsund Weidegebiet zwischen Weichsel und Wolga als Sarmatien bekannt wurde. Wie nahe verwandt das Volkstum der „Venethi" dem germanischen war, bezeugt Tacitus mit der Feststellung, daß er die „Venet(h)i lieber zu den Germanen zähle". Schließlich sammelten sich um 50 v. d. Ztw. am Oberlauf des Dnjepr stärkere Sippengruppen der Skytho-Sarmaten zu einem aktionsfähigen Sonderverband, während eine andere, mit illyrischen, thrakischen und bastarnischen Elementen vermischte Sarmatengruppe am Bug zu siedeln begann. Auch im Südwesten verbanden sich bald darauf skytho-sarmatische Stämme mit germanischen Carpern, versicherten sich der Tributpflichtigkeit der keltischen Cotiner sowie der illyrischen Osern und ließen sich endlich als Nachbarn der Jazygen an der oberen Theiß nieder. Sie und die Jazygen zählten nach der Zeitenwende zu den wichtigsten und treuesten Verbündeten der Markomannen und Ouaden in den Kriegen gegen die Römer. Mit Ausnahme der unter gotischem Herrschaftseinfluß stehenden finno-ugrischen Restvolksgruppen der Fenni (Finnen) an der Düna und der Aestü (Esten) an der Memel wies der Großgermanische Raum im Osten um das Jahr 14 n. d. Ztw. bis zur allgemeinen Nord-Süd-Linie Peipus-See - Pripet - Pruth (NO Karpaten) und im Süden bis zur Donau zwischen Regensburg und Budapest sowie in Ausdehnungsausläufern im Raum des Theiß-Ursprungs und beiderseits des Dnjestr kein fremdes Volkstum auf. Der übrige Ostraum bis zum Ural wurde von verwandten indogermanischen Stämmen behauptet, die vorwiegend Herden*haltung betrieben und daher in den Weiten Rußlands die ihnen günstigsten Lebensbedingungen gefunden hatten. Im 2. Jahrhundert wurden wandalische Jungmannschaften dazu bestimmt, in Pannonien an den Kämpfen gegen die Römer teilzunehmen. Der zurückgebliebene Großteil der Wandalen aber gründete unter der Führung der Goten ein neues Großreich zwischen Oder und Wolga, das von Goten und Gepiden mählich ausgedehnt, im Jahr 375 vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee und vom Dnjestr bis zum Ural reichte. Nördlich des Kaukasus zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer siedelten bereits die Alanen als anerkannte Herren skytischer Stämme im gleichen Raum, desgleichen Heruler im Küstengebiet des Asowschen Meeres. Zwischen Oder und Weichsel, Wandalen und Goten unmittelbar benachbart, hatten die Burgunder ihre Wohnsitze. Großteile von ihnen wichen aber nach Kämpfen mit Gepiden aus ihrer Heimat an Warthe und Netze, durchzogen in Etappen Brandenburg und die Lausitz und schieden, da sie bei den germanischen Bruderstämmen überall nur als Gäste geduldet wurden, auf ihrem Zug nach dem Westen im 4. Jahrhundert aus dem damaligen großgermanischen Raum aus. Ostwärts des Elbe-Ufers zog sich - einschließlich des Havellandes - von Norden her über die Lausitz mit Vorsprüngen bis zum Riesengebirge wie ein breiter Wall das Siedlungsgebiet starker suebischer Völkerschaften. Die Gemeinschaft der Alemannen hatte sich zwischenzeitlich bis an Rhein und Donauoberlauf vorgeschoben und der ebenfalls suebische Bund der Markomannen und Quaden den damals wie heute bedeutsamen böhmisch-mährischen Raum gesichert. Skandinavische Expeditionen führten unterdessen zur Gründung von Stützpunkten an der Wolga und gaben den landeinwärts vordringenden normannischen Warägern (Wäringer) - von den Finnen „Rus" (--„Ruderer") genannt - Rückhalt für die Befestigung ihrer Herrschaftsgebiete am Ladogasee. Während alles dies seinen Verlauf nahm, näherte sich das Hunnen-Unheil der germanischen Welt im Südosten. Der erste Mongolensturm überrannte schließlich die Alanen zwischen Wolga und Kuban ebenso wie die Reiteraufgebote der am Asowschen Meer siedelnden Heruler und des Pontischen Reiches der Goten. Während sich Alanen, Heruler und Ostgoten (Ostrogothi) als Vasallen des mongolischen Heerkönigs Rugaa behaupten konnten, zogen es die Westgoten (Visigothi) nach einer verlustreichen Schlacht am Dnjestr vor, teils nach Siebenbürgen, teils nach Mösien auszuweichen. Den Gepiden und Jazygen an der Theiß wiederum blieb nichts anderes übrig, als sich ebenfalls in das hunnische Vasallenreich eingliedern zu lassen. Im folgenden schicksalhaften Abwehrkampf des weströmischen Reiches gegen die Hunnen verströmte auf beiden Seiten wertvolle germanische Kraft. Die Hauptlast und damit den höchsten Blutzoll trugen in der Entscheidungsschlacht auf den sogenannten Katalaunischen Feldern (451) als Kern des hunnischen Heeres die Ostgoten, Gepiden, Heruler, Rugier, Skiren, Alanen, Burgunder, Thüringer und Franken, auf der Gegenseite unter der Führung des weströmischen Heermeisters Aetius und seines westgotischen Verbündeten, Theoderich L, die Westgoten, Alemannen, Sachsen, Fran*ken, Wandalen und germanischen Legionen Roms. Erst Attilas Tod (453) löste die Erhebung der germanischen Gefolgschaften gegen die Hunnenherrschaft aus. Am Fluß Nedao besiegte der Gepidenkönig Hardarik das letzte Heer des asiatischen Steppenvolkes. Versprengt und aufgesplittert traten die Reste der Hunnen als Soldtruppen in byzantinische Dienste oder verloren sich wieder nach Osten. Wenn uns eine höchst oberflächliche Geschichtsbetrachtung lehrt, das Erscheinen der Hunnen habe die organische Entwicklung in Osteuropa nachhaltig unterbrochen, die germanischen Stämme in Bewegung gebracht und damit eine allgemeine „Völkerwanderung" ausgelöst, so entspricht diese Sicht keineswegs den tatsächlichen Vorgängen. Vom Einfall der asiatischen Reiter wurden - wie bereits erwähnt - ausschließlich Alanen, Heruler, Ost- und Westgoten, Gepiden und weit im Westen die Burgunder am Rhein direkt betroffen; das heißt aber nicht, daß sie deshalb - mit Ausnahme der Westgoten - ihre Wohnsitze verlassen oder ihre Lebensweise geändert hätten. Zur Heerfolge verpflichtet, stellten sie dem hunnischen Großkönig lediglich beachtliche Kriegerkontingente für die verschiedenen Feldzüge zur Verfügung. Ihre schier unerschöpfliche Volkskraft litt dadurch ebensowenig wie jene der mittel- und westgermanischen Großstämme, die nicht nur unentwegt überschüssiges Jungvolk an das römische Reich abgegeben, sondern auch selbst immer wieder ausgedehnte Kriegs- und Beutezüge unternommen hatten. Herrschaftsverschiebungen, stammesmäßige Überlagerungen und Expeditionen führten im weiten ostgermanischen Raum nicht einmal übergangsweise zu Verdünnungen, geschweige denn zu vorübergehender Entvölkerung. Die Behauptung von der Entstehung „leerer" Räume als Folge des „Abzugs ganzer Völkerschaften" gehört dem Bereich der Legende an. So sind die germanischen Treck- und Heeresbewegungen im frühen Mittelalter - sofern es sich nicht um begrenzte Aktionen oder Ausfälle handelte - ebenso wie die vorübergehenden oder bedingt dauerhaften Reichsgründungen der Westgoten in Illyrien und Spanien, der Gepiden ostwärts und der Heruler westlich der Theiß, der Goten in Pannonien, der Rugier in Niederösterreich, Steiermark und Slowakei, der Markomannen, Quaden und Naristen im böhmisch-mährischen Raum mit Ausdehnung auf das später bayerische Stammesgebiet, der Langobarden an der Unterelbe, in Pannonien und Oberitalien, der Ostgoten in Italien mit Einschluß der Südküste Frankreichs und der Provinzen Raetien, Noricum und Pannonien bis an die Donau sowie Dalmatiens, der Sweben und Alanen in Spanien und der Wandalen in Spanien und Nordafrika nicht etwa das Ergebnis gewaltiger Völkerverschiebungen, sondern allein expansive Wirkmerkmale des Ausscheidens besitzloser oder unternehmungsfreudiger Jungmannschaften samt Kind und Kegel aus dem Verband ihrer gleichnamigen Hauptstämme. Stets dann, wenn junge Bauernkrieger wieder zum Aufbruch rüsteten und sich ihren Führer für eine Landnahmefahrt erkoren, blieb der Kern der besitzenden Führer- und Bauernschaft im jeweiligen alten oder neu hinzugewonnenen Siedlungsgebiet zurück. Deshalb finden wir zum Beispiel noch in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts volkreiche und blühende germanische Stammlande unter der Herrschaft der Goten im baltischen Raum und zwischen Weichsel und Memel, der Wandalen, Rugier und Heruler zwischen Elbe und Oder, der Goten am Schwarzen Meer, der Gepiden ostwärts der Theiß, der Langobarden in Pannonien und der Markomannen und Quaden im böhmisch-mährischen Raum. Das Verhältnis zu den Skytho-Sarmaten, die zwischen Bug und Dnjepr unter gotischem Einfluß nach wie vor das Leben berittener Viehzüchter und Jäger führten, war unverändert geblieben. Ungleich verheerender als der Hunnenvorstoß wirkte sich dann der awarische Einbruch in den germanischen Donau-Raum aus. Da er gleichzeitig eine erste Phase der nachhaltigen Störung volkticher Kontinuität in Osteuropa augenfällig markierte, ist es notwendig, der Ursache Aufmerksamkeit zu schenken und den Zusammenhang herzustellen. Nach Vereinigung türkischer Stämme mit den ihnen verwandten Uiguren hatte der altaische Stammesfürst Tumyn um 552 eine umspannende Nomadenherrschaft in Zentralasien errichtet und damit den Anstoß zur türkischen Expansion nach Westen gegeben. Finnische Stammesverbände wichen dem Druck, verließen ihre Wohngebiete am Irtysch und trieben am Aralsee vorbei dem Einfallstor nach Europa nördlich des Kaspischen Meeres entgegen. Ihnen folgten Mongolen, teils mit den Türken verbündet, teils ihnen ausweichend. Auf diese Weise gelangten die finno-ugrischen Bulgaren, iranische Stämme mit sich reißend, an das Schwarze Meer. Sie wurden jedoch bald von dem turk-tatarischen Reitervolk der Warchuni, die sich zur Erhöhung ihres Kriegsrufes den Namen der kämpferischen Awaren