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SS-STAAT BURGUND

Werwolf


Vor genau 60 Jahren, am 1. April 1945, meldet sich zum ersten Male über den Rundfunk eine Bewegung zu Wort, die im "Völkischen Beobachter" so zitiert wird: Hass ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei. Auf der alten Welle des Deutschlandsenders ruft an diesem Ostersonntag ein erfahrener Werwolf dazu auf, schnell zu handeln:

"Errichtet Sperren und Fallen auf den Straßen, entfernt die Ortstafeln, beseitigt oder vertauscht die Wegweiser ... Telefon- und Telegraphenleitungen sind für uns gebaut, nicht für den Feind. Zerstört sie! ... Die Waffe in der Hand des Feindes bedeutet Tod für unser Volk. In Eurer Hand sichert sie die Freiheit des Volkes ...
Die materielle Überlegenheit unseres Feindes ist nur seine Brust, im Rücken ist er leicht zu verwunden. An die Arbeit, Werwölfe!
Wir Werwölfe geben alles für unser Volk. Und wenn wir nichts mehr zu geben haben, so sterben wir eben für das Volk. Wichtig ist nur, dass unser Volk rein und groß und untadelig aus diesen dunklen Zeiten hervorgeht ... Der Kampf der Werwölfe erobert ein Volk in Freiheit."

Der Werwolf wurde nun offiziell bekannt gegeben. Kleine Werwolf-Gruppen sollten, auch in schon besetzten Gebieten, den Vormarsch der Alliierten aufhalten beziehungsweise. sabotieren und bekämpfen.

Dieser Artikel wirkt dem entgegen, was in vielen Publikationen als Märchen oder reine Propaganda dargestellt wird: Werwolf hat existiert und ist immer noch existent! Und er hat in vielerlei Hinsicht den Ablauf des Kriegsendes und die Teilung Europas für fast fünfundvierzig Jahre beeinflusst.


Warum der Werwolf aus der germanischen Mythologie? Warum ein mythisches Wesen, halb Mensch, halb Raubtier, das sich von menschlichem Blut nährt? Unter diesem Namen existierte schon im Mittelalter eine geheime und von ihrer Umwelt unabhängige Vereinigung, die alle liquidierte, die sie für eine besondere Gefahr für das Vaterland ansah. 1923 wurde unter demselben Namen eine Organisation gegründet, die 1933 geschlossen in der SA aufging.
Viele Verweise zur Namensgebung führen auch zu Hermann Löns und seinem Buch „Der Wehrwolf“. Schon zu Lebzeiten hatte der Heidedichter eindeutig Position bezogen: "Ich bin Teutone hoch vier. Wir haben genug mit Humanistik, National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, dass ich eine ganz gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte. Natürlich passt das den Juden nicht und darum zetern sie über Teutonismus. Das aber ist der Weg, die Wahrheit und das Leben."

Die Handlung des Romans spielt im Dreißigjährigen Krieg, als sich die Heidebauern zu einem Geheimbund, den „Wehrwölfen", zusammenschließen, um ihre Familien und Höfe gegen die plündernden und mordenden Söldner und anderes Raubgesindel in deren Gefolge zu verteidigen. Weil das Buch zum Ende des Zweiten Weltkrieges den Flakhelfern und den Hitlerjungen zur Lektüre verordnet wird, wird es übrigens gleich 1945 durch die Zensur der siegreichen Alliierten deshalb auf den Index gesetzt. Heute ist das Buch aber nicht mehr indiziert, es sollte sogar heute wieder gelesen werden, da es nichts von seinem sprachlichen Reiz verloren hat!


Angesichts der auf allen Kriegsschauplätzen unaufhaltsam gegen die Reichsgrenzen vorrückenden alliierten Truppen beschäftigte sich RFSS Himmler in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres seit Mitte September 1944 mit dem »Aufbau der Widerstandsbewegung in den deutschen Grenzgebieten«: „...in Gebieten, von denen der Feind annimmt, daß er sie bereits erobert hat, muß erneut hinter seinem Rücken deutscher Widerstandswille aufflammen und todesmutige Freiwillige werden als Werwölfe dem Feind schaden und seine Lebensfäden durchschneiden“. Mit der Taktik des Untergrundkampfes auf deutschen Boden und durch gezielte Sabotageakte hinter den gegnerischen Linien sollten die eigenen Kampfverbände entlastet, durch Anschläge gegen Deutsche, die mit dem Feind zusammenarbeiteten, eine eventuelle Kollaborationsbereitschaft vermindert werden. Der Begriff »Werwölfe« tauchte in diesem Zusammenhang erstmals am 28.10.1944 in einer Rede das RFSS vor Männern des ostpreußischen Volkssturms auf.
Die Entlehnung aus dem Roman „Der Wehrwolf“ von Hermann Löns (1910) mit seiner Schilderung des Partisanenkampfes niedersächsischer Bauern gegen die Soldateska des 30jährigen Krieges liegt nahe.

Chef der Werwolf-Organisation mit dem Titel »Generalinspekteur für Spezialabwehr beim Reichsführer SS« wurde Mitte September 1944 der als Höherer SS- und Polizeiführer Rußland-Süd/Ukraine mit der Organisation von Selbstschutzverbänden und der Bekämpfung von Partisanen seit längerem vertraute SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, Träger des Bandenkampfabzeichens Hans-Adolf Prützmann, der mit seinem Stab von einem bei Königs Wusterhausen, später Rheinsberg, stationierten Reichsbahn-Sonderzug aus den Aufbau der Organisation leitete. Prützmanns Stab, dem auch Wehrmachtsoffiziere und HJ-Führer sowie eine Referentin für den vorgesehenen weiblichen Werwolf angehörten, konnte sich auf die Erfahrungen und einiges Personal von Sondereinheiten der Waffen-SS (SS-Jagdverbände) stützen, die seit Anfang 1943 auf Schloß Friedenthal bei Oranienburg für Kommando-Unternehmen ausgebildet worden waren.. So leitete beispielsweise SS- Hauptsturmführer Otto Skorzeny und der von ihm aufgebaute "SS-Sonderverband Friedenthal z.b.V. (zur besonderen Verwendung)" unter strengster Geheimhaltung die Ausbildung der Werwölfe.

Grundlage für die Ausbildung zumindest der Führer der Kleinkampfgruppen (4-20 Mann) auf den improvisierten Werwolf-Schulen war die seit Januar 1945 vorliegende Taktikfibel »Werwolf. Winke für Jagdeinheiten«. Verfasst wurde der Leitfaden für den Untergrundkämpfer hauptsächlich von SS-Hauptsturmführer und zuständig für "Bandenbekämpfung“ Arthur Ehrhard, 1951 übrigens einer der Gründer der Monatszeitschrift "Nation Europa" (heute „Nation & Europa“). Nach dieser Ausbildungsanweisung war neben dem militärischen Führer der Werwolf-Einheit ein den Kommissaren der Roten Armee vergleichbarer politischer Führer einzuplanen. Die Absolventen lernten in mehrwöchigen Kursen zu chiffrieren, Züge, Gebäude und Brücken in die Luft zu sprengen, potentielle Gegner mit Waffen aufzuspüren, Dokumente zu fälschen. Großer Wert wurde auch auf Übungen im lautlosen Töten und vor allem auf die Tarnung gelegt. Die organisatorischen Grundeinheiten waren kleine Gruppen, meistens vier bis zwanzig Mann, die auf Operationen in Räumen, die sie ausgezeichnet kannten, trainiert wurden.