Innerasiens zugelegt hatten, überholt, um alsbald in den Herrschaftsbereich der nachrückenden mongolischen Chazaren zu geraten. An der unteren Wolga aber sammelten sich bereits die Petschenegen und am Ostufer der Kaspi-See die Kumanen. Was im Erscheinungsbild der Bulgaren noch heute an die Mongolen erinnert, ist nicht geringfügig auf die Blutseinflüsse jener Zeit zurückzuführen. Im Gegensatz zu den Hunnen, die den tributpflichtigen Vasallen Wohnsitze und volkliche Freiheit belassen hatten, unterwarfen die Awaren blutig alles, was auf ihrem Wege lag, und erzwangen von den ausgeplünderten Überlebenden ausnahmslos erniedrigende Frondienste. Insbesondere die überrannten - einst kulturell hochstehenden und kriegsbewährten - Sarmaten wurden beinahe ausgerottet und ihr Rest fristete in kleinen Sippenverbänden als rechtloses Acker- und Troßknechttum ein äußerst kümmerliches Dasein. Nachdem die Awaren den D'jnestr überschritten und sich im heutigen Bessarabien ausgebreitet hatten, zerstörten sie im Bündnis mit den Langobarden im Jahr 567 das Gepidenreich an Theiß und Donau. Trotz aller Verträge mit den neuen asiatischen Nachbarn rüsteten die Langobarden schon wenig später zum Aufbruch, um 568 mit Masse - in ihrem Gefolge auch Gepiden und Jungmannschaften anderer germanischer Stämme - nach Oberitalien zu ziehen. Ein kleinerer Teil von ihnen drängte im Verein mit gotischen, wandalischen, herulischen und rugischen Scharen in den böhmisch-mährischen Raum und übernahm dort vorübergehend die Herrschaft über Markomannen und Quaden. Pannonien blieb den Awaren überlassen; von dieser Basis aus unternahmen sie in den folgenden zweihundert Jahren ihre Streif- und Raubzüq_e über die mittlere Donau hinweg nach Süden und nach Westen bis an die Enns und in das Herzstück Karantaniens. Nur mit Mühe vermochten die bayerischen Herzöge der awarischen Machtausweitung Grenzen zu setzen. Erst unter Karl d. Gr. gelang die völlige Vernichtung des räuberischen Reitervolkes. Fränkische, bayerische und langobardische Heere säuberten 795 nach Erstürmung der vorgelagerten awarischen Ringwälle an der Kamp in Niederösterreich und im Wienerwald die feindbesetzten Lagergebiete bis an die Raab, schlugen im Herbst des gleichen Jahres unter Herzog Erich von Friaul das Hauptheer der Awaren und zerstörten den Großring zwischen Theiß und Donau. Das verödete Donautal, die ausgemordeten Landstriche des Tullner- und Marchfeldes, des Leitha-Gebietes, die menschenleer gewordenen Flächen der ungarischen Tiefebene sowie die entvölkerten Täler und Becken Karantaniens im Bereich der Enns, der Mur und der Drau harrten der Neubesiedlung. Vorwiegend bayerische, aber auch alemannische, rugische und fränkische Krieger, Bauern und Handwerker - der König selbst versprach ihnen Privilegien und großzügige Unterstützung - folgten dem herzoglichen Ruf. Der alte Völkerdamm gegen die asiatische Einfallspforte südlich des Urals aber war zerbrochen. Mongolische Eindringlinge lagerten unangefochten im Zwischenfeld. Entlang der unteren und mittleren Donau waren lediglich die iranischen Stämme der Chorwatten und Zeriuani -- den Awaren vorauseilend - einer gnadenlosen Unterjochung entronnen. Sie gehörten einst jenen indo-germanischen Eroberern an. die im 6. Jahrhundert v. d. Ztw. über den Kaukasus hinweg ihre Landnahmezüge bis Afghanistan ausgedehnt hatten. Von einfallenden Türken zu Beginn des 7. Jahrhunderts n. d. Ztw. aufgescheucht, waren sie aufgebrochen, um den Rückweg in die uralte Heimat an der Donau anzutreten. Am Ende ihres abenteuerlichen und entbehrungsreichen Zuges fanden sie schließlich Zuflucht innerhalb der schützenden Grenzen des oströmischen Reiches zwischen dem Velebit-Plateau südlich von Fiume und der Save sowie im Bergland an der Drina. Aus der Mischung mit ansässigen germanischen und illyrisch bestimmten Bevölkerungsgruppen entwickelten sich dort die Einheiten der Kroaten (Krobatten) und Serben (Raizen) der vorosmanischen Zeit Das gleiche Jahrhundert sieht auch den Auf bruch der Bulgaren. Den Chazaren tribut- und heerfolgepflichtig geworden, verließen sie bei günstiger Gelegenheit die ihnen zugewiesenen Wohnplätze nördlich des Asowschen Meeres und entzogen sich damit der turk-mongolischen Herrschaft. Ein Teil von ihnen wich nach Norden aus und fand an der oberen Wolga - von verwändten finnischen Budinen aufgenommen - neue Heimstätten; einer anderen größeren Gruppe glückte unter der Führung des Goten Isperich - man hatte ihn nach mongolischem Vorbild zum „Chan" erhoben - ein an Kämpfen reicher Marsch an der Küste des Schwarzen Meeres entlang über die Donau in den Schutz des Balkan-Gebirges. Gestützt auf den Adel der germanischen Siedler in Mösien (Balkanvorland und Dobrudscha), die angesichts der Awarengefahr eine Verstärkung begrüßten, gründete Isperich 679 ein unabhängiges Bulgarenreich, das er nicht nur zu festigen, sondern auch nach Süden hin über das Gebirge gegen oströmischen Widerstand auszudehnen wußte. Ähnlich wie die Bulgaren versuchten sich skytische Teilstämme - sie hatten sich in der südrussischen Steppe selbst „Skolotten" genannt - erfolgreich in der Kunst des Überlebens. Ver*bündet mit skythischen Anten schlugen sich die an Strapazen gewöhnten Reiter bis an die Südkarpaten durch, überwanden das unwegsame Bergland und vereinigten sich in Siebenbürgen mit Goten und Gepiden. Später - „Sklovotten" oder im 10. Jahr*hundert auch „Sklovenin" genannt - entstand aus dieser Sammelgruppe das iranisch-germanische Mischvolkstum der Sklovenen, von denen die neuzeitlichen Slowenen allerdings nur den Namen herleiten. Der Schutz natürlicher Festungen gegen reitende Kriegsvölker bewahrte sowohl die Goten auf der Krim als auch die germanischen Fürstentümer im böhmisch-mährischen Raum vor verheerenden Einfällen. Da die Awaren kraft eines ursprünglichen Vertrages mit den Langobarden die Karpatenpässe gegen Mähren besetzt hielten und von dort zu Raubzügen ansetzten, organisierte der salische Franke Samo -- ein Beauftragter des frän*kischen Königs Dagobert I. -- eine einheitliche Abwehr; 624 schlug er die awarischen Angreifer und warf sie hinter die Ostabhänge der Kleinen und Weißen Karpaten zurück. Von den ständig bedrohten germanischen Siedlern Karantaniens als Schutzherr angerufen, zwang er schließlich mit Hilfe quadischer, rugischer, wandalischer, langobardischer und Alemannischer Aufqebote die Awaren, sich auf die Niederungen entlang der Flüsse Enns und Mur zu beschränken. Das Ende der Awaren eröffnete um die Wende zum 9. Jahrhundert eine längere Phase der Beruhigung und volklichen Neuordnung im qesamten Donauraum ostwärts von March (Morava), Raab und Mur. Bulgaren schoben sich wie ein Riegel vor das Ostufer der Theiß; die Chorwatten beuqten sich willig der fränkischen Oberhoheit; von der Save nordwärts bis an die Donau entstanden neue germanische Fürstentümer und verstärkten die reichsfränkischen Markqrafschaften Pannoniens; das fränkisch verwaltete Bavern umschloß das Gebiet bis zur Raab und qanz Karantanien (einschließlich der nachmaliqen Steiermark) bis in den Süden an die Grenzen des Herzoqtums Friaul: Quaden und Ruaier im niederösterreichischen Weinviertel, im Viertel unter dem Wiener Wald, im westlichen Pannonien, am Gran-Fluß südlich der West-Beskiden (heute West-Slowakei) und beiderseits der March erkannten 803 ebenfalls die fränkische Reichsqewalt an. Diese fruchtbare Entwicklung und eine sich nach wenigen Jahrzehnten abzeichnende Verklammerung wurden jedoch gegen Ende des 9. Jahrhunderts gewaltsam aufgehoben. Während noch mit Rückhalt an das im Norden von Hrureko (Rurik) und seinen Brüdern zwischen Peipus-See und oberer Wolga geqründete Burqenreich (Gardariki) die Herrschaftsausdehnunq der schwedisch-normannischen Vaerinqiar (Wäringer) unter Einbeziehunq sitzengebliebener Stammessubstanzen der Goten, Gepiden, Skiren, Bastarnen und Langobarden die NO-Karpaten erreichte und eine direkte Landverbindung mit dem Frankenreich herstellte, - während an der Ostsee auf Julin (Wollin) das glänzende wandalische Kultur- und Handelszentrum Jumneta, die reichen germanischen Städte Truso an der Weichselmündung, Lindkuhnen am Kurischen Haff und Seeburg (heute Grobin bei Libau in Lettland) sowie die Warägermetropolen Holmgard (später Naugard = Nowgorod), Aldajgjuborg (Alt-Ladoga) und Känugard (Kiew) ihre höchste Blüte erlebten, führte politische Kurzsichtigkeit im Südosten zur Zerstörung des neuerstandenen völkischen Bollwerks. Im Jahr 834 hatten sieben finno-ugrische Stämme, die über den Ural gezogen waren und von den Petschenegen bedrängt wurden, das Oberhaupt der Megyrer („Magyaren"), Almus, zum Groß-Chan gewählt. Bei diesem nunmehr geeinten Volksverband, der stark mit turk-mongolischen Elementen vermischt war, ließ der griechische Kaiser Leon Grammaticos für einen Kriegszug gegen die Bulgaren werben. Arpad, der Sohn des Almus, und die ihm gefügigen Stammes-„Wojewoden" willigten in das Bündnis mit Byzanz ein, führten nach 890 ihre Nomadenreiter über den Dnjestr und warfen sich auf die überraschten Bulgaren auf dem Balkan. Nach anfänglichen Niederlagen gelang es dem Bulgarenfürsten Simeon, die Petschenegen zu mobilisieren, was die Magyaren veranlaßte, schleunigst aufzugeben und über Siebenbürgen nach den pannonischen Steppen auszuweichen. Obwohl Arnulf von Kärnten - Enkel Ludwigs des Deutschen und ostfränkischer König - seine pannonischen Marken aufs schwerste bedroht sah, nahm er die brandschatzenden asiatischen Reiter in Sold und hetzte sie - wenngleich vorerst ohne Erfolg - gegen das aufstrebende quadische Magmarenreich Zuentibalds II. (Großmährisches Reich). Arpad wußte seinen Vorteil zu wahren. Er verheerte ganz Pannonien bis zur Raab und erstickte im ganzen Land gnadenlos jeden Widerstand seitens der germanischen Siedler. Arnulf hatte einen furchtbaren Feind an die Grenzen des Reiches gerufen. Die magyarischen Reiterkrieger überrannten das quadische Mähren, stießen 906 bis nach Sachsen vor, schlugen 907 den bayerischen Heerbann bei Preßburg, eroberten 908 Passau und fügten dem jungen König Lud*wig 910 am Lech eine schwere Niederlage zu. Ihre Kriegs- und Beutezüge führten sie bis tief nach Italien hinein, nach Ostelbien, an den Rhein, nach Frankreich und bis vor Konstantinopel. Sie blieben ein latente Bedrohung beider fränkischen Reiche, bis sie endlich am 10. August 955 von Otto d. Großen mit einem gemischten deutschen Reiterheer - darunter eine germanische Tausendschaft aus Böhmen - auf dem Lechfeld vernichtend geschlagen wurden und sich nach Abzug aus der Ostmark mit Pannonien ostwärts der Raab begnügen mußten. Die Schwäche des Ottonischen Reiches, das sich in inneren Wirren und im Süden verausgabte, ließ eine vollständige Vertreibung der Magyaren und eine Wiederherstellung der alten karolingischen Marken im vollen Umfang nicht zu. Ungarn blieb fortan das große, einladende Tor nach Westen; selbst ständiger Unruheherd, zog es in den folgenden Jahrhunderten die Stürme der Mongolen und Türken auf sich, die das seßhaft gewordene ungarische Mischvolk ebenso wie die Masse aller anderen Volksgruppen Südosteuropas entweder auslöschen oder für lange Zeit in einen substanzlosen Brei verwandeln sollten. Die "Sclavi" Ostelbiens Widerlegung einer politischen Legende ( Seite 27 - 42 ) Geschichtsfälschend wird nach wie vor behauptet, der Zentralraum Ostgermaniens zwischen Elbe und Weichsel sei ebenso wie etwa Böhmen, Mähren, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain im Verlaufe der sogenannten Völkerwanderung von Germanen entblößt worden und habe das Vordringen der „Sarmaten" - die man kühn und ohne jeden Beweis mit den „Slawen" identifiziert - in volksleere und verödete Gebiete ermöglicht; erst in einem späteren Gegenzug wäre es der westgermanischen - oder deutschen - Kolonisation gelungen, diese Sarmaten-Slawen wieder zu verdrängen. Dieser bisher vorge*tragenen slawophilen und heute sowjetgenehmen Betrachtungsweise steht eine Fülle unwiderlegbarer Tatsachenbeweise und historischer Zeugnisse gegenüber. Wie bereits dargestellt, trat in den genannten germanischen Siedlungsräumen vor Einsetzen der fränkisch-sächsischen Unterwerfungs-„Kreuzzüge" in Mitteldeutschland und bis zum Zeitpunkt des Mongoleneinfalls im Osten (1241) weder durch Abzug noch durch Kriegseinflüsse eine Entvölkerung ein. Wenngleich kleine skythische und iranische Flüchtlingsgruppen zusammen mit Germanen verschiedener Stämme in der Hügel- und Bergwelt Mährens, Niederösterreichs und Karantaniens Schutz vor den Awaren gesucht hatten, so waren sie doch ihrer verwandten Eigenart wegen von der germanischen Siedelbevölkerung nicht als Fremdkörper betrachtet und deshalb binnen kurzem assimiliert worden; in jenen Landstrichen aber, wo die Ausmordung zur Verödung geführt hatte, setzte unmittelbar nach Säuberung vom Feind die fränkisch-bayrische Wiederbesiedlung ein, ohne auf ein inzwischen eingesickertes Element anderer Art zu stoßen. Ein einheitlich starkes und ausdehnungsfreudiges Volk der Dnjepr- und Bug-„Sarmaten" hat es übrigens nie gegeben. Auch die „Slawen", die in unfaßbarer Zahl den Pripet-Sümpfen ent*stiegen und nach allen Seiten hin besitznehmend ausgeschwärmt sein sollen, gehören der Fabel an. Richtig ist, daß im 4. Jahrhundert vereinzelte Gruppen der germanisch-skythisch-sarmatisch gemischten Venethi ostwärts des Weichselbogens zu siedeln begannen, allerdings zu keiner Zeit den Fluß nach Westen überschritten und bis zur Gründung des Dagonen-Reiches um 1000 n. d. Ztw. im Einflußschatten der Altpreußen, Wandalen und Goten sowie der normannischen Waräger des Rurikiden-Reiches standen. Von den skytho-sarmatischen Splittern -- und nur um solche handelte es sich - verlor sich noch im frühen Mittelalter jede Spur. Vermutlich gingen sie mit ihren Kleinsippenverbänden im germanischen Randvolkstum auf. Zu der verhängnisvollen Scheidung Großgermaniens in einen fränkischen Reichsteil diesseits und einer von "Barbaren" bewohnten „Wüstenei" jenseits der Elbe führten einzig und allein die machtpolitisch-expansiven Christianisierungs-Feldzüge Karls d. Gr. Sie gaben den Auftakt zur Diffamierung und Unterwerfung der ostelbischen Germanenstämme, deren sittliche und kulturelle Entwicklung jener der fränkisch beherrschten im Westen und Süden Keineswegs nachstand, ja sie sogar in manchem übertraf. Als die westgermanischen Expeditionsheere Karls d. Gr., den Versuch unternahmen, die „Heiden" Ostelbiens mit Feuer und Schwert unter das Kreuz zu zwingen, entstand erstmals der mönchslateinische Begriff „Sclavi" für alle Germanen beider*seits der Elbe, die sich der fränkischen Herrschaft und damit der Christianisierung widersetzten. Diese Begriffsbestimmung wurde in der Folge auch auf die abwehrbereiten Sudetengermanen und alle "Götzendiener" bis nach Dalmatien ausgedehnt. Schließlich erfanden die lateinisch schreibenden Chronisten - das Wort „Sclavi" abwandelnd - die Bezeichnungen „Sclaveni" und "Sclavania" als verallgemeinernde Formeln bei der Erwähnung von Nichtchristen und ihrer Wohngebiete. Die „Heiden" waren demnach nicht etwa einem Volkstum zugehörig, sondern schlichtweg "Sklaven der Götzen und des Teufels" im ostgermanischen Raum und, wie Adam von Bremen in seiner im 11. Jahrhundert verfaßten Kirchengeschichte schreibt, „alle noch im Irrwahn des heidnischen Götzendienstes befangen", was sich insbesondere auf die von ihm ausführlich genannten Wandalen an der Oder bezog. Immerhin weiß Adamus Bremensis auch von Tugenden zu berichten, die man in der modernen Schulgeschichtsschreibung wohlweislich verschweigt: „ . . . im übrigen aber dürfte man kein Volk finden, das in bezug auf Sittlichkeit und Gastfreiheit ehrenwerter und gutherziger wäre."; ein Umstand, der bei den damals schon christlichen Franken gewiß Verwunderung erregte. Nicht weniger wohl auch der Hinweis auf die Metropole der Wandalen. Jumneta, die der dänische Chronist Saxo Grammaticus (1150-1220) als das „Byzanz des Nordens" rühmte: „Jene Stadt ist angefüllt mit den Waren aller nordischen Völker und besitzt alles Angenehme Lind Seltene." Aus den Aufzeichnungen des Geschichtsschreibers Karls d. Gr., Einhard, wissen wir, daß mit den als „Sclavi" erwähnten Volksangehörigen der ostelbischen Stämme ausschließlich Germanen gemeint waren und Ostelbien bis zum Bug in den Begriff Germanien eingeschlossen wurde. In den „Annales Alamanici" findet sich der Vermerk, daß Karl d. Gr. gegen die „Sclavi" einen Kriegszug „in das Land der Wandalen" („in regionem Vandalorum") unternahm. Und in seiner „Vita Caroli" stellt Einhard (770-840) ausdrücklich die sprachliche Verwandtschaft als verbindliches Merkmal der Germanen Ost- und Westelbiens fest: ". . endlich bezwang er (Karl) alle barbarischen und wilden Völker, welche in Germanien zwischen Rhein und Weichsel, dem Ozean und der Donau wohnen, und an Sprache zwar wenig verschieden, an Sitten und Tracht aber unähnlich sind, derartig, daß er sie tributpflichtig machte." Die Orosius-Völkerbeschreibung König Alfreds d. Gr. von Eng*land (871-901) bezeichnet alles Land zwischen Rhein und Don als Germanien. Zu den germanischen Völkern, die bis zur Weich*sel lebten, zählt sie Friesen, Afdrede ( Heruler), Sachsen, Wilti (= Heruler), Burgunder, Haefeldan (--- Wandalen/Havelländer), Weonode-Winedi ( - Wandalen), Dalamentsan ( Dalaminzen), Ostfranken, Schwaben, Thüringer, Bayern, Böhmen, Mähren, Surpe und sogar die Horigti ( Chorwaten). Ebenso gibt uns der Chronist Thietmar von Merseburg mit seinen in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts niedergeschriebenen Berichten einwandfrei darüber Aufschluß, daß die sogenannten „sclavenischen" Stämme keineswegs fremdvölkischer Art oder Herkommens waren. In der zweiten Hälfte des 11. Jahr*hunderts schilderte Adam von Bremen die Verhältnisse in Ostgermanien und hinterließ uns die bemerkenswerte Aussage über den ostelbischen Raum bis zur Oder als „amplissima Germaniae provintia, viribus, frugibus et armis opulentissima a Vinulis incolitur, qui olim dicti sunt Vandali", nämlich als reichste Provinz Germaniens, reich an Männern, Feldfrüchten und Waffen, die von den Vinulern beherrscht wird, die man früher Wandalen nannte. Daß im gleichen Atemzug das Wohngebiet der Vinuler als „Sclavania" bezeichnet wird, entspricht der damals religiös bestimmten Auffassung, die seit dem 9. Jahrhundert nur christianisierte Germanen als „deutsch" oder auch „sächsisch" gelten ließ, alle übrigen jedoch in den deklassierenden Sammelbegriff „Sclavi ' oder „Sclaveni" einbezog. Noch im 12 Jahrhundert klagte der Geschichtsschreiber Helmold von Bosau in seiner „Chronica Sclavorum" darüber, daß sich die Wandalen Pommerns, die Heruler und Rugier zwischen Elbe und Oder sowie andere weiter im Osten einer christlichen Bekehrung widersetzten. Die Wandalen waren um die Jahrtausendwende tatsächlich zu einer der mächtigsten und reichsten Stammesgemeinschaften Ostgermaniens aufgeblüht. Sie herrschten souverän in Brandenburg und Pommern, gaben allen anderen germanischen Volksgemeinschaften sicheren Rückhalt und trugen wesentlich zur Verschmelzung der in ihrem Siedlungsgebiet verbliebenen Goten, Gepiden, Warnen, Rugier und Skiren zu einer geschlossenen Gesamtheit bei. Der dominierende politische, kulturelle und wirtschaftliche Ruhm des Wandalentums strahlte bis weit in den christlichen Westen Germaniens aus. Es ist daher verständlich, daß nicht nur lateinisch abgefaßte Berichttexte die verallgemeinernde Volksbezeichnung „Vandali" für die Bewohner „Sclavaniens" überliefern, sondern auch die zeitgenössischen Übersetzungen das Gebrauchswort „Wenden" (= Wandalen) konsequent an Stelle der Vokabeln „Sclaveni" oder „Sclavi" nachweisen, sofern sie sich auf die Germanen ostwärts der Großraumlinie Hamburg-Triest bezogen. So sprach und schrieb man jahrhundertelang von Wendenlanden, wenn man zum Beispiel Landstriche bei Hannover, in Ostsachsen, Mecklenburg, Brandenburg und Pommern meinte; desgleichen blieben aus der Zeit der fränkisch-bajuwarischen Markbildungen bis zum heutigen Tag die Bezeichnungen „windisch" oder die „Windischen" im Sprachgebrauch der Steirer, Kärntner und Südtiroler erhalten. Niemand ist bis jetzt auf die absurde Idee gekommen, aus eingeführten Sammelnamen für die Bewohner von Landschaften oder städtischen Großräumen Westeuropas die Existenz dort sitzender besonderer Volksstämme abzuleiten; auch hat noch kein Mensch den Versuch unternommen, die in der Umgangssprache vielfach landschaftlich eingeordneten Bevölkerungsgruppen West- und Süddeutschlands von der gewachsenen deutschen Gesamtheit zu scheiden und sie als fremdes Volkstum zu erklären. Was man aber im Raum diesseits von Elbe, Saale, Böhmerwald und Raab für geradezu lächerlich empfinden würde, nimmt man groteskerweise für das vorchristliche Mittel- und Ostdeutschland unüberprüft als gegeben an. Geschichtsbücher, Atlanten und Nachschlagwerke sind voll von derlei Unsinn; in ihnen wimmelt es nur so von mittelalterlichen Bezeichnungen für Flüsse und Landstriche, falsch wiedergegebenen Wortbildungen und nicht näher erklärten Zunamen (cognomen) mönchslateinischen Ursprungs, die allesamt die frühe Existenz fremdvölkisch „slawischer Stämme" nachweisen sollen. Der bewußte Betrug wird offenkundig, wenn man weiß, auf welche Weise es zu den irreführenden Stammesbenennungen kam. Eine kleine Auswahl kurzer Beispiele mag genügen: Die Holsten, Thietmarsen und Stormarn wurden nach Annahme des Christentums zu „nordalbingischen Sachsen"; stammesverwandt mit den „Nordalbingiern" waren die Wagrier, deren Wohngebiete anschlossen und bis zur Ostsee reichten; bis zu ihrer Christianisierung wurden alle Ostsachsen als „Sclavi" diffamiert und mit den Wenden (= Wandalen) gleichgesetzt; in Mecklenburg herrschten die volkreichen Heruler, die vom Geschichtsschreiber Karls d. Gr., Einhard, wegen der „Pracht ihrer Gewänder und des Glanzes ihrer Rüstungen" den Beinamen „Abotriti" (_ „Abodriten", „Obotriten") erhielten und später „wegen ihrer Tapferkeit" auch „Wilti" (_ „Wilzi", „Wilzen") hießen. Johann Adolf, zubenannt Neocorus, erwähnte sie unter beiden Begriffen anläßlich der Aufzählung germanischer Stämme Ostelbiens; der Beiname „L(i)utizen" oder „Leutizen" bezieht sich ebenfalls auf die Bewohner herulischer Gaue und wird auch von zeitgenössischen Chronisten den „Abotriten" gleichgestellt; bei den „Redariern" handelte es sich gleicherweise um Heruler, die in ihrer Stadt „Reth(r)a" den Tempel des germanischen Orakels Radegast hüteten. Sie werden von Thietmar von Merseburg den „Liutici" zugerechnet; zwischen Saale und Elbe wohnten nach wie vor die germanischen Hermunduren, deren Vorväter das Reich der Thüringer gegründet und 529/31 an die Franken verloren hatten. Sie wurden „Surpen" (= „Sorbi", „Sorben") genannt und sind mit den „Daleminziern" und „Koloditzern" identisch, die aber wiederum nicht selten den „Wilzen", also Herulern verwandtschaftlich zugeordnet wurden; Polaben, Pomoranen, Wislanen, Circipani usw. bedeutet in der Darstellung der Chronisten nichts anderes als die „an der Elbe", „nm Meere", „an der Weichsel", „diesseits der Peene Wohnenden" usf. Die Heveller sind die „an der Havel Wohnenden" und die Lusizen germanische Lugier in der Lausitz. Auch die Kassuben gehörten keinem „slawischen" Sumpfvolk an, sondern waren Teil der wandalischen Pomoranen („Küstenbewohner"). Sämtliche Verhandlungen, die fränkische oder sächsische Abge*sandte im 9. und 10. Jahrhundert mit Fürsten ostelbischer Stammesgemeinschaften führten, ließen eine Verständigung in der beiderseitigen Muttersprache zu. Urkunden und Chronistenberichte weisen überdies nach, daß sich sowohl fränkische wie auch später sächsische Krieger in ganz Ostelbien bis an die Oder fließend in ihrer heimatlichen Mundart mit den jeweiligen Landesbewohnern unterhalten konnten und an keinem Ort auf fremdartige Menschen stießen. Der "wende koninghe" trugen ausnahmslos germanische Namen. Es handelte sich hier um Herzoge, die ähnlich sächsischem Brauch nur im Kriege gewählt wurden. Wagrier, Heruler, Hermunduren und Wandalen hatten noch zur Zeit Otto des Großen eine Repräsentativverfassung. Jeder Gau beschickte die großen Rats- und Gerichtsversammlungen mit je zwölf Vertretern aus Adel, Frilingen (Freibauern) und Liten (Hörigen). Ein Königtum fränkischer Art entsprach nicht dem freiheitsliebenden Sinn dieser selbstbewußten Menschen. Es ist also nichts mit der sagenhaften Vielzahl "slawischer Stämme" zwischen Elbe und Weichsel. Daß alle Germanen, die dem Christentum ablehnend gegenüberstanden oder das Joch habgieriger Kleriker abzuschütteln versuchten, von Mönchen und Missionaren gröblichst beschimpft, herabgesetzt und diskriminiert wurden, versteht sich von selbst. Die „Sclavi" waren - solange sie zu den „Heiden" zählten und daher der Kirche keinen Zehnten zu entrichten brauchten - verabscheuungswürdige Kreaturen und rechtloses Freiwild. Welcher Sprachregelung man sich damals bediente, wenn ein Volk sich dem Willen der Nachfolger Petri nicht gleich fügte, beweist ein Brief, den Papst Stephan im 9. Jahrhundert an die Frankenkönige schrieb. Darin nannte er die kulturell und sittlich hochstehenden Langobarden Oberitaliens „eine treulose und stinkende Nation, die nicht einmal zu den Nationen gerechnet wird und von der gewiß die Aussätzigen ihren Ursprung haben". Solche und ähnliche Diffamierungen wurden im Mittelalter ohne weiteres geglaubt und führten nicht selten zu erbarmungslosen und blutigen Exzessen gegen jene, die nicht einfach „zu Kreuze kriechen" mochten. Verteufelungspropaganda und unduldsamer Glaubenseifer verliehen auch der Missionierung Ostelbiens im 10., 11. und 12. Jahrhundert den Charakter grausamer Religionskriege. Kaum hatten sich die Sachsen von den furchtbaren Verlusten des 30jährigen Verzweiflungskampfes gegen die Franken erholt, wandte sich ihr Adel den östlichen Grenznachbarn zu. Man hatte es den Herulern („Obotriten") nicht verziehen, daß sie als Verbündete Karls d. Gr. den bedrängten Sachsen, Stormarn und Thietmarsen in den Rücken gefallen und für diesen Dienst von den Franken mit Siedlungsplätzen im verwüsteten Sachsenland belohnt worden waren. In Ostsachsen wurden die herulischen Bauern entweder verdrängt oder sächsischer Herrschaft unter*worfen. Entlang der Sächsischen Mark zwischen Elbe und Kiel und der Thüringischen Mark („Sorbische Mark") gegen die Saale hin entbrannte ein zählebiger Grenz-Kleinkrieg. Das Streben sächsischer Adeliger, im Zuge von Einfällen in das Herulerland möglichst viele Kriegsgefangene für Leibeigenendienste („Sklaven") einzubringen, trug nicht wenig zu den wiederholten Rachefeldzügen der betroffenen Ostelbier bei. Als dann 919 die kampferprobten Sachsenherzoge den deutschen Königsthron erlangten, setzte die schonungslose Unterwerfung des streitbaren "Heidentums" durch Feuer und Schwert ein. Nachdem die Grenzstriche durch ein Netz von Burgen gesichert waren - es entstanden als feste Plätze und nachmalige Städte Quedlinburg, Duderstadt, Nordhausen, Pöhlde, Grona, Goslar, Merseburg u. a. - und das sächsische und thüringische Wehrvolk eine genügende Schulung im Reiterkampf erfahren hatte, eröffnete König Heinrich I. aus dem Geschlecht der Ludolfinger den ersten Reigen der Ausrottungs- und Vernichtungsfeldzüge im ostelbischen Raum. Die überraschende Offensive traf zunächst die germanischen Gaue an Havel und Unterspree („Heveller"), deren Wasserfeste und Hauptplatz Brennaburg (= Brandenburg) nach schweren Kämpfen im Winter 928 fiel. Elbeaufwärts erlitt ein gleiches Schicksal die von Hermunduren und Herulern verteidigte Festungsstadt Jana (Gana). Was dort in den Augen der Sachsen nicht zum Sklavendienst tauglich schien, sprang über die Klinge. Der Bau der neuen sächsischen Trutz- und Markfeste Meißen besiegelte vorerst das Schicksal des eroberten Landes. Unterdessen war es auch den sächsischen Grafen Bernhard und Thietmar gelungen, die Wagrier und Heruler in Mecklenburg („Redarier" und „Obotriten") niederzuwerfen. Eine Erhebung der Unterdrückten brach nach Vernichtung ihres Hauptheeres in der Schlacht bei Lenzen a. d. Löcknitz 929 zusammen. Zwei Jahre später zog der König gegen die Lausitzer Gaue an der Oberspree, zerstörte 932 die große Stadt Lebusa und machte sich die germanischen Herren des Landes tributpflichtig. Was Heinrich I. im Osten des Reiches an Ausdehnung gewann, trachtete sein Sohn Otto I. (d. Gr.) zu festigen. Er übertrug die Hut der neuen Mark im Norden bei gleichzeitiger Verleihung des Herzogtums Sachsen seinem bewährten Kampfgenossen Hermann Billung und jene der Ostmark im Süden zwischen Saale und Bober dem Grafen Gero; die ebenfalls nach Osten vorgeschobene Thüringische Mark schützte gegen Schlesien und schloß am Oberlauf der Weißen Elster an das Egerland (Markgrafschaft Nordgau) des Herzogtums Bayern und an das Herzogtum Böhmen an. Aber schon zu Beginn seiner Regierungszeit war der junge König gezwungen, einem neuerlichen Aufstand der Heruler („Redarier") zu begegnen. Markgraf Gero trug obendrein zu einer weiteren Verschlimmerung der Lage bei: er lud 30 germanische Gaufürsten zu einem Festmahl und ließ die Ahnungslosen während des Gelages brutal niedermetzeln. Diese ruchlose Tat entfachte abermals eine Welle der Empörung. Heruler und Wandalen griffen zu den Waffen, unterlagen jedoch bald der militärischen Überlegenheit der markgräflichen Truppen. Brandenburg, hartnäckig verteidigt, fiel wiederum in die Hand der Sachsen; diesmal allein durch Verrat. Drakonische Straf- und Christianisierungsmaßnahmen folgten. Kirchliche Organisation sollte nun die Sicherung und Befriedung verbürgen. 948 entstanden die Bistumssprengel Havelberg, Brandenburg, Oldenburg, Zeitz, Merseburg und Meißen, 968 das Metropolitanerzbistum Magdeburg. Daß Otto d. Gr. nach Vernichtung des Magyarenheeres auf dem Lechfeld erneut gegen einen Teil des unzufrieden gewordenen sächsischen Adels, der die Heruler („Ukrer", „Liutizen" und „Obotriten") zu Verbündeten gewonnen hatte, zu Felde ziehen mußte, sei nur nebenbei erwähnt. Sachsen und Heruler erwiesen sich in der Entscheidungsschlacht an der Raxa (Recknitz) nicht nur als ebenbürtige Kämpfer, sondern nach Chronistenbeschreibungen auch ohne besonderen Unterschied in Aussehen und Waffenführung. Es entsprach dem Kriegsbrauch jener Zeit, daß der König den abgeschlagenen Kopf des gefallenen Herulerherzogs auf einer Stange befestigen und 700 gefangene Krieger enthaupten ließ. Markgraf Gero, dessen Bruder Wichmann auf herulischer Seite gegen das Reichsheer gefochten hatte, nahm nun alles Land bis zur Oder in Besitz. Für eine ausgreifende Siedlungsverdichtung und Sicherung des teilweise stark ausgebluteten Raumes fehlte es damals aller*dings an der ausreichenden Zahl nachfolgender deutscher Wehr*bauern. Willkür, Eingriffe in das alte Kult- und Brauchtumwesen sowie kirchliche Ausbeutung forderten schließlich unter der Regierung Ottos II. eine gewaltige und diesmal erfolgreiche Erhebung der von Wandalen, Rugiern und Dänen unterstützten Heruler heraus. Den Sachsen gelang es zwar kämpfend, das sogenannte Sorbenland zu behaupten, im übrigen aber wurde die vorgeschobene Reichsmacht nach dem Fall Brandenburgs und Havelbergs auf ihre alte Grenzlinie an der Elbe zurückgeworfen. Durch den einschneidenden Rückschlag, den die kirchliche Missionierung gleichzeitig erlitten hatte, vertiefte sich die Kluft zwischen den Reichsdeutschen und ihren „heidnisch" gebliebenen ostelbischen Verwandten. Heruler, Rugier und Wandalen - die „Sclavi" und „Wenden" der christlichen Geschichtsschreibung - waren wieder Herren ihrer angestammten Gaue und erholten sich erstaunlich rasch von den erlittenen Blutverlusten. Schon Im Jahr 1004 waren sie soweit erstarkt, daß König Heinrich II. sie als ernstzunehmende Bündnispartner achtete, mit ihnen Verträge über Durchmarschrecht und Neuerrichtung der Bischofssitze Havelberg und Brandenburg schloß und sich ihrer Teilnahme an seinen Kriegszügen gegen den mächtigen Dagonenfürsten Bolsleib I. (= "Boleslaw I." späterer Schreibung) nach Böhmen und in das Wartheland versicherte. Vorübergehende Erscheinungen einer indirekten Missionierung In den Wohngebieten der Heruler blieben Episoden. So hatte es zum Beispiel das diplomatische Geschick des Erzbischofs Adalbert von Bremen erreicht, daß sich in Westmecklenburg die Gaufürsten - an ihrer Spitze die angesehenen und einflußreichen Adeligen Gottschalk und Woldemar - bereitfanden, das Christentum ebenso wie die deutsche Herrschaft anzuerkennen. Als dann Gottschalk 1066 vom deutschen Königshof verbannt wurde, weil er das Festhalten starker Volksteile am Heidentum nicht zu ändern vermochte, war auch dieser stärkste Ansatz für eine organische Integrierung Ostelbiens auf friedlichem Wege vorerst vertan. Zu einer dauerhaft fortwirkenden Einbeziehung des Raumes bis zur Oder führte erst die zielbewußte Ostpolitik König Lothars III. von Supplinburg (1125-37). Hervorragende Männer sicherten ihm die wiedererstehenden Bollwerke der Reichsmacht und die Eindeutschung der einheimischen Bevölkerung: Graf Adolf von Schauenburg im Holsteinischen, Erzbischof Norbert zu Magdeburg, Konrad von Wettin in der Markgrafschaft Meißen und in der Lausitz, der Askanier Albrecht von Ballenstedt in der Nordmark (= Altmark in Brandenburg). Ihre Vorstöße und Eroberungen wurden von einer breiten Siedlungsbewegung getragen. Ostholsten, Wagrier und Heruler unterwarfen sich, nahmen das Christentum an und zählten hinfort „zu den Deutschen". Der Dänenkönig erschien als deutscher Vasall auf dem Reichstag zu Merseburg und sogar die Wandalen Pommerns fanden sich mit einer christlichen Missionstätigkeit ab. Albrecht von Ballenstedt, nach seiner Bernburg auch „der Bär" genannt, trat in die Erb*rechte des Wagrierfürsten ein und erkor Brandenburg zu seiner Residenz. Schließlich wurden die noch heidnisch gebliebenen Gaue während des Kreuzzuges von 1147, als dessen Speerpitze auch ansehnliche bayerische, quadische (mährische) und dänische Kontingente unter der Devise „Tod oder Taufe" fochten, überrannt und die Oderlinie für immer gewonnen. Herzog Heinrich, der Löwe (1129-95), setzte das begonnene Werk fort. Ihm ist die volle Eindeutschung der Germanen Lauenburgs, Wagriens und Westmecklenburgs zu danken. Seine kluge Befriedungspolitik erleichterte vor allem den Herulern die Vereinigung mit den zuziehenden Neusiedlern aus dem Westen. Nachdem er einen von Krakau im Einvernehmen mit der römischen Kurie angezettelten Angriff Jaskos von Köpenick, der den Kriegszug Kaiser Barbarossas in Italien stören sollte, abgewehrt hatte, zog er niederdeutsches Bauernvolk ins Land. Helmold von Bosau schrieb dazu in seiner Chronik: „Zuletzt, da die Sclaveni allmählich verschwanden, schickte er nach Utrecht und den Rheingegenden, ferner zu denen, die am Ozeane wohnen und von der Gewalt des Meeres zu leiden hatten, nämlich an die Holländer, Seeländer und Fläminger, und zog von dort gar viele Ansiedler herbei, die er in den Burgen und Flecken der Sclaveni wohnen ließ. . . . Von den Grenzen des Ozeans sind unzählige starke Männer gekommen und haben das Gebiet der Sclaveni bezogen und Städte und Kirchen gebaut, und haben zugenommen an Reichtum über alle Berech*nung hinaus." Das flämische Volkslied „Nach Osten wollen wir reiten" klang durch alle Westgaue des Reiches. Ostmecklenburg gab der Löwe nach seinem Sieg im Jahre 1163 dem Geschlecht des herulischen Fürsten Niklot als sächsisches Lehen zurück. Inzwischen hatte auch Adolf von Schauenburg sein erfolgreiches Befriedungs- und Siedlungswerk beendet und als seine Hauptstadt Kiel gegründet. Die Gegensätze zwischen Elbe und Oder verschwanden allmählich, sofern sie nicht ---- den Ordnungsvorstellungen des Mittelalters entsprechend -- in sozialer Hinsicht neu entstanden. Welche einigende Kraft der Verschmelzungsprozeß zeugte, erwies sich bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als Friedrich II. im Jahr 1214 dem Dänenkönig Waldemar II. die von Heinrich dem Löwen gegründete Nordmark preisgab, waren es die deutschen Fürsten und Städte, die 1227 durch den Sieg bei Bornhöved die dänische Vorherrschaft brachen und die Küstengebiete zurückeroberten. Ohne Rückhalt im wehrhaften Bauerntum wäre ein derartiger Erfolg nicht möglich gewesen. Dadurch gelangte auch in Rügen, Vor- und Hinterpommern die Eindeutschungstätigkeit in die Hände der einheimischen germanischen Fürstengeschlechter, was zum natürlichen Anschluß dieser Gebiete an das Reich führte. Die Askanier kauften 1250 noch Lebus und nach 1260 die damals bis zur Küddow reichende Neumark hinzu. Das ostmärkische Deutschtum entstand. Es verstärkte sich in der Markgrafschaft Meißen und in der Lausitz. Bezeichnend für die nachwirkende Beständigkeit einmal eingeführter Begriffe ist der bis zum Ausgang des Mittelalters geübte Brauch, Ostelbien nach wie vor pauschal als Wandalen- oder Wendenland zu kennzeichnen. Noch Karten, die im 15. Jahrhundert entstanden, markieren alles Land zwischen Elbe und Weichsel mit dem räumlichen Gebietsnamen „Vandalia". Wie schon die deutschen Hansestädte Hamburg, Lüneburg, Kiel, Wismar, Rostock, Stettin, Greifswald, Stralsund, Anklam und Demmin als „Urbs Vandalica et Hanseatica" - unter diese offizielle Bezeichnung fiel auch Lübeck - urkundliche Erwähnung fanden und mit ihrem Kern ins Deutsche übertragen zum „wendischen Quartier" der Hanse wurden - Rostock führte übrigens den erklärenden Titel „Urbs Vandalica Hanseatica et Megapolitana" (=„Wandalische Stadt der Hanse und Mecklenburgs"!), so finden wir auch in der deutschen Übersetzung (Schede 1615-41) des von Nikolaus Marschalk (1470-1525) lateinisch verfaßten Werkes „Annalium Herulorum ac Vandalorum" durchgehend den Begriff „Vandali" mit dem deutschen Wort „Wenden" gleichgesetzt. Daß sich die regierenden Fürsten Deutschlands bis in die Neu*zeit durchaus darüber klar waren, welche Bedeutung dem fortlebenden germanischen Volkstum der Wandalen in Mitteldeutschland zukam, zeigen zwei viel zu wenig bekannte Beispiele: Nachdem Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1678 Stettin eingenommen und die Schweden aus Pommern verjagt hatte, hegte man am Kaiserhof zu Wien die Befürchtung, der Hohenzoller könne zu mächtig werden und insgeheim Separatbestrebungen verfolgen. Kaiser Leopold I. sandte daher dem Großen Kurfürsten die warnende Botschaft, er werde es „nicht dulden, daß am baltischen Meer ein neues Königreich der Wan*dalen entsteht." Der Markgraf von Brandenburg war nicht nur „des Heiligen Rö*mischen Reiches Erzkämmerer und Kurfürst, Herzog in Preußen, Jülich, Cleve, Berg, Stettin..." usf., sondern nannte bei voller Titelaufzählung auch die feierlich verbriefte Würde eines "Herzogs der Wandalen". Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist weder in der profanen noch in der kirchlichen Geschichtsschreibung eine Erwähnung des Auftretens völkischer Gegensätze zwischen Rhein und Weichsel während des Mittelalters feststellbar; eine Tatsache, die mit der historischen Wirklichkeit übereinstimmt. Wie das von kaschierenden Färbungen freigelegte und ergänzte Geschichtsbild zeigt, hat es im heutigen nord- und mitteldeutschen Raum niemals ein Eindringen oder auch nur vorübergehendes Siedeln fremdartiger Volksgruppen gegeben. Unter den deutschen Königen, unter den Schauenburgern, Wettinern, Askaniern und Welfen wurde in Ostelbien lediglich zeitverschieden nachvollzogen, was die Karolinger vorher im Westen und Süden des ostfränkischen Reiches bewirkt hatten: die christianisierten Ger*manen vermischten sich und bildeten das d e u t s c h e Reichsvolk. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbreiteten der polonisierte Deutsche Brandtke und der hussitische Fanatiker Safarik die Lehre, das Land zwischen Weichsel und Elbe sei während der Völkerwanderung von den Germanen verlassen und durch aus dem Ostraum einströmende „Slawen" neu besiedelt worden. Sie beriefen sich dabei zeugnisheischend auf die „Chronica Sclavorum", die Helmold von Bosau im 12. Jahrhundert verfaßt hatte, und deren neueste deutsche Übersetzung anstelle des alten Begriffes „Sclavi" plötzlich das Wort "S l a v i " (ohne "c") erscheinen ließ. Es störte dabei nicht, daß der Historiker Schmeidler im Vorwort einer Übersetzungsausgabe besonderen Wert auf die Feststellung legte: „In Bezug auf die Übersetzung ist noch zu bemerken, daß die alten Namensformen meistens beibehalten sind, jedoch die Schreibung Sclaven' (mit "c" ) als zu störend aufgegeben ist." Der Hintergrund für eine so offensichtlich fälschende Praxis, die dann von der deutschen Geschichtsschreibung übernommen und allgemein anerkannt wurde, ist politischer Natur: man wollte sich nicht dem Verdacht aussetzen, etwa mit Absicht die ost- und südosteuropäischen Neustämme auf dem Wege der Geschichtslehre durch die Weiterverwendung des Ausdruckes "Sklaven" zu diffamieren. Da man sich darüber hinaus daran gewöhnt hatte, "deutsch" einfach mit "germanisch" gleichzusetzen, "Heiden" der Vergangenheit aber nicht zu den Deutschen zählten, zudem geschichtsrichtige Darstellungen über die wahre Vorentwicklung nur teilweise den dynastischen und kirchenpolitischen Überlegungen entsprachen, blieb man willfährig bei der verantwortungslosen Behauptung vom Bestehen eines „germanisch-slawischen Gegensatzes" als völkische Gegebenheit, die - unwidersprochen - als eine der gefährlichsten propagandistischen Waffen im Sinne der Reichsfeinde weiterwirkt. Nicht zuletzt lähmten kirchliche Sonderinteressen die Ansätze eines wissenschaftlichen Widerstandes. Welche Dämme gegen die Wahrheitsfindung noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgerichtet werden konnten, beweisen Ansinnen und Bindung des sogenannten Anti-Modernisten-Eides, der nach Einführung durch Papst Pius X. (1910) katholische Wissenschaftler und Professoren dem kirchlichen Dogma unterwarf und sie verpflichtete, ihre Forschungsergebnisse entweder der vertretenen Überlieferung anzupassen oder allenfalls sogar zu verleugnen, wenn sie sich nicht in das gewünschte Bild einfügen ließen. Römische Suprematie und ein unsinnig schwächliches Verhalten deutscherseits ermöglichten der Lehre Brandtkes und Safariks erst den unglaublichen politischen Durchschlag. Auf ihr fußte bereits die 1848 beschlossene Forderung des 1. Panslawisten-Kongresses zu Prag, innerhalb von 100 Jahren die Deutschen aus ihren, "den Slawen entrissenen" Wohngebieten ostwärts der Linie Stettin-Triest zu vertreiben. Um das komplexe Phänomen des „Slawentums" in seiner ganzen Tragweite erkennen und unseren Standort in der Verteidigung finden zu können, müssen wir uns erst mit der Sonderentwicklung im böhmisch-mährischen Raum und ostwärts der Oder befassen, ehe wir uns dem Hintergrund zuwenden, der uns Polen und Tschechen als reichsfeindliche Avantgarde gegen das Deutschtum bescherte. |
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Schlüsselraum Böhmen und Mähren Tatsachen volklicher Entwicklung (Seite 43 - 83) Die übliche Lehrmeinung suggeriert uns zwar seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts eine verschwommene These von einem „gewachsenen Slawentum" im böhmisch-mährischen Raum, bleibt uns aber jeden Beweis für die Entstehung und Werdung dieses Volkswunders ohne Ursprung und Herkommen nach wie vor schuldig. Legenden, aus der Luft gegriffene Erfindungen und I Fälschungen sind alles, was man untermauernd zu bieten vermag. Nichts davon hält der Überprüfung stand, wenn längst sorgsam erforschte Tatsachen berücksichtigt werden. Aber was nicht sein soll, darf eben nicht wahr sein; ein Grundsatz politischer Falschmünzerei, der im Zuge des allgegenwärtigen Menschheitsbetruges unserer Tage wiederum zu hohen Ehren gelangte. Das Lügengespinst ist allerdings nicht dicht genug, um die verschmähte Wahrheit vollends aus der Welt zu bannen. Da uns ohne Einblick in die historischen Vorgänge jedes rechte Verständnis für die Belange der Gegenwart verwehrt ist, müssen wir uns von täuschenden Geschichtsschablonen trennen und uns mit der zutreffenden Volksgeschichte jenes natürlichen Festungsgebietes vertraut machen, das einst die Funktion eines mittel-europäischen Bollwerks gegen asiatische Einfälle aus dem Osten erfüllte, über ein Jahrtausend hinweg beherrschender Eckpfeiler des Reiches war und nach dem Zusammenbruch der österreichischen Doppelmonarchie in einen Rammkopf des Panslawismus moskowitischer Prägung, zum "Pfahl im Fleische Deutschlands" verwandelt werden sollte. Nach Aufnahme illyrischer Reste herrschten zwischen dem 5. und 1. Jahrhundert v.d.Ztw. die kulturell hochstehenden keltischen Volksstämme der Bojer und Cotiner im Lande Bojohaemum (lat.). Sie werden von römischen Chronisten ihres planvollen Ackerbaus, ihrer handwerklichen Kunstfertigkeit und Ihrer kriegerischen Tapferkeit wegen gerühmt und in ihrem Aussehen als sehr weißhäutig, blond- oder braunhaarig, blauäugig, im Gegensatz zu den damaligen Germanen kurzschädelig sowie hochgewachsen geschildert. Durch Abwehrkämpfe mit Cimbern und Daken und schließlich infolge Abgabe starker Kriegerkontingente zur Unterstützung der ihnen verwandten Helvetier gegen die Römer an Männern geschwächt, mußten sie die Ansiedlung der germanischen Buren und Marsingen in den freien Wald- und Alpgebieten der Kette Odergebirge, Riesengebirge und Elbesandsteingebirge dulden. Über diese Brücke rückten nach und nach weitere suebische Landnehmer ein, überlagerten die artverwandten Kelten in den Flachlandschaften und assimilierten langsam die alteingesessenen Bevölkerungsgruppen. Aus Schlesien verstärkt, drangen die Marsingen nach Süden bis an die Thaya und im Osten bis zu den Weißen Karpaten vor, schmolzen dort Teile der Cotiner ein und gaben Mähren seinen Namen. Germanische Korkonten besiedelten die „Wandilischen Berge" (= Wandalische Berge - Gebiet des Riesengebirges), Hermunduren setzten sich am Oberlauf der Elbe fest und im Westen ließen sich Naristen südlich des Fichtelgebirges nieder. Als sich der Zwang zur allgemeinen Auseinandersetzung mit der unentwegt vordringenden Macht Roms abzuzeichnen begann, kürten die Fürsten des großgermanischen Irminonenbundes (Sueben - lat. „Suavi") den markomannischen Fürstensohn Marbod zum Herzog; dem Bund gehörten u. a. die Stammesvereinigungen der Semnonen, Hermunduren, Langobarden, Markomannen, Quaden, Wangionen und Nemeter an. Der erwählte Edeling hatte in römischen Diensten nicht nur das Hee-res- und Kriegswesen des Imperiums, sondern auch die weitgesteckten Expansionsziele der Caesaren in Europa kennengelernt. Er wußte die vier Feldzüge des Drusus bis zur Weser und Elbe, die Unterwerfung Pannoniens durch Tiberius und den zunehmenden römischen Aufmarsch in Ufer-Noricum richtig einzuschätzen. Die strategische Bedeutung des böhmisch-mährischen Raumes war beiderseits bekannt. Marbod war entschlossen, dem Kaiser Augustus zuvorzukom-men. Über die römischen Truppenbewegungen unterrichtet, mar-schierte er im Jahre 8 v. d. Ztw. mit 70 000 Kriegern über das Fichtelgebirge, die Eger entlang bis zur Elbe und von dort nach Süden. Landnahmescharen aller Stämme des Irminonenbundes verstärkten die Besetzung und trugen zur Sicherung des nördlichen Donauraumes bei. Naristen, Korkonten, Buren und Marsingen zählten zu den Verbündeten. Ein verspäteter Versuch des römischen Kaisers, das linke Ufer der Donau zu gewinnen und Böhmen anzugreifen, scheiterte restlos. Unter Marbod, der die Würde eines Königs annahm, erstarkten die suebischen Stämme zu einem mächtigen Block. Die Haupt-und Festungsstadt Maroboduum wurde zum glanzvollen Mittel-punkt. Im markamannischen Böhmen und im quadischen Mähren (an der March . Fluß der Marsingen) blühten Ackerbau, Viehzucht, Hausindustrie und Handel. Römische Kaufleute ließen sich vorzugsweise in der Hauptstadt nieder. 4000 gut berittene Krieger bildeten eine schlagkräftige und stets alarmbereite Verfügungstruppe, die jedem Wink des Königs gehorchte. Darüber hinaus schützte ein den Römern abgerungener Friedens- und Freundschaftsvertrag die Donaugrenze im Süden. An diesem Zustand sollte sich auch nach Marbods Sturz bis zum Jahre 8 n.d.Ztw. nichts mehr ändern. Tacitus, der erwähnte, daß „im Hermundurenland die Elbe entspringt, neben den Hermunduren die Naristen und anschließend die Markomannen und Gluaden sitzen und nördlich von den Lugiern die Goten leben", bezeichnete Markomannen und Quaden als „Brustwehr Germaniens an der Donau"; und Ammianus Marcellinus schilderte sie „ungeheuer kriegerisch und mächtig". Damit die große Übersicht nicht verloren geht, soll an dieser Stelle die Ausdehnung der germanischen Großverbände, deren Gliederung bis 200 n. d. Ztw. unverändert blieb, festgehalten worden: Ingväonen - vom Rhein bis nach Jütland an den Ufern der Nordsee; Istväonen - zwischen Rhein, Weser und Aller; Irminonen - in Süddeutschland, am Main, in Thüringen, beider-seits der Elbe bis zur Oder und in Böhmen und Mähren sowie Ober- und Niederösterreich nördlich der Donau; Wandalen -- zwischen Oder, Weichsel und Bug, südlich von Warthe und Netze und nördlich der Karpaten; Goten - im Weichselmündungsgebiet; Rugier und Burgunder - nördlich der wandalischen Wohngebiete; Hillväonen - in Skandinavien; Skiren und Bastarnen - frontal an der unteren Donau. Alle diese locker gefügten Gemeinschaften unterteilten sich in Stämme, die sich ihrerseits wiederum in Gaue und die Gaue in Markgenossenschaften gliederten. Wenn nun heute kommunistische Hofhistoriker in Prag erklären, die lateinische Bezeichnung „Suavi" sei eine begriffliche Alt-form für die Erwähnung der „Slawen" in völkischer Hinsicht, so ist das entweder auf eine haarsträubende Unkenntnis zurückzuführen oder aber ein Zeugnis dafür, daß die Sachkenner unter den Verdrehungskünstlern entgegen ihren öffentlichen Bekundungen insgeheim sehr wohl mit dem wahren Sachverhalt von der Nichtexistenz eines „slawischen Volkstums" vertraut sind.. Würde man nämlich ihrer absurden Argumentation konsequent folgen, so hätten wir in allen „Suavi" (Sueben, Sweben =Irminonen), also auch in den erwähnten Semnonen, (Kernvolk der späteren Alemannen), Hermunduren (im Verein mit Angeln und Warnen die Gründer des Thüringer Reiches), Langobarden, Markomannen, Quaden usw. „Urslawen" zu erblicken. Was weiterhin von den slawophilen Spekulationen zu halten ist, beweisen die folgenden Abschnitte der Volks- und Landesgeschichte: Im Jahre 89 forderten die unausgesetzten Kampfhandlungen der römischen Legionen Kaiser Domitians gegen die Chatten einen Entlastungsangriff der Markomannen heraus, der mit einem überlegenen Sieg über die Römer endete. Seit Marbod ständig an Volkszahl zunehmend, hatten die Herren Böhmens abermals ihre Kraft demonstriert. Ihr tonangebender Einfluß unter den suebischen Stämmen blieb unbestritten. Während der hartnäckigen Expeditionskriege Marc Aurels fiel ihnen daher erneut die Führungsrolle zu. Verbündet mit Hermunduren, Langobarden, Semnonen, Buren, Wandalen, Jazygen und Bastarnen stießen die Markomannen-Quaden über die Donau hinweg, besiegten oder vernichteten ein römisches Heer nach dem anderen und brachen in Oberitalien ein. Nur nach größtem militärischen Aufwand gelang es Marc Aurel, diese Germanen wieder auf das nördliche Donauufer zurückzudrängen. Vierzehn Jahre dauerte das erbitterte Ringen. Jedoch das Ziel Roms, die Markomannen unter seine Botmäßigkeit zu zwingen und in Böhmen Fuß zu fassen, wurde nicht erreicht. Am Nordufer der Donau hielt ein unversöhnlicher Gegner, der sprungbereit auf den rechten Augenblick wartete, um die römische Vorherrschaft in Raetien (Süddeutschland westlich von Naab und Inn), Noricum und Ober-Pannonien endgültig zu brechen. Nach den sogenannten Markomannenkriegen (166-180) ließen die unternehmungslustigen Jungkrieger Böhmens und Mährens den Römern keine Ruhe mehr. Ihre Scharen fielen immer wieder in Noricum und Pannonien ein, machten die reichen Provinzen Oberitaliens unsicher und erkämpften schließlich im 4. Jahrhundert römische Tribute an ihr Volk. Eintragungen im römi-schen Staatshandbuch aus dem 5. Jahrhundert heben im Zusammenhang mit einem Bündnis, das der christliche Missionar Ambrosius im Interesse Roms zustandegebracht hatte, Machtstellung und Volkskraft der Markomannen besonders hervor. Da diese zu jener Zeit gegen eine christliche Bekehrungstätigkeit nichts einzuwenden hatten, überbrachte Ambrosius der markorrrannischen Königin Fritigii einen eigens für sie zusammengestellten und kunstvoll geschriebenen Katechismus als besonderes Geschenk. Der Sammelname „Böhmen" für alle Germanen im gleichbezeichneten Raum - Ptolemäus schrieb schon im 2. Jahrhundert von den „Bainochaimai" - ist frühen Ursprungs. Aus den ersten Verwendungsformen entstanden geläufige Begriffe wie „Boemanni", „Behemi" oder „Boemi" für „Marcomanni", die in „Beheim" (= alte Form für Böhmen) sitzengeblieben waren, während die suebischen Landnehmer in Süddeutschland ostwärts des Lech - vom Zeitpunkt der Besitzergreifung des nachmaligen bayerischen Siedlungsraumes um 500 an - abwandelnd „Bojoarier" (= die aus „Bojerheim" stammenden!) „Baiuari" oder Bajuwaren (= Baiern, Bayern) genannt wurden. Von Awaren-Einfällen blieben Böhmen und der größte Teil Mährens unberührt. Die dort ansässige markomannisch-quadische Grundbevölkerung erhielt lediglich Verstärkung durch Langobarden, Goten, Heruler, Wandalen und Rugier, die in die Sicherheit des natürlichen Festungsraumes ausgewichen waren. Soweit es die landschaftlichen Vorteile zuließen, konnten sich Quaden und Rugier sogar im niederösterreichischen Weinviertel, Im Viertel unter dem Wienerwald, in Südmähren, in Westungarn und in der Westslowakei gegen die asiatischen Reiter behaupten. Über das Einsickern eines fremdvölkischen Elements in den germanisch besiedelten böhmisch-mährisch-donauländischen Raum zwischen dem 4. und 8. Jahrhundert weiß die zeitgenössische Chronistenumwelt nichts zu berichten. Der berühmte Geograph von Ravenna ordnete im 7. Jahrhundert alle Bewohner Böhmens, Mährens und Bayerns in das suebische Volkstum ein und faßte sie im Sammelbegriff „Maurungani" zusammen; vermutlich deshalb, weil er in den Quaden, die beiderseits der March auffallend dicht siedelten, das Kernvolk sah. Unfreie Bedienstete und vereinzelte Hintersassen aus den Reihen eingebrachter oder flüchtiger Chorwaten, Cotiner und Sarmaten bildeten als Fremdarbeiter nur eine verschwindende Minderheit, die nicht zählte. Sofern diese artverwandten, aber entwurzelten und verwilderten Dienstleute - sie waren zumeist drückendster awarischer Sklaverei entronnen oder hatten im Schutz unwirtlicher Berg- und Waldzonen ein jämmerliches Leben geführt - die Bedingungen der leistungsbestimmten germanischen Gesell-Berichterstatter des karolingischen Hofes, eindeutig mit der Feststellung: „Sueui non sunt nati, sed seminati" („Die Sueben wurden nicht geboren, sondern gesät."), womit er die große Be-völkerungszahl meinte. Zu den Sueben werden in der gleichen Aufzeichnung auch die Hehfeldi, Nortabtreci, Osterabtreci, Sleenzane usw. Ostelbiens gezählt; Namen, die in modernen Geschichtsatlanten fälschlich für „slawische Völker" stehen. Ihrer mährischen Rückendeckung beraubt, kämpften die Gaufürsten Böhmens nur noch kurze Zeit gegen eine Entwicklung an, der sie nicht mehr zu entrinnen vermochten. Ihre Abwehrerfolge in den Jahren 805/6 schoben den Verlust ihrer Unabhängigkeit lediglich auf. Nicht zuletzt die Teilung des karolingischen Reiches (817) zwang jeden König Ostfranciens, sich der abschirmenden Schlüsselfestung Böhmen zu versichern. Nach der Reichsteilung von Wirten (Verdun, 843) endlich fühlten sich die „duces Boemanorum" einer fortgesetzten Auseinandersetzung mit der Königsmacht nicht weiter gewachsen. Sie entsandten daher 849 ihre Vornehmsten als Friedensdelegation zu Verhandlungen mit Thaculf, einem Bevollmächtigten König Ludwigs, der die „Gesetze und Bräuche" des Volkes der „Sclavi" kannte; und erreichten ein zunächst befriedigendes Ergebnis: weitestgehende Autonomie bei Anerkennung der Oberhoheit des deutschen Königs. Daß die missionseifrige Kirche mit einer solchen Lösung, die das Heidentum der Boemannen unangetastet ließ, nicht einverstanden war, geht aus den „Annales Xantenses" hervor. Man empfand das königliche Zugeständnis als eine Niederlage des Christentums. Ludwig der Deutsche gab dem Drängen des Klerus, Böhmen für die Missionierung zu erschließen, erst nach, als der von ihm anfänglich protegierte Magmarenfürst Zuentibald („Großmährisches Reich") seine Macht bis an die Sudeten auszudehnen begann. Ein Kriegszug beendete 872 die Unabhängigkeit der Boemannen. Herzog Borwieg und die geschlagenen Gaufürsten Heriman, Spoitimar, Zuentislan, Witislan und Moyslan (letztere drei Namen sind gotischen Ursprungs!) ließen sich taufen. Vorderhand bis 894 den Cluaden in Mähren teildienstpflichtig, wurde Böhmen „in die Schicksalsgemeinschaft und Gewalt der Bayern" einbezogen. Den „Annales Fuldenses" zufolge erschienen 895 „alle Herzoge der Boemannen aus dem Sclavilande" („de Sclavonia omnes duces Boemanorum") in der bayrischen Herzogsstadt Regensburg - unter ihnen auch die Fürsten Spitgniew (got.) und Witizla (got.) - und gelobten im Namen ihrer Gaugemeinschaften dem deutschen König Treue, Gehorsam, Tribut und Waffenhilfe. Um die neugewonnenen Vasallen Böhmens unter Kontrolle zu halten, verfuhren die deutschen Könige nach dem alten Prinzip „divide et impera". Sie verliehen der ersten Welle der Christianisierten und einer Auswahl Nachfolgender, die ihnen militärisch, wirtschaftlich und politisch nützlich zu werden versprachen - darunter Adeligen samt Gefolge, ganzen Burgen-, Mark- und Städtegemeinschaften, Ständen und einzelnen Personengruppen -, besondere Privilegien, unterstellten sie als reichsunmit-telbare „convices" mit eigener Rechtspersönlichkeit königlichem Schutz und entzogen sie damit der direkt anwendbaren herzoglichen oder gräflichen Verfügungsgewalt. Diese Sonderordnung führte in der Entwicklung zwangsläufig zu Spannungen zwischen Bevorzugten und Benachteiligten. Christliche „Boemi" standen heidnischen „Sclavi" gegenüber. Mit fortschreitender Christianisierung wurden aus ihnen reichsunmittelbare „Teutonici" (Deutsche) und minderberechtigte, weil Herzog und Adel unterworfene „Boemi" (Böhmen). Der so entstandene Gegensatz, den die Kirche fortan zum Schaden des deutschen Königtums auszunützen verstand, verschärfte sich, als der böhmische Adel einem beinahe schrankenlosen Machtmißbrauch verfiel, - übrigens eine Erscheinung, die in den meisten deutschen Landen gleichzeitig einsetzte. Während die „Teutonici" im Schutze ihrer gesicherten Rechtsprivilegien frei blieben und ihre schöpferische sowie wirtschaftliche Kraft entfalten konnten, fielen die übrigen Böhmen hilflos der adeligen und kirchlichen Willkür zum Opfer; sie gerieten nach und nach in das Elend des Frondienstes und der Leibeigenschaft. Auch die sogenannten ersten Deutschenverfolgungen sind nicht im Sinne volkstumspolitischer Feindseligkeiten zu werten. Allein Habgier und Ingrimm darüber, daß er nicht über alle Untertanen frei gebieten durfte, veranlaßten Herzog Spitgniew II. zu dem Versuch, der Gefolgschaft des deutschen Königs auf böhmischem Boden die verbriefte Rechtsbasis zu entziehen. Zur Ordnung gerufen, bestätigte allerdings der Nachfolger des rabiaten Fürsten, Herzog Wartleib II. (glagolitisch verballhornt: Wratislaw!), alle Rechte, die den Deutschen zustanden, als unantastbar. Ausgenommen Iglau und Brünn, die nach süddeutschem Recht selbständig eine oberste Gerichtsbarkeit unterhielten, schlossen sich alle Städte Böhmens und Mährens, deren Zuordnung nicht durch Verleihung festgelegt war, je nach Ausübung süd- oder norddeutschen Rechts dem jeweils zuständigen Nürnberger oder Magdeburger Oberhof an. Die Rechte der Reichsunmittelbaren fanden im „Sobieslaum", einem Dekret des Herzogs Sobieslaus II. (13. Jhdt.) erneut ihre landesverbindliche Verankerung. Darin heißt es ausdrücklich: „Wisset, daß die Theutonici freie Menschen sind!" Auf diese Sonderstellung ist auch die Klasseneinteilung in „Boemii primi ordinis" („Böhmen erster Ordnung") und „Boemii secundi ordinis" („Böhmen zweiter Ordnung") zurückzuführen. Während die städtischen Siedlungen nach und nach Handwerker, Kaufleute und Kleriker aus Mittel- und Westdeutschland an sich zogen, gab es in Böhmen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts keine aus dem übrigen deutschen Reichsgebiet zugewanderten Bauern, sondern ausschließlich „reichsdeutsch" gewordene Alt-ansässige, die in dörflicher Ordnung nach emphyteutischem Recht lebten, d.h. als unabhängige und lastenfreie Herren ihrer Höfe über ihren Besitz uneingeschränkt verfügen konnten. Dem gleichen Vorgang war Mähren unterworfen. Nur setzte er dort etwas später ein. Zwischen 803 und 955 erlebte das Land der Quaden eine weitgehend getrennte Geschichte, die nicht übersehen werden darf. *Als das karolingische Königtum durch innere Machtkämpfe und Erbstreitigkeiten bis in seine Grundfesten erschüttert wurde, un-ternahmen die Gaufürsten der „Maharenses" zielstrebig den Versuch, sich der fränkischen Oberhoheit zu entziehen und ihren Volksraum unter einheitlicher Führung abzusichern. Herzog Magmar, der eine Restauration der alten Quadenmacht anstrebte, dehnte seine Herrschaft auf das niederösterreichische Weinviertel und auf die Westslowakei aus. (Magmar - urkundlich auch „Moymar", Jahrhunderte danach verballhornt in „Mojmir"). Bündnisverhandlungen mit schlesischen Wandalen und böhmischen Gaufürsten sowie sich abzeichnende Einflußnahme in Oberpannonien riefen Ludwig II. auf den Plan. Der König fürchtete eine reichsunabhängige suebische Blockbildung, die dem ohnehin beträchtlichen Widerstand der ostelbischen Gaue gegen die fränkisch-sächsischen Unterwerfungsversuche ernstzunehmenden Rückhalt verleihen konnte, und zog 846 nach Mähren. Magmar beugte sich, wurde abgesetzt und durch seinen Neffen Rastiz, der Ludwig den Lehenseid leistete, verdrängt. (Rastiz = Reinlieb, glagolitisch verballhornt in „Rastislaw"). Ludwig der Deutsche war schlecht beraten. Der neue Herzog dachte nicht daran, eine fränkische Bevormundung hinzunehmen, verschwor sich mit Adeligen der pannonischen Markgrafschaften und konspirierte alsbald mit Sendboten des griechischen Kaisers. Byzanz nahm die günstige Gelegenheit wahr, dem stetigen Vordringen der lateinischen Mission und der wachsenden politischen Macht des römischen Papsttums auf vorgeschobenem Feld entgegenzutreten. Da sich das mährische Schlüsselland als ideale Ausgangsbasis für eine kirchliche Gegenbewegung anbot, entsandte Kaiser Michael III. (863) die bewährten Mönche Konstantin und Methodios in das Land der Quaden. Was aber die Byzantiner geplant hatten, gereichte der Romkirche zum Vorteil. Papst Nikolaus I. gewann die beiden ehrgeizigen Griechen für sich und spannte ihre Konzeption vor den Wagen seiner reichsfeindlichen Politik. Durch Aufbau einer sowohl von byzantinischen als auch fränkischen Einwirkungen gleich freien und dem päpstlichen Willen bedingungslos gehorchenden Missionskirche sollte vorerst von Mähren ausgehend bis nach Dalmatien hinunter ein haltbarer Riegel geschaffen werden. Konstantin und Methodios rechtfertigten das Vertrauen des Papstes. Von Rastiz weiterhin geschützt, dämmten sie trotz heftigen Widerstandes das Wirken der fränkisch-bayrischen Mission ein und verbanden ihre „Bekehrungs"-Tätigkeit geschickt mit einer reichsfeindlichen Agitation. Bald griff die politische wie kirchliche Abfallbewegung auf Oberpannonien über. Fürst Kosel, der in Mosaburg unweit des Plattensees als Lehensmann des Königs residierte, reihte sich in die entstehende Front der Abtrünnigen ein. Als endlich Papst Hadrian II. den Mönch Methodios zum mährisch-pannonischen Erzbischof erhob, ihm den Legatentitel verlieh und die Christianisierung aller „Sclavi" seiner Mission übertrug, holten die Bischöfe von Salzburg und Passau zum Gegenschlag aus. Sie bestritten die Rechtgläubigkeit der „Methodianer" und bewogen den König, einzuschreiten. Rastiz, der den Lehenseid gebrochen hatte, wurde seiner Würden entkleidet, vom Gaufürsten Zuentibald gefangen genommen und den Franken ausgeliefert. Methodios fiel ebenfalls in fränkische Hände und wanderte 870 in schwäbische Klosterhaft. Sein Bruder Konstantin, der den kirchlichen Namen Kyrillos angenommen hatte, war kurz zuvor in Rom gestorben. Dank päpstlicher Bannflüche erlangte Methodios allerdings schon 873 wieder die Freiheit und kehrte nach Mähren zurück, um sein Werk fortzusetzen. Er wurde dort geduldet und von Papst Johannes VIII. im Jahr 880 abermals autorisiert. Herzog Zuentibald, 871 mit dem Marchgebiet belehnt, verfolgte die Ziele Magmars und beschwor dadurch einen neuen Konflikt mit den Franken herauf. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern gelang es ihm aber, die eindringenden Expeditionsheere des Königs siegreich abzuweisen. Nicht geringen Anteil an diesen Erfolgen hatte der quadische Gaufürst Sclagomar (- sein Name wurde erst von neutschechischen Historikern in „Slavomir" umgefälscht!). Ludwig II., dem es vorwiegend um die Stabilisierung der Grenzen im Osten ging, erklärte sich verhandlungsbereit. 874 kam der Vertrag von Forchheim zustande, der dem neuen Quadenreich („Großmährisches Reich") weitestgehende Unabhängigkeit zubilligte, dem König aber die Treue Zuentibalds einbrachte. Nach wenigen Jahren umfaßte der mährische Herrschaftsbereich nicht nur den Großteil der alten quadischen Siedlungsgebiete, sondern erstreckte sich auch in Pannonien bis an den Granfluß und beiderseits des Oberlaufs der Oder bis nach Schlesien hinein. Böhmen war mittlerweile teildienstpflichtig geworden. Nachdem Methodios 885 gestorben war, ließ Zuentibald die Jünger der glagolitischen Mission des Landes verweisen, untersagte deren Liturgie und setzte den deutschen Bischof Wiching als kirchliches Reichsoberhaupt ein. Die Saat der Spalter war in Mähren unfruchtbar geblieben. Allein der bisher geschilderte Sachverhalt beweist die Unhaltbarkeit der seit dem 19. Jahrhundert zur „historischen Wahrheit" erhobenen Legendenbehauptung über Leben und Werk der angeblichen „Slawen-Apostel" Kyrill und Method. König Arnulf von Kärnten, ein Enkel Ludwigs des Deutschen, bestätigte erneut das beschränkte Hoheitsrecht Zuentibalds in Böhmen, wollte jedoch eine gänzliche Einbeziehung der böhmischen Gaue in die mährische Machtgewalt nicht gelten lassen. Darüber kam es 892 zum Krieg. Arnulf unternahm zwei verlustreiche Feldzüge, die jedoch keine Entscheidung brachten. Erst der Tod des klugen und energischen Quadenfürsten im Jahr 894 änderte die Lage zugunsten des Königs. Zuentibalds Söhne - Magmar, Zuentibald und Gotefriedus - unterwarfen sich der ostfränkischen Oberherrschaft. Ihre folgenden Streitigkeiten mußten 901 vom bayrischen Herzog geschlichtet werden. Uneinigkeit und Fe |