Die stärkste propagandistische Wirkung aller Werwolf-Unternehmen erzielte das „Unternehmen Karneval“. Einem Werwolf-Kommando, bestehend aus einer Gruppe von sechs Männern und einer Frau, gelang es den ersten von den Alliierten am 31.Oktober 1944 eingesetzten, heute gerne als „ersten demokratisch gewählten“ bezeichneten, Bürgermeister in Aachen, Dr. Franz Oppenhoff, zu beseitigen.. Die Kampfgruppe sprang in der Nacht zum 25. März 1945 an der niederländisch-belgischen Grenze ab. Beim Ausgraben eines toten Briefkastens wurden sie von einem niederländischen Grenzsoldaten überrascht, den sie erschossen und dann sofort nach Aachen marschierten, das die erste deutsche Stadt war, die die Alliierten besetzt hatten. Mit einer List drangen sie in das Haus des Bürgermeisters ein, und am Palmsonntag stirbt Oppenhoff durch einen Schuss in die linke Schläfe auf den Treppen des Kellereinganges seines Hauses. Der Völkische Beobachter feierte Unternehme nach der der Feme des Werwolf: »Der ›Werwolf‹ hält selbst Gericht und entscheidet über Leben und Tod.«
Nach dem Krieg wurden zwar alle Mitglieder bis auf den Kommandoführer gefasst und vor Gericht gestellt, das 1949 die Urteile sprach: einige kamen frei, die höchste Strafe betrug vier Jahre. Dennoch mußte niemand ins Gefängnis. Bei einem Berufungsverfahren wurden 1952 die Strafen auf wenige Monate abgemildert, und weil diese als bereits in der Internierung nach der Kapitulation Deutschlands verbüßt galten, wurden sie in die Freiheit entlassen.

Auch forderte beispielsweise im badischen Städtchen Tiengen Bürgermeister Gutmann am 15. April 1945 die Bevölkerung dazu auf, alliierte Soldaten, die ohne Begleitung waren, zu ermorden und Werwolfmitgliedern Unterschlupf zu gewähren. Wer nicht mitmache, werde hingerichtet. Das stand ganz im Sinne der so genannten "Werwolf-Proklamation" von Dr. Goebbels: „... Für die Bewegung sind jeder Bolschewist, jeder Brite und jeder Amerikaner auf deutschem Boden Freiwild. Wo immer wir eine Gelegenheit haben, ihr Leben auszulöschen, werden wir das mit Vergnügen und ohne Rücksicht auf unser eigenes Leben tun...“

Der bewaffnete Kampf als Werwolf hatte aber andererseits zur Folge, daß Werwolf-Angehörige wegen des fehlenden Kombattantenstatus den nach dem Kriegsrecht erlaubten Repressalien alliierter Truppen ausgesetzt waren und zum Teil. standrechtlich erschossen wurden, wobei natürlich häufig auch eine nicht beweisbare Werwolf-Tätigkeit das Todesurteil von Denunziantenopfern war.


Eine recht junge mediale Aufmerksamkeit erlangte der Werwolf durch das "Handbuch für improvisierte Sprengtechnik“, ein Strategiepapier zum bewaffneten Kampf von zu bildenden Werwolf-Gruppen eines "Autorenkollektiv Werwolf" , das seit Anfang der 90er Jahre vertrieben wird. Auch wurde 1991 eine "Werwolf-Jagdeinheit-Senftenberg" bekannt, die den 27jährigen Timo Kählke in der Nähe von Cottbus erschossen und verbrannt hatten.


Interessant ist im Gesamtzusammenhang sicher auch, das das Führerhauptquartier bei Winniza in der Ukraine (16.07.-31.09.1942 und 19.02.-13.03.1943) sich auch »Werwolf« nannte.

*****
Weiterführende Literatur:
Löns, Hermann: „Der Wehrwolf“.
Rose, Arno: „Werwolf 1944-1945“, Stuttgart 1980
Trees, Wolfgang: „Unternehmen Karneva“, Triangel-Verlag
Bundesarchiv Potsdam

*****
„Warnung an alle Verräter und Liebesdiener des Feinde!

Der Oberbayerische Werwolf warnt vorsorglich alle diejenigen, die dem Feinde Vorschub leisten wollen oder Deutsche und deren Angehörige bedrohen oder schikanieren, die Adolf Hitler die Treue hielten. Wir warnen! Verräter und Verbrecher am Volke büßen mit dem Leben und ihrer ganzen Sippe. Dorfgemeinschaften, die sich versündigen am Leben der Unseren oder die weiße Fahne zeigen, werden ein vernichtendes Haberfeldtreiben erleben, früher oder später. Unsere Rache ist tödlich!

Der Werwolf“

Verteilte Zettel des "Werwolf Oberbayern", 1945
***

Hoffe das auch dieser wertvolle Beitrag eifrigst gelesen wird.

MdbG

M.,
